03. Februar 2018, 18:00 Uhr

Bald in Friedberg

Mörderisch brutal: Der neueste Thriller von Veit Etzold

Unter dem Titel »Die Schöne und er liest« wird Veit Etzold am 16. Februar bei »Friedberg lässt lesen« für Gänsehaut-Momente sorgen. Er liest aus seinem neuesten Thriller »Tränenbringer«.
03. Februar 2018, 18:00 Uhr
Mittelpunkt Rechtsmedizin: Für Autor Veit Etzold ist seine Ehefrau Saskia eine fachliche »Quelle« für sein Schreiben. Sie ist Rechtsmedizinerin in der Gewaltschutzambulanz der Charité in Berlin. (Foto: FinePic)

Wer Thriller schreibt, formuliert Veit Etzold zugespitzt, der müsse eigentlich ein Angsthase sein. »Ein Killer kann so etwas nicht schreiben«, ist er überzeugt. »Dafür besitzt er viel zu wenig Empathie.« Nun verbietet es der pure Anstand, einen gestandenen Mann wie Veit Etzold etwa als Angsthasen bezeichnen zu wollen. Umgekehrt: Muss einer brutal sein, um derartig harte, blutige Thriller (im Verlagsjargon »Schlachterplatte« genannt) erfolgreich zu publizieren? Etzold wiegt seinen Kopf. »Brutal? Ich weiß nicht. Man darf sicherlich nicht zimperlich sein, die Dinge beim Namen zu nennen.«

Im Dschungel menschlicher Triebe

In seinem neuen Buch »Der Tränenbringer«, das er demnächst bei »Friedberg lässt lesen« vorstellen wird, ermittelt abermals Clara Vidals im Dschungel menschlicher Triebe und am Rande menschlicher Abgründe.

Oft gestellte Frage, nicht nur an ihn: Was ist Realität, was ist der Fantasie des Autors entsprungen? Für sein Buch »Seelenangst« hätten ihm Aussteiger der Satanisten-Szene Dinge berichtet, die er seinem Publikum nicht habe zumuten wollen.

Wobei wieder einmal auffällt, dass die Ermittler der Gegenwart im Gegensatz zu früher, wo Kommissare wie Erik Ode oder Derrick ausschließlich auf den jeweiligen Fall fixiert waren, ein Eigenleben mit ziemlichen Ecken und Kanten auszeichnet. »Das ist spätestens seit ›Schweigen der Lämmer‹ mit der FBI-Agentin Clarice Starling alias Jodie Foster so«, sagt Etzold. Freilich könne man eine Ermittlerin wie seine Clara Vidalis nicht am Reißbrett entwerfen. »Die entwickelt sich selbst, sozusagen beim Schreiben. Anders beim Plot, beim Geschehen an sich. Da arbeite ich schon vorab daran, wohin eine Geschichte am Ende laufen soll.«

Durch Thriller und Krimi zeigt sich, was sich so hinter den schönen Fassaden alles abspielt

Veit Etzold

 

Eine fachliche »Quelle« für sein Schreiben ist seine Ehefrau Saskia. Sie ist Rechtsmedizinerin in der Gewaltschutzambulanz der Charité in Berlin. Tagtäglich wird sie mit den Auswirkungen von Verbrechen an Kindern, an Frauen konfrontiert. »Ich dokumentiere körperliche Misshandlungen, um diese bei Gerichtsverhandlungen beweiskräftig einbringen zu können.«

Wie bewältigt man eine derartige Arbeit, ohne, dass die eigene Seele Schaden nimmt? »Einerseits Routine und andererseits der Versuch, jeden Fall objektiv zu betrachten, möglichst nicht zu nahe an sich heranzulassen. Außerdem das Wissen, dass man durch die Beratung den Betroffenen wirklich helfen kann, was sie tun können oder sollen, beispielsweise Anzeige erstatten.«

Fantasie oder Wirklichkeit?

Zurück zum Thriller. Was fasziniert so viele Menschen an dem Genre, das Jahr für Jahr mehr und mehr Bücher zum Fürchten und Gruseln auf den Markt kommen?

»Wenn es für den Menschen von Natur aus nicht mehr gefährlich ist, dann hat er offenbar ein Bedürfnis, zumindest über gefährliche Dinge zu lesen«, lautet eine seiner Theorien. »Zum anderen blendet unsere Gesellschaft das Thema Tod ziemlich aus – obgleich jeder von uns sehr wahrscheinlich irgendwann davon betroffen sein wird. »Durch Thriller und Krimi zeigt sich, was sich so hinter den schönen Fassaden alles abspielt. Und der Leser wird Zeuge dessen aus der sicheren Schlüssellochperspektive.«

»Serienkiller« machten nur einen geringen Anteil der Kriminalitätsstatistik aus. In diesem Bereich allerdings kommt es zu solch monströsen Taten wie im »Tränenbringer« geschildert. Dort ist beispielsweise die Rede von einem »Red Room« im Darknet. Dort können Voyeure über Geldzahlungen den Täter veranlassen, sein weibliches Opfer zu foltern und letztlich zu töten.

Fantasie oder Wirklichkeit? Etzold sagt dazu: »Die Aussage eines Ermittlers lässt mich davon ausgehen, dass es so etwas gibt.« Andreas Matlé

Info

»Die Schöne und er liest«

Mit seinem aktuellen Thriller »Tränenbringer«, gastiert Veit Etzold am Freitag, 16. Februar, bei »Friedberg lässt lesen«. Gemeinsam mit seiner Frau Saskia Etzold, Rechtsmedizinerin in der Gewaltschutzambulanz der Charité in Berlin, soll es eine Mischung aus Lesung und Expertengespräch – abseits vom reinen Thriller werden. Apartes Motto dieses Abends: »Die Schöne und er liest«. Beginn ist um 20 Uhr in der Hauptverwaltung der Ovag. Veit Etzold, geboren 1973 in Bremen, studierte Anglistik, Kunstgeschichte, Medienwissenschaften und General Management, promovierte zu dem Thema »Matrix. Die Ambivalenz des Realen«, arbeitete und arbeitet weiterhin als Unternehmensberater. Er schrieb einige Kurzgeschichten (»Inspiriert von Dan Brown und Tolkien«) und brachte 2010 seinen ersten Thriller, »Das große Tier«, heraus. Dann ging es in rascher Folge weiter, zwischendrin veröffentlichte er auch Sachbücher wie »Der weiße Hai – Storytelling für Manager«. (am)

 

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