31. Dezember 2017, 12:00 Uhr

Familientradition endet

Moosmanns nehmen Abschied von Schmuck und Uhren

Das Uhrmacher-Handwerk hat bei den Moosmanns Tradition. Seit 60 Jahren trägt ein Juweliergeschäft in der Bad Nauheimer Parkstraße diesen Namen. Doch urplötzlich ist das alles Geschichte.
31. Dezember 2017, 12:00 Uhr
Alles muss raus: Bald ist Schluss bei Juwelier Moosmann. (Foto: Nici Merz)

Irgendwie gehört er zur Innenstadt von Bad Nauheim, der kleine Juwelierladen von Manfred und Helga Moosmann in der Parkstraße 20. Kein modern aufgemotztes Geschäft, eher mit konservativem Erscheinungsbild. Das entspricht wohl dem Verständnis der Familie. »Meine Vorfahren kommen von der Uhrenseite«, sagt der Inhaber, der einen Großteil seines Umsatzes mit Schmuck macht.

Die Geschichte der Moosmanns lässt sich bis zum Dreißigjährigen Krieg zurückverfolgen. Sie stammen aus Lauterbach im Schwarzwald, wo das Uhrmacher-Handwerk seit jeher großgeschrieben wird. Wenige Kilometer weiter liegt Schramberg, 1861 wurde hier die Uhrenfabrik Junghans gegründet. »Uhrenhandel ist in meiner Familie erstmals 1879 nachgewiesen««, erzählt Manfred Moosmann. Damals hatten Vorfahren ein Geschäft in Magdeburg.

Komplett umgebaut

Der Zweite Weltkrieg war auch für die Moosmanns ein Wendepunkt. Das Haus in Magedeburg wurde ausgebombt, Vater Kurt geriet als Soldat in Jugoslawien in Gefangenschaft. Nach der Entlassung wählte er Bad Nauheim als neuen Wohnort. Nach Jahren als angestellter Geselle legte er 1956 die Uhrmacher-Meisterprüfung ab. Ein Jahr später kam es zur Übernahme des Juwelierladens in der Parkstraße 20, der schon seit 1908 existiert.

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Der Laden kurz nach seiner Eröffnung in den 50er Jahren. (Foto: pv)

Ehefrau Martha sorgte für tatkräftige Unterstützung. Die Räumlichkeiten wurden komplett umgebaut. Nach Aussage von Manfred Moosmann war sein Vater der erste Einzelhändler der Innenstadt, der die Eingangstür zurückversetzte, um zusätzlichen Raum für Schaufenster zu gewinnen.

Von Kind an Werkstatt-Luft

1978 trat Sohn Manfred ins Geschäft ein, später folgte Ehefrau Helga. »Mein Einstieg hat sich natürlich angeboten. Ich habe von Kindesbeinen an Werkstatt-Luft geschnuppert«, sagt der Juwelier. Ende der 90er Jahre übernahm das Paar die alleinige Verantwortung. Seitdem hat sich die Branche gewandelt. Heute ist auch beim Kauf teurer Schmuckstücke oder Uhren der Onlinehandel nicht mehr wegzudenken. »Das haut richtig rein«, betont der Inhaber.

Wie in vielen anderen Einzelhandelsbranchen machen die Moosmanns eine leidvolle Erfahrung: Die Leute lassen sich im Laden beraten, kaufen aber für ein paar Euro weniger im Internet. Wertvoller Schmuck oder aufwendig produzierte Uhren haben heute nicht mehr die Funktion eines Statussymbols. »Früher bekam ein Kind zur Konfirmation die erste goldene Uhr. Bei ähnlichen Anlässen wurden teure Schmuckstücke geschenkt«, blickt Helga Moosmann zurück.

Uhren als Sammlerobjekt

Das gibt es heutzutage kaum noch, es wird gekauft, was der immer schnelllebigeren Mode entspricht. Schmuckstücke aus massivem Gold werden selten verlangt, auch weil er nicht mehr zur Kleidung passt. Manfred Moosmann kann sich noch erinnern an die Damen mit Pelzmantel und passendem Goldarmband, sie haben sich inzwischen sehr rar gemacht. Immerhin gibt es ein paar Sammler wertvoller Uhren. »Die haben eine ganze Latte zu Hause«, lacht Helga Moosmann. Diese Leute zu versorgen, ist für sie aber nicht ganz einfach, denn Hersteller solcher Chronometer liefern selten in Kleinstädte.

Einen Nachfolger für das angemietete Geschäft gibt es in der Familie Moosmann nicht. Aus Altersgründen hören die beiden in Kürze auf, wenn der Ausverkauf abgeschlossen ist. »Jeder zweite Besucher bedauert den Schritt, vor allem weil es dann kaum noch eine Anlaufstelle für Reparaturen gibt«, sagt Manfred Moosmann. Gerade diese Aufträge wird er nicht so sehr vermissen, wenn die Familientradition bald zu Ende geht. Denn diese Arbeitsstunden wollten viele Kunden nicht mehr entsprechend vergüten.

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