24. Juni 2018, 12:00 Uhr

Abi geschafft

Nach 13 Jahren Schule – fünf Schüler erzählen

Geschafft! Abi in der Tasche. Rund 60 Schüler haben in Wölfersheim ihre Prüfungen hinter sich gebracht. Das Besondere: Sie sind der erste Abi-Jahrgang der Singbergschule. Nachteil oder Vorteil?
24. Juni 2018, 12:00 Uhr

Dreizehn Jahre Schule. Eine lange Zeit, in der man als junger Mensch viel erlebt – und in der man sich mit vielen Dingen herumschlagen muss, ob man will oder nicht. Jasmin Fleischer, Nicola Koch, Lucia Küchenmeister, Lena Kühn und Hannah Seeling, alle aus Wölfersheim, haben es hinter sich gebracht – als erste Abiturienten der Singbergschule. Und sie sind vor allem erleichtert, wie sie im Gespräch erzählen.

Ihr habt alle euer Abi geschafft, habt 13 Jahre Schule hinter euch. Wie war die Schulzeit?

Jasmin: Es ging ziemlich schnell vorbei. In der 11 war ich noch total motiviert, weil ich dachte: »Jetzt fängt die Oberstufe an, jetzt muss ich was machen.« In der 12 hat das schon nachgelassen, aber zum Ende hin, wenn man weiß, die Zeugnisse stehen an, strengt man sich an. In der 13, vor den schriftlichen Prüfungen, war es extrem, da habe ich viel gelernt, aber vor den mündlichen hatte ich gar keine Motivation mehr.

Hannah: Der Unterricht hat sich am Ende auch ziemlich gezogen.

Lucia: Ich bin froh, dass jetzt alles vorbei ist. Nach der 10. Klasse hatte ich noch Lust, war motiviert, wollte keine Lehre machen. Aber jetzt reicht’s.

Glaubt ihr, ihr werdet die Schule trotzdem vermissen?

Nicola: Ja, schon. Vor allem sind wir als Jahrgang zusammengewachsen, weil wir so wenige waren. Da kannte jeder jeden. Das war sehr familiär.

Hannah: Wir hingen jeden Tag aufeinander, es ist schon komisch, dass es jetzt nicht mehr so ist. Aber im Moment überwiegt noch die Erleichterung.

Lena: Ich werde die Gemeinschaft vermissen.

Lucia: Ja, zusammen im Café sitzen, Zeit miteinander verbringen, reden.

Nicola: Momentan fühlt es sich noch so an, als sind Ferien, und es geht einfach wieder weiter.

Ihr habt in den vergangenen Jahren eine Menge gelernt. Manches hat euch sicher interessiert, manches weniger. Wie seht ihr das heute: Ist alles richtig gelaufen?

Jasmin: Ich finde, oftmals sind die Lehrpläne falsch gesetzt, wir machen viele Sachen, die im Endeffekt nicht wichtig sind.

Lucia: Was unsere Schule gut macht, ist Berufsorientierung, da wurde uns viel angeboten. Dass wir uns mit bestimmten Berufen auseinandersetzen sollten. Was aber fehlt im Lehrplan: Dass es ein Fach fürs Leben gibt, das in irgendeiner Form vorbereitet. Wirklich noch mal ganz konkret. Es gibt so viele Sachen, über die man nichts weiß. Versicherungen zum Beispiel.

Würdet ihr sagen, ihr habt bloß für die Schule gelernt oder auch darüber hinaus?

Jasmin: Auf jeden Fall auch darüber hinaus. Gerade bei uns im Powi-LK wurde viel diskutiert. Mir hat es immer Spaß gemacht, andere Meinungen zu hören und auch darüber nachzudenken. Unser Lehrer hat nie gesagt, diese oder jene Meinung ist falsch.

Lucia: Das nehme ich auch aus der Oberstufenzeit mit: dass man nicht diesen Tunnelblick hat, sondern mal abwägt, Pro und Contra auflisten kann.

Jasmin: Lernen, seine Meinung zu begründen, dass man sie mit Fakten belegen und argumentieren kann.

Habt ihr dennoch das Gefühl, euch mit sinnlosen Dingen beschäftigt zu haben?

Nicola: Mathe war immer mein Hassfach, da habe ich mich schon immer gefragt, wieso ich das jetzt lernen muss.

Hannah: Je nachdem, was wir machen wollen, ist ziemlich viel sinnlos, aber es schadet ja nicht, viel zu können und zu wissen. Wenn man mal bedenkt, dass wir damit jetzt alles machen können.

Im internationalen Vergleich schneidet das deutsche Schulsystem nicht sehr gut ab. Woran, glaubt ihr, liegt das?

