10. November 2018, 12:00 Uhr

Windkraft

Münzenburg bleibt windradfrei

Bald stimmen die Vertreter der Regionalversammlung über den Teilplan »Erneuerbare Energie« ab. Dieser regelt, wo Windräder gebaut werden dürfen und wo nicht.
10. November 2018, 12:00 Uhr
Der Blick auf die Burg, der auch so bleiben wird: Vor allem aus Münzenberg gab es viele Sorgen darum, dass Windräder bei Wohnbach die Sicht auf die Burg »verschandeln« werden – das ist nun endgültig ausgeschlossen. (Archivfoto: nic)

Der Plan ist fertig, bald ist es gesetzlich festgelegt, wo Windräder gebaut werden dürfen und wo nicht. Vorher stehen jedoch noch Abstimmungen beim Regionalverband und beim Regierungspräsidium über den finalen Teilplan »Erneuerbare Energien« an. In Wölfersheim und Münzenberg zeigt man sich bereits erfreut über die aktuelle Version – weil die Flächen um Wohnbach als Vorranggebiete herausgefallen sind – und somit auch um die Münzenburg definitiv keine Windräder stehen werden. Auch in Rosbach und Butzbach gibt es Änderungen.

Die Erstellung des Teilplans »Erneuerbare Energien« für Südhessen ist eine langwierige Angelegenheit – seit mehr als zehn Jahren wird an ihm gearbeitet, immer wieder sind Änderungen eingefügt worden, Stellungnahmen eingegangen, Gutachten hinzugezogen worden. Nun liegt eine finale Version zur Beschlussfassung vor. In dieser sind alle Flächen eingetragen, die als sogenannte Windvorranggebiete infrage kommen – im Vergleich zu Vorgängerversionen sind zahlreiche Flächen herausgefallen. Für das gesamte Gebiet Südhessen (der Plan erstreckt sich von Wölfersheim, Nidda, Gedern im Norden bis nach Neckar-Steinach im Kreis Bergstraße) sind insgesamt 1,7 Prozent der Gesamtfläche als Vorranggebiete ausgewiesen.

Erstellt worden ist der Plan vom Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main, der auch das Ziel hat, die kommunale Zusammenarbeit zu fördern – das schlägt sich in der Verwaltungsstruktur nieder: In der Verbandskammer sitzen Vertreter aller Mitgliedskommunen.

 

Melbach noch im Plan

 

Im Dezember wird die Verbandskammer über den Plan abstimmen, wie Pressesprecher Frank Tekkiliç sagt. Auch das Regierungspräsidium Darmstadt muss separat darüber beschließen.

Erfreut über den neuen Plan zeigt sich vor allem der Wölfersheimer Bürgermeister Eike See. Denn: Die noch in alten Versionen des Plans vorgesehenen Windkraft-Flächen rund um Wohnbach sind aus dem Plan herausgestrichen. »Beim letzten Entwurf aus 2014 war Wölfersheim noch geradezu umzingelt von möglichen Windkraftstandorten. Es sah fast so aus, als sollte unsere Gemeinde gemeinsam mit den Nachbarorten alleine für ausreichend Windvorranggebiete sorgen«, sagt See. »Der Regionalverband hat die Wohnbacher Flächen aus zwei Gründen rausgeworfen: Es wurden zwei Horststandorte von Rotmilanen nachgewiesen, und der Empfehlung des Denkmalschutzes bezüglich der Münzenburg wurde gefolgt.«

Auch die Münzenberger SPD äußert sich positiv; gerade aus Münzenberg kam viel Protest gegen Windräder bei Wohnbach – diese, hieß es, würden den Blick auf die Burg »verschandeln«.

Doch es gibt weitere Flächen im Gemeindegebiet Wölfersheim, zwischen Melbach und Rödgen, die für Windkraft vorgesehen waren und noch im Plan sind. Bürgermeister See sagt dazu: »Die entsprechenden Grundstücke in diesem Bereich gehören ausschließlich Privatpersonen, nicht der Gemeinde.« Das sei ein Problem: »Wenn Gewinne an Einzelne gehen und die Allgemeinheit die Belastungen trägt, ist es schwierig mit der Akzeptanz. Gehen die Gewinne jedoch ebenfalls an die Allgemeinheit und können dazu beitragen, Steuersätze niedrig zu halten, gibt es sicher mehr Akzeptanz für solche Projekte. Ich werde mich auch weiterhin dafür einsetzen, dass Windkraftstandorte, an denen Einzelne profitieren und die Allgemeinheit zahlt, verhindert werden.«

 

Rosbacher Fläche gestrichen

 

Betroffen von dem Plan ist zudem Rosbach: Dort waren bisher 15,4 Hektar südlich von Ober-Rosbach ausgewiesen, die nun wegfallen. Die Fläche auf dem Winterstein bleibt allerdings weiterhin im Plan: Betroffen hiervon sind die Kommunen Rosbach, Friedberg, Ober-Mörlen und Wehrheim, die quasi auch die Planungshoheit haben. Wie der Rosbacher Bürgermeister Thomas Alber sagt, gehe man vonseiten der Anlieger-Kommunen aber nicht davon aus, dass dort Windräder errichtet werden.

Auch die Fläche auf Friedberger Gemarkung, zwischen Bruchenbrücken und Wöllstadt, auf der bereits drei Windräder stehen, bleibt als Vorranggebiet im Plan erhalten. Im Butzbacher Gebiet gab es zwei Flächen; eine davon fällt heraus.

Info

Proteste in und um Wohnbach

Bereits vor zwei Jahren versuchte ein Investor bei Wohnbach vier Windräder zu bauen. Sowohl aus Wölfersheim als auch aus Münzenberg kam Protest. Letztlich lehnte das Regierungspräsidium (RP) die Anlagen ab; denn so ist noch bis zum Inkrafttreten des Teilplans »Erneuerbare Energien« das Prozedere: Wenn ein Investor Windräder bauen will, geht das nur durch einen Antrag beim RP und ein Verfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz. Mit dem Teilplan wird sich das ändern. Sobald darüber abgestimmt worden und der Plan in Kraft getreten ist, dürfen nur noch auf die ausgewiesenen Vorrangflächen Windräder gebaut werden. (sda)

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