26. April 2018, 15:24 Uhr

Harte Geschütze

Mückenjagd per Hubschrauber in der Wetterau

Wenn Hubschrauber fliegen, ist es dringend: Verbrecher werden gesucht, Verletzte transportiert. Oder es werden Mücken gejagt. So wie in den Nidderauen bei Altenstadt. Doch was sagen Naturschützer dazu?
26. April 2018, 15:24 Uhr
Luftangriff auf die Quälgeister: Per Hubschraubereinsatz geht es den Larven der Stechmücken an den Kragen, so wie hier im August 2017. (Archivfoto: sax)

Erst Starkregen, dann sommerliche Wärme – dass der April macht, was er will, mag den ein oder anderen nerven. Richtig toll findet das aber eine Spezies: die Stechmücke. Deren Larven entwickeln sich bei dem feucht-warmen Wetter nämlich prächtig.

In den Nidderauen bei Altenstadt hat sich nach den starken Regenfällen vor zwei Wochen das Wasser in Gräben und Wiesen gesammelt: optimale Lebensbedingungen für die Stechmückenlarven. »In solchen Zeiten werden jeden Tag Proben genommen, um zu überpüfen, wie viele Larven im Wasser sind. Werden es zu viele, muss man eingreifen«, erklärt Angelika Bobrich von der Nabu-Gruppe Altenstadt. Sonst drohe eine Plage: »Früher war das so schlimm, dass man zum Teil wochenlang nicht auf der Terrasse sitzen konnte.« Um das zu verhindern, greifen die Mitarbeiter der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) zu harten Geschützen: Mit dem Hubschrauber sind sie an der Nidder bei Altenstadt unterwegs, um den Stechmücken den Kampf anzusagen.


Nur für Mücken gefährlich

Vom Hubschrauber aus wird über den Auen BTI-Eiweiß-Granulat verteilt. Die Larven fressen das Eiweiß, das mit dem »Bacillus thuringiensis israelensis« versetzt ist, und setzen sich damit ein jähes Ende: Das Bakterium lässt den Darm der Mücken platzen und tötet sie damit, bevor sie überhaupt schlüpfen können. »Das BTI wird in Eiskügelchen eingefroren, die werden aus dem Hubschrauber abgeworfen und lösen sich dann im Wasser auf«, erklärt Bobrich. Gefährlich sei das Granulat aber nur für die Stechmücken. »Menschen oder anderen Tieren droht keine Gefahr dadurch.«

Diplom-Biologe Dirk Reichle, der die Mückenbekämpfung in den Nidderauen bereits im Jahr 2017 leitete, erklärte im vergangenen Sommer, ein großer Vorteil der Bakterien gegenüber chemischen Wirkstoffen sei, dass sie innerhalb weniger Tage biologisch abgebaut werden. Hier liege jedoch auch ein Problem des BTI-Einsatzes: Weil das Bakterium nur von den Larven, vor der Verpuppung, aufgenommen wird, bleiben nach dem Schlüpfen nur wenige Tage für die Bekämpfung. Der Hubschraubereinsatz sei daher unumgänglich: Die großen Brutflächen in den Nidderauen könnten sonst nicht in der kurzen Zeit, die bis zur Verpuppung bleibt, abgedeckt werden.

Naturschutz ist wichtig, aber auch Menschen müssen geschützt werden

Angelika Bobrich (Nabu)

Aus Sicht der Naturschützer sei die Mückenbekämpfung unbedenklich, sagt Bobrich: »Naturschutz ist wichtig, aber auch Menschen müssen geschützt werden. Da das Bakterium für keine andere Spezies schädlich ist, sind wir vom Nabu mit der Maßnahme einverstanden.« Ob es tatsächlich notwendig sei, den Hubschrauber einzusetzen – immerhin kostet so ein Einsatz zwischen 35 000 und 40 000 Euro – werde hinreichend geprüft. Da es nur selten tatsächlich auch zum Hubschraubereinsatz kommt, halte sie die Folgen für unbedenklich: »Die Vögel im Naturschutzgebiet stecken das erstaunlich gut weg.«

Nach dem starken Regen sei die Bekämpfung am Nidda-Nebenfluss per Hubschrauber nun also begonnen worden, sagt der Biologe und wissenschaftliche Direktor der KABS, Norbert Becker.

Auch im eigenen Zuhause müsse man aufpassen, sagt Becker. Die Hausschnaken überwinterten in Kellern, Unterschlüpfen und anderen frostfreien Räumlichkeiten. »Wenn es wärmer wird, verlassen sie das Winter-Quartier.« Sie stächen dann noch einmal und legten ihre Eier auf wassergefüllten Eimern, Tonnen und Fässern ab. Um die Verbreitung der Stechmücken einzudämmen, sollten Verbraucher solche Gefäße umdrehen oder mit Netzen überspannen. Dies gelte etwa auch für Friedhofs-Vasen.

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