06. November 2018, 20:27 Uhr

»My Way« auf eigene Weise

06. November 2018, 20:27 Uhr
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Von Harald Schuchardt
Markenzeichen: Das gemeinsame Spiel mit zwei Saxofonen prägen den unverkennbaren Sound der Dixie Swingers. (Foto: lod)

Es sollte ein einmaliger Auftritt werden: Nach dem Tod des Wöllstädter Klarinettisten Fred Ott stellte dessen Ehefrau, die Sängerin und Saxofonistin Conny Ott, zusammen mit dem Rendeler Pianist Dieter Wiertz eine Band für ein Konzert zum Gedenken an ihren Ehemann zusammen. Dies fand am 2. November 2013 in der Bahnhofsgaststätte »Melyssa« in Friedberg statt.

Schnell wurde beschlossen, gemeinsam weiterzuspielen. So entstanden die Dixie Swingers, die am Samstag, fast auf den Tag genau, im Alten Hallenbad ihr 5-jähriges Bestehen feierten. Von Beginn an dabei sind Bassist Gernot Schäfer aus Wisselsheim, Schlagzeuger Willi Schwerdhöfer aus Münzenberg sowie Klarinettist und Saxofonist Oliver Kube aus Ockstadt, der als musikalischer Leiter fungiert.

»Wir sind zu einer Einheit zusammengeschmolzen,« erklärte Conny Ott, die mit viel Humor und Spaß charmant durch den Abend führte. Dass dem so ist, wurde schon beim Auftakt deutlich, obwohl da Ott noch nicht dabei war. Den Gershwin-Klassiker »Lady be good« spielten die Männer noch »ganz ohne Lady«, so Wiertz.

Benny Goodman der Wetterau

Schon hier begeisterten die vier mit exzellenten Soli, die mit viel Zwischenapplaus bedacht wurden. Mit dem Cabaret-Song »Willkommen, Bienvenue, Welcome« kam Ott singend durch den Saal auf die Bühne. »Fünf Jahre sind nicht viel, aber wir sind nicht die Jüngsten. Da soll man die Feste feiern, wie sie fallen«, meinte die Bandgründerin, die das Theater Altes Hallenbad als »die adäquate Location für uns« bezeichnete.

Dass das Quintett immer wieder an den Stücken »bastelt, damit sie etwas anders klingen, als gewohnt« (Ott), wurde im Laufe des Abends deutlich. Ein besonderes »Markenzeichen« ist das gemeinsame Spiel von Ott und Kube auf dem Saxofon, wie bei dem durch die Version der Glenn-Miller-Band bekannt gewordenen »Tuxedo Junction«.

»Wir sind jetzt eine Big Band« erklärte Ott, die auch als Sängerin überzeugte und überraschte, gehören zum Repertoire der Band nicht nur fröhlicher Jazz und Swing, sondern auch gefühlvolle Balladen und Chansons, wie »Der, den ich will«. Das relativ unbekannte Stück von Annett Louisan widmete sie ihren Ex-Partnern, mit denen sie sich noch immer prächtig verstehe, so Ott. Hildegard Knefs »Für mich soll’s rote Rosen regnen« sang Ott ebenso beeindruckend wie den Mackie-Messer-Song aus Brechts Drei-Groschen-Oper.

»Das erlauben wir uns heute, bei einem Jazzfrühschoppen passt das eher nicht«, meinte Ott. Immer wieder für Begeisterung sorgte Oliver Kube, vor allem dann, wenn er zur Klarinette gegriffen hatte. Völlig zu Recht bezeichnete Ott ihren musikalischen Leiter als »Benny Goodman der Wetterau«. Herausragend war Kubes Klarinetten-Intro zu »Sweet Georgia Brown«, einem von zahlreichen Klassikern wie »Georgia« oder »Route 66«. Pianist Dieter Wiertz wechselte bei langsamen Stücken wie »Autumn leaves« oder »Ganz Paris träumt von der Liebe« aufs Akkordeon, auf dem er auch die Marseilles kurz intonierte. Bassist Gernot Schäfer war weit mehr als nur Backgroundsänger und Begleiter auf dem Bass. Die Basslinien bei seinen Soli wurden ebenso gefeiert, wie die prägnanten Soloeinlagen von Schlagzeuger Willi Schwerdhöfer.

Zwei Zugaben erklatschten sich die begeisterten Jazzfans schließlich. Mit einem eigenen »Jubiläumstext« auf »My Way« endete das Jubiläumskonzert.



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