19. März 2017, 18:52 Uhr

Mobbing eskaliert

19. März 2017, 18:52 Uhr
In »OUT!« erzählt Dominik (Thomas Helm) von seiner Schwester.

»OUT! Gefangen im Netz«, eine neue Produktion des mobilen Kinder- und Jugendtheaters »3D« aus Wiesbaden, feierte kürzlich an der Altenstädter Limesschule Premiere. Das Ein-Personen-Stück aus der Feder von Knut Winkmann zeigt anhand eines Extremfalles auf, was Cybermobbing anrichten kann. Die Hauptperson ist ein junges Mädchen.

Vicky ist selbstbewusst und nicht auf den Mund gefallen. Die 14-Jährige bringt Sprüche wie: »Amor, gib mir diesen Pfeil. Ich mach den Scheiß jetzt alleine.« Gegen unerwünschte Kommentare kann sie sich schlagfertig wehren: »Sehe ich aus wie eine Bratwurst oder warum gibst du deinen Senf dazu?« In Vickys neuer Schulklasse kommt diese Art allerdings nicht gut an. Grund für die feindselige Stimmung dürfte vor allem die Eifersucht von Larissa sein. Deren Freund, der Klassen-Obermacker Lukas, findet die Neue offenbar recht attraktiv und lädt sie zu seiner Party ein. Die Feier endet für die vergnügungslustige Vicky im alkoholischen Totalabsturz inklusive öffentlicher Magenentleerung und Verlust ihres Handys.

Anschließend tauchen aus diesem Mobiltelefon Nacktfotos, die Vicky in einer Blödellaune von sich gemacht hat, auf Facebook auf, begleitet von hämischen anonymen Kommentaren gegen »Vicky-Ficki«. Vicky stellt sich daraufhin wütend, aber eigentlich hilflos, vor die Klasse. Wenn solche »Späße« in Zukunft unterbleiben, wolle sie den Tätern noch einmal verzeihen, verkündet sie. Der Mobbing-Terror eskaliert jedoch.

Das rund 45-minütige Jugendstück bringt diese Handlung allerdings nicht eins zu eins auf die Bühne. Vicky selbst tritt – abgesehen von ihrer verzweifelten Stimme auf einer Telefon-Mailbox – überhaupt nicht auf. Es ist ihr älterer Bruder Dominik (Thomas Helm), der das Geschehen aus der Außenperspektive, aus Bruchstücken, den Erzählungen seiner Schwester sowie den Bildern und Texten aus dem Internet, gedanklich wie erzählerisch zu rekonstruieren versucht. Thomas Helm als Dominik spielte die Mobbing-Geschichte sehr lebendig, vielseitig und jede Minute packend. Er erzählt die Handlung, indem er die Beteiligten des Geschehens gestisch und sprachlich in geradezu karikaturhafter Überspitzung nachstellt.

Vickys Leiden stimmte das rund 50-köpfige Premierenpublikum, allesamt Neuntklässler, nachdenklich. »Erschreckend, dass Menschen so mit anderen Menschen umgehen«, sagte ein Schüler. Im Anschluss an das Stück regte Regisseur Eric Haug eine Diskussion zum Thema Cybermobbing an, in der sich die jungen Menschen engagiert und differenziert mit der viele Anknüpfungspunkte bietenden Problematik auseinandersetzten sowie Lösungsansätze und alternative Handlungsstrategien entwickelten. (Foto: pv)

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