23. Januar 2018, 19:02 Uhr

Musik zur Verhöhnung der Opfer

23. Januar 2018, 19:02 Uhr
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Aus der Redaktion
Über das letzte Jahr des Zweiten Weltkrieges und die Befreiung der KZs spricht Neidhardt Dahlen bei der Gedenkveranstaltung in Butzbach. (Symbolfoto: dpa)

Das Singen von Liedern war den Häftlingen in den Konzentrationslagern der Nazis verboten – sie taten es in ihren Baracken trotzdem heimlich. Das von Häftlingen komponierte Lied »Die Moorsoldaten« gefiel sogar dem Wachpersonal des Lagers so gut, das es wiederholt danach verlangte. Andere Stücke wiederum, so der »Buchenwaldmarsch«, wurden gar auf SS-Befehl komponiert und von den Häftlingskolonnen auf Kommando intoniert. Beide Lagerlieder werden am Sonntag, 27. Januar, im Museum der Stadt Butzbach zu hören sein.

Bei der Gedenkveranstaltung, die um 16 Uhr in der Industriehalle des Museums beginnt, wird die Gießener Ärztin Kristina Hänel auf Gitarre, Querflöte und Akkordeon spielen und je drei Strophen aus vier Lagerliedern singen: »Die Moorsoldaten«, das »Auschwitzlied«, der »Buchenwaldmarsch« und das »Ravensbrücklied«. »Die Lagerlieder waren für die SS ein weiteres Instrument zur Verhöhnung der Opfer«, sagt Neithard Dahlen von der Lagergemeinschaft Auschwitz »Freundeskreis der Auschwitzer«, die zur Gedenkveranstaltung einlädt. Für die Häftlinge sei die Musik jedoch ein wichtiges Mittel zur Identifikation gewesen.

Dahlen wird bei der Veranstaltung an das letzte Jahr des Krieges und die Todesmärsche der KZ-Insassen eingehen. Auch berichtet er von Vernichtungslagern, die nicht so bekannt sind wie Auschwitz und Buchenwald, in denen aber ebenso Hunderttausende kaltblütig ermordet wurden. So auch im KZ Ravensbrück, in dem vor allem Frauen und Kinder inhaftiert waren. Liselotte Thumser-Weil, Gründerin der Lagergemeinschaft Ravensbrück und langjähriges Mitglied im Freundeskreis der Auschwitzer, wäre dieser Tage 100 Jahre alt geworden. Ihr ist ein Abschnitt im Film »Die Schwestern erzählen« gewidmet, der ebenfalls im Museum gezeigt wird. Außerdem wird Ingo Weidenbach aus Cleeberg über das bewegte Leben von Thumser-Weil sprechen. Dahlen widmet die Gedenkveranstaltung auch dem ehemaligem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim, Monik Mlynarski, der Anfang 2016 verstorben war. Zu Beginn gibt es Klezmer-Musik, Grußworte kommen von Bürgermeister Michael Merle, Museumsleiter Dr. Dieter Wolf und Manfred de Vries von der jüdischen Gemeinde Bad Nauheim. Eintritt frei.



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