23. September 2019, 05:00 Uhr

Emotionaler Prozess

Mutter möchte anderen Nachnamen für ihren Sohn

Dass eine Namensänderung keine Sache von Lust und Laune ist, das muss derzeit die Mutter eines zwölfjährigen Jungen erfahren. Der Wetteraukreis hatte nämlich ihren Antrag abgelehnt.
23. September 2019, 05:00 Uhr

Es ist ein Prozess mit sehr vielen Emotionen, jedenfalls auf Seiten der Mutter. Sie möchte den Wetteraukreis dazu bringen, dass er seine Entscheidung, die Namensänderung für ihren minderjährigen Sohn auf ihren neuen Familiennamen abzulehnen, nicht nur zurücknimmt, sondern stattdessen die Umbenennung zulässt. Deswegen hat sie im Namen ihres zwölfjährigen Sohnes Klage vor dem Verwaltungsgericht eingereicht.

Der Sohn - nennen wir ihn hier Peter - kam vor zwölf Jahren als nichteheliches Kind zur Welt und erhielt den Nachnamen seiner leiblichen Mutter. Dabei handelte es sich um den Nachnamen aus der zuvor geschiedenen ersten Ehe der Mutter. Aus dieser ersten Ehe hatte die Frau bereits zwei Kinder, die heute erwachsen sind und als Studenten nicht mehr dauerhaft im Haushalt der Mutter leben. Als Sohn Peter vier Jahre alt war, entschlossen sich seine leiblichen Eltern zu heiraten. Die Mutter - nennen wir sie hier Susanne Heinrich - ergänzte ihren bisherigen Nachnamen um den Namen ihres neuen Ehemannes, nannte sich fortan Susanne Heinrich-Meyer. Und auf beider Wunsch hieß Sohn Peter ab diesem Zeitpunkt nicht mehr Peter Heinrich, sondern Peter Meyer. Er erhielt also den Nachnamen seines leiblichen Vaters. Doch die Ehe der Eltern hielt nicht lang. 2013 wurde sie in einer Art Rosenkrieg geschieden, denn die Eheleute stritten sich heftig um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn Peter.

Sofort nach der Scheidung änderte die Mutter des Klägers wieder ihren Nachnamen, aber nicht zu ihrem Geburtsnamen, sondern zu dem ihres früheren Ehemannes aus erster Ehe. Ab 2016 hieß sie wieder Susanne Heinrich. Und eben diesen Nachnamen, den er die ersten vier Jahres seines Lebens bereits geführt hatte, möchte nun auch der Kläger, der zwölfjährige Peter, wieder annehmen. Seine Mutter hatte deshalb im vergangenen Jahr bei der zuständigen Behörde für Namensänderung, der Wetterauer Kreisverwaltung, den entsprechenden Antrag im Namen ihres Sohnes eingereicht.

Ärztliche Bescheinigung

Der Name Meyer sei ein Allerweltsname und führe immer wieder zu Verwechslungen. Beigelegt zu dem Antrag hatte sie auch eine ärztliche Bescheinigung der den Jungen betreuenden Kinderärztin, in der die Namensänderung zum Wohle des unter Epilepsie leidenden Jungen befürwortet wird. Als auch das Jugendamt den Wunsch des Jungen nach eingehender Beratung zu unterstützen schien, glaubte die Mutter an den Erfolg. Ihr Sohn nannte sich ab diesem Zeitpunkt nur noch Peter Heinrich, zumal der Kontakt zu seinem leiblichen Vater inzwischen ganz abgebrochen war. »Sein Vater ruft nicht mehr an, schickt keine Geschenke und kümmert sich auch sonst nicht um ihn. Deshalb ist Peter hier auch heute nicht vor Gericht erschienen. Er möchte seinen Vater nicht mehr wiedersehen. Es geht um sein Wohlwollen«, argumentierte die Mutter.

Vater streitet Vorwürfe ab

Der Vater hingegen stritt die Vorwürfe ab, er kümmere sich nicht um seinen Sohn,. Die Mutter verhindere die Kontaktaufnahme. Ihm liege sehr viel an seinem Sohn. Er lehne daher die Namensänderung ab. Dazu hat sich dann auch die Kreisverwaltung entschlossen. Ein Wechsel der Sachbearbeiterin in der zuständigen Fachabteilung hat auch zu einem für die Mutter und den Kläger unerwarteten Meinungswechsel geführt. »Plötzlich stand das Kindeswohl ganz oben an, und das sei bei der Namensbeibehaltung nicht gefährdet«, so der Tenor des Ablehnungsbescheides. André Linhart, Leiter des Rechtsamtes des Wetterau Kreises, begründet den Ablehnungsbescheid damit, dass das Namensrecht eine Änderung des Familiennamens nur unter ganz besonderen Voraussetzungen zulässt. Dabei reichte der bloße Wunsch nach einem anderen Namen nicht aus. Das Rechtsamt halte sich an das Gesetz und die dazu ergangene Rechtsprechung. Danach reiche für eine Abweichung auch die Bescheinigung einer Kinderärztin nicht aus. Auf Antrag der Klägerseite verlangt das Verwaltungsgericht nun vor einer Entscheidung ein ärztliches Gutachten, das über den Zusammenhang zwischen Kindeswohl und Namensumbenennung aufklären soll.

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