Musik liegt in der Luft. Durch offene Türen schlängelt sie sich durchs Albert-Schweitzer-Gemeindehaus und rund um die evangelische Kirche. Wie aus einer anderen Zeit scheinen sich zauberhafte Drehorgelklänge Bahn zu brechen in die Herzen der Menschen. Derer viele sind an diesem Sommersamstag herbeigeströmt, um sich auf Einladung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) beim Weinfest an »Weck, Worscht und Woi« zu laben - und an der Musik aus hundert Jahren.

Auf musikalische Zeitreise zurück zu den goldenen 20ern, zu Schlagern und Weinliedern nahm Solveig Enke die Gäste mit. In der Tradition des »Leierkastenmanns« spielte die Friedberger Drehorgelspielerin ihre imposante »Hofbauer 37er Harmonipan« im Stil der alten Berliner Straßenorgeln. Sie könne den 76 Orgelpfeifen sogar chromatische Tonfolgen entlocken, erklärte Enke, die nicht nur wunderbar drehorgeln, sondern sich auch der Zauberei verschrieben hat und nach eigener Aussage Deutschlands einzige Flohzirkusdirektorin ist.

Über 100 Mitglieder

Beim Imbiss genossen die Gäste später auch die Musik vom Busecker Quartett. »Wir haben heute allen Grund zu feiern«, unterstrich Ober-Mörlens AWO-Vorsitzende Waltraud Neisel. Im Jubiläumsjahr »100 Jahre AWO« sei die Mitgliederzahl im Ortsverein unlängst auf 107 gewachsen. Als weitere »Meilensteine« im ohnehin umfangreichen Hilfsangebot bezeichnete sie die Bemühungen der AWO um sogenannte Mitfahrbänke und einen Bürgerbus.

Die ersten sieben recycelten Bänke würden in Kürze durch die Kommune in Langenhain-Ziegenberg, am Maiberg und in Ober-Mörlen aufgestellt und entsprechend beschriftet, erklärte Neisel und dankten den Spendern Kulturkreis, AWO, SPD, Volksbank Ober-Mörlen, Sparkasse Oberhessen, Rewe-Markt Weisenborn und Praxis Dr. Sailer. »Daumen raus war gestern, wer sich auf eine solche Bank setzt, möchte mitgenommen werden«, sagte Neisel. Das Konzept soll die Mobilität von sonst eher immobilen Menschen erhöhen, den Zusammenhalt fördern und die Umwelt schonen. Alle Fahrzeuginsassen seien über die Kfz-Haftpflichtversicherung abgesichert.

Ergänzt werden soll das Mobilitäts-Konzept mit einem Bürgerbus aus dem gleichnamigen Förderprogramm des Landes Hessen. Der Kleinbus wird in etwa drei Wochen eintreffen, neun Sitzplätze bieten und damit den vor fünf Jahren eingeführten Pkw-Fahrservice der AWO mit deutlich erweitern. Derzeit würden ehrenamtliche Fahrer vorbereitet und weitere Freiwillige für den Fahrerpool gesucht. In Ergänzung zum ÖPNV würden nicht nur die Mitfahrbänke angesteuert, sondern auch Wunschfahrten zum Beispiel zum Einkaufen, zum Frisör, Arzttermin, Sporttraining unternommen.

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