02. April 2019, 05:00 Uhr

Sicher-Baugebiet

Nach drei Jahrzehnten wird Baulücke in Bad Nauheim geschlossen

Vor 30 Jahren war auf einem Teilstück des Sichler-Baugebiets in Bad Nauheim schon mal ein erster Spatenstich vollzogen worden. Es folgte ein Baustopp, erst jetzt sind wieder Bagger zu sehen.
02. April 2019, 05:00 Uhr
Von der Dachterrasse seines Hauses in der Hügelstraße hat Immobilienmakler Rafael Jantos einen hervorragenden Ausblick auf das kleine Neubaugebiet im Sichler (im Hintergrund). Jantos hat die Vermarktung der Grundstücke übernommen. (Foto: Nici Merz)

Der Sichler gilt in Bad Nauheim als begehrtes Wohngebiet, da die Verkehrsbelastung gering und der Hochwald nicht weit entfernt ist. Trotzdem blieb ein fast 15 000 Quadratmeter großes Teilstück jahrzehntelang unbebaut. Dort soll einst eine Kiesgrube existiert haben, die später mit Bauschutt und Hausmüll verfüllt wurde.

Als diese Hinterlassenschaften 1989 beim Start der Erschließungsarbeiten bekannt wurden, ordneten die Behörden einen Baustopp an. In der Folgezeit wuchs das Sichler-Wohngebiet zu seiner heutigen Größe, das ehemalige Deponie-Gelände blieb dagegen eine Streuobstwiese, auf der zeitweise Schafe weideten.

 

Eigentümer mussten sich einigen

Jetzt soll auch diese Lücke geschlossen werden. Die Voraussetzungen dafür hatte Jürgen Patscha, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, vor einigen Jahren geschaffen. In zähen Verhandlungen wurde das Regierungspräsidium Darmstadt, das die Fläche vor Jahrzehnten als schadstoffbelastet eingestuft hatte, von einem Neuanfang überzeugt.

Wie aktuelle Gutachten nach Angaben von Patscha zeigen, ist keines der Grundstücke kontaminiert, das Erdreich muss deshalb auch nicht abgetragen werden. Probleme bereitet allerdings die Gründung der Neubauten, weil die meterdicke Schuttschicht nicht verdichtet ist. Die Gebäude müssen auf Pfählen errichtet werden.

 

Bauhausstil

»Die Bebauung des Geländes hat sich auch deshalb verzögert, weil es mehrere Eigentümer gab, die sich einigen mussten«, sagt Makler Rafael Jantos, der mit seiner Tora Immobilien GmbH die Vermarktung der Grundstücke übernimmt. Die WJR Projekt GmbH hatte den etwa 10 000 Quadratmeter großen südlichen Teil des Areals erworben und verkauft die Parzellen jetzt mithilfe von Jantos an die Bauherren weiter.

Ein Generalunternehmer aus Münster wurde mit Erschließung und Hausbau beauftragt. Die Architektur wird den benachbarten Gebäuden angepasst. »Bauhausstil mit Flachdach und großen Glasflächen«, beschreibt der Makler die Planung.

 

Erschließung hat begonnen

Seit einigen Tagen werden im Baugebiet Gräben für Kanal- und Wasserrohre sowie Versorgungsleitungen ausgehoben. Die Verkehrerschließung erfolgt über den Wilhelm-Jost-Ring. »Das Baurecht liegt vor, gegen Jahresende könnten die ersten Häuser errichtet werden«, sagt Jantos. Wie viel Wohngebäude insgesamt entstehen, ist noch offen. Ein 1000 Quadratmeter großes Grundstücke wurde bereits verkauft, eine ähnlich große Fläche bleibt im Eigentum der WJR-Geschäftsführer. Jantos hat noch etwa 3500 Quadratmeter Bauland zu vergeben, wobei dieser Teil des Sichler eine der teuersten Wohnadressen Bad Nauheims wird.

Den Kaufpreis gibt er nämlich mit 720 Euro pro Quadratmeter an. Wenige Meter weiter, im Neubaugebiet Bad Nauheim Süd, verlangt die Stadt 420 Euro/Quadratmeter, private Verkäufer deutlich mehr. Trotz des stolzen Preises rechnet der Makler mit einer zügigen Vermarktung, da nach wie vor großes Interesse an Baugrund in der Kurstadt herrsche.

 

Bebauung auch im Norden

Eine Teil der Fläche auf der ehemaligen Deponie gehörte bis vor einem Jahr der Stadt. Sie verkaufte die Grundstücke für einen Quadratmeterpreis von 230 Euro an die WJR GmbH. Begründung: Die Erschließungs- und Baukosten seien sehr hoch, deshalb könne die Stadt nicht mehr verlangen.

Bebaut werden soll auch der kleinere nördliche Abschnitt des früheren Deponieareals. Dort sind nach Angaben der Stadt acht Wohngebäude geplant. Baurecht für dieses Teilstück liegt bereits seit längerer Zeit vor.

Info

1989: Arsen-Alarm im Sichler

Die Bebauung des Sichler-Gebiets am Hochwald war ein schwieriges Unterfangen. Seit 1986 lag Baurecht für das große Areal vor, auf dem 450 Häuser geplant waren. Drei Jahre später, als bereits etliche Wohngebäude errichtet oder im Bau waren, traten Probleme auf. Die alte Deponie wurde bei Erschließungsarbeiten entdeckt, Untersuchungen ergaben einen deutlich erhöhten Arsenwert, zudem eine geringe Belastung mit Schwermetallen. Als Geologen auch andere Teile des Sichler in Augenschein nahmen, stießen sie auch dort auf Arsen im Erdreich. 1991, damals waren bereits rund 250 Baugenehmigungen erteilt, zog die Kreisverwaltung die Reißleine und vergab vorerst keine Baugenehmigungen mehr. Erst zwei Jahre später entspannte sich die Situation wieder. Wie Experten bei weiteren Erdanalysen festgestellt hatten, handelte es sich um ein natürliches Arsenvorkommen, überall in Bad Nauheim werden erhöhte Werte registriert. Ab 1993 wurden wieder Baugenehmigungen erteilt, das Sichler-Gebiet wuchs und wuchs. Nur das ehemalige Deponiegelände lag drei Jahrzehnte lang brach – erst jetzt wird die Baulücke geschlossen. (bk)

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