Jasmin: Ich verstehe das nicht so ganz, eigentlich ist unser Schulsystem nicht schlecht.

Hannah: Ja, das stimmt, aber ich denke, Bildung ist hier noch abhängig vom Geld. Es kann sich nicht jeder leisten, zur nächsten Oberstufe zu fahren, und es ist davon abhängig, ob Eltern einen fördern können. Klar, die Schule gibt sich Mühe, aber das reicht nicht immer. Ich wurde in Mathe gefördert mit Nachhilfe, meine Eltern haben das Geld investiert, das kann aber nicht jeder.

Ihr seid die ersten, die auf dem Singberg Abi gemacht haben. Habt ihr das ordentlich gefeiert?

Jasmin: Auf jeden Fall. Wir hatten zuerst den Abi-Ball, der wurde um Mitternacht offiziell beendet, und danach haben die Abiturienten unter sich gefeiert.

Nicola: Bis um 7. Das war eine sehr runde Abschlusssache.

Lena: Wir haben nur positives Feedback bekommen, dass es familiär und lustig war. Am Ende haben alle getanzt.

Was war euer Abi-Motto?

Nicola: Wir wollten es auf den ersten Abi-Jahrgang beziehen. Daher: »First Class, nach uns kommt nur noch Economy.«

Und beim Abi-Gag, habt ihr da auch gut vorgelegt für nachfolgende Generationen?

Nicola: Wir waren ziemlich nett. Außer eine Sache: Wir haben im Lehrerzimmer den Boden im Eingangsbereich voll mit Plastikbechern voller Wasser gestellt. Dann haben wir die Parkplätze abgesperrt, alle Eingänge zugemacht, die Leute mit Wasserpistolen bespritzt und auf den Sportplatz gejagt. Da haben wir Lehrer-Schüler-Spiele gemacht, Eierlaufen zum Beispiel.

Die ersten zu sein hat sicher Vor- und Nachteile. Was hat euch am meisten genervt?

Jasmin: Dass viel versprochen wurde, was nicht gehalten wurde.

Nicola: Man hat sich ein bisschen wie ein Versuchskaninchen gefühlt.

Inwiefern?

Nicola: Wir sollten zum Beispiel ein Gebäude in der 12 kriegen. Das ist jetzt noch nicht fertig. Oder uns wurde versprochen, dass wir in Englisch ein Cambridge-Zertifikat machen können. Ging dann aber nicht.

Jasmin: Was bei mir ein bisschen blöd war: Es wurde versprochen, dass es einen Sport-LK gibt, weil es eine Schule mit Schwerpunkt Musik und Sport ist. Den gab es doch nicht, was erst spät gesagt wurde. Da habe ich überlegt, auf die Burg zu gehen, im Endeffekt bin ich froh, dass ich es nicht gemacht habe.

Hannah: Wir wissen aber auch, dass die Schule nicht schuld daran ist. Dass das Gebäude nicht fertig geworden ist, liegt zum Beispiel am Kreis. Die Schule war selbst enttäuscht darüber.

Lucia: Es war noch ein bisschen unstrukturiert und unorganisiert. Aber ich denke mal, die Schule wird da reinwachsen. Vor allem waren wir ja der erste Jahrgang. Was ich als positiv davon mitgenommen habe: dass sich die Lehrer vor den Prüfungen extrem um uns bemüht haben. Es wurde uns ermöglicht, dreimal samstags Mathe mit Studenten zu lernen. In jedem Fach haben sich die Lehrer mit uns am Wochenende getroffen, um Sachen durchzugehen. Das hat viel geholfen.

Also keine Lehrer, die schon seit 30 Jahren Schüler durchs Abi gebracht haben und das eher fließbandmäßig machen?

Lucia: Genau, man hat richtig gemerkt, dass es ihnen wichtig ist – einerseits für uns, andererseits auch für den Ruf der Schule.

Habt ihr es bereut, nicht auf eine andere Schule, zum Beispiel auf die Burg, gegangen zu sein.

Alle: Überhaupt nicht, nein, nö.

Jasmin: Ich bin froh, dass ich in meinen Freistunden nach Hause konnte und meine Zeit nicht in Friedberg verbringen musste.

Seid ihr schon immer auf der Singbergschule gewesen?

Hannah: Ich war mal auf der Augustinerschule.

Und: Stimmt es, was man über die Singbergschule hört, dass sie familiärer ist als andere Schulen?

Hannah: Ich finde schon, ich habe an der Augustinerschule gemerkt, dass es zwischen den Menschen anders war. Man war auf dem Schulhof eher cool. Hier rennen die jüngeren Schüler noch rum, machen ihr Ding. Und der Kontakt zu den Lehrern ist persönlicher.

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