29. Oktober 2019, 08:00 Uhr

Zu viel Grün

Mittlerer Waldteich droht umzukippen, Angler werden aktiv

Die Trockenheit im letzten und in diesem Jahr macht der gesamten Umwelt zu schaffen. Das bekommt auch der Angelsportverein Bad Nauheim zu spüren: Ein Umkippen des mittleren Waldteichs droht.
29. Oktober 2019, 08:00 Uhr
Im Sommer blühen die gelben Teichrosen sehr schön. Im mittleren Waldteich haben sie allerdings überhand genommen. Ihr Bestand soll deshalb um die Hälfte reduziert werden. (Fotos: Nici Merz/pv)

Zwei der drei Teiche am Rand des Bad Nauheimer Hochwalds werden seit Jahren vom Angelsportverein (ASV) betreut. Während der untere Weiher die größte Ausdehnung hat und dank einer eigenen Quelle nicht unter Wassermangel leidet, ist der mittlere in den letzten Jahren zum Problemfall geworden. Nach Angaben des ASV-Vorsitzenden Ralph Ollmann hat sich der Wasserspiegel von einst 2,50 Meter wegen des ausbleibenden Regens im Sommer auf 60 Zentimeter abgesenkt, der Grund verschlammt immer mehr.

Außerdem herrscht in diesem Teich Sauerstoffmangel, was mit steigenden Wassertemperaturen und der rasanten Ausbreitung der Teichrosen zu tun hat. Auch die am Gewässerrand stehenden Bäume und ihre Äste werfen Schatten auf den Weiher. Weil die Sonneneinstrahlung fehlt, wird laut Ollmann die Photosynthese der Schwebalgen behindert, die normalerweise für den notwendigen Sauerstoffnachschub sorgt.

»Wir wollen im mittleren Teich keine stinkende Kloake mit sterbenden Fischen«, fasst der Vorsitzende die Notwendigkeit zum vorausschauenden Handeln zusammen. In diesem Jahr hat die Bad Nauheimer Feuerwehr für vorübergehende Besserung gesorgt. Mit ihrer Hilfe wurde Wasser aus dem unteren in den mittleren Waldteich gepumpt, der Pegelstand um 30 Zentimeter angehoben. Das ist allerdings nur eine vorübergehende Lösung. Eine solarbetriebene Umwälzpumpe, wie sie im unteren Weiher eingesetzt wird, kann im Nachbargewässer aus unterschiedlichen Gründen ebenfalls nicht eingesetzt werden. Deshalb bleibt in Absprache mit den Umweltbehörden des Wetteraukreises und der Stadtverwaltung nur ein kleiner Eingriff in die Natur.

Teichrosen-Bestand wird reduziert

Ollmann zufolge sind zurzeit etwa 80 Prozent der Gewässerfläche mit Teichrosen bedeckt. Damit die Schwebalgen wieder mehr Licht bekommen, soll gut die Hälfte der Pflanzen entfernt werden. »Gott sei Dank handelt es sich nicht um Seerosen, an die dürften wir gar nicht ran«, sagt der ASV-Vorsitzende. Nach Angaben von Hans-Martin Herrmann, Fachdienstleiter Grünflächenplanung im Rathaus, seien Teichrosen zwar ebenfalls geschützt, aber nicht so selten wie ihre Verwandten. Deshalb hätten die Naturschutzbehörden zugestimmt, den Bestand im mittleren Waldteich deutlich zu verringern. Ollmann zufolge werden die ASV-Mitglieder ihr Boot Anfang November vom Kurpark- zum Waldteich transportieren und sich dort an die Arbeit machen. Äste, die über das Gewässer ragen, werden bei dieser Gelegenheit beschnitten. Vermutlich im Frühjahr wird die Stadt den Gehölzbestand am Ufer reduzieren, wobei nach Aussage des ASV-Vorsitzenden das Fällen von Bäumen vermieden werden soll.

Vor Jahrzehnten wurde der untere Teich ausgebaggert, um der zunehmenden Verschlammung entgegenzuwirken. Das halten die Angler ebenfalls für ein probates Mittel, um die Situation zu verbessern. Fachdienstleiter Herrmann ist zurückhaltender. »Das wäre mit enormen Kosten verbunden, weil der Schlamm zunächst beprobt und anschließend für teures Geld entsorgt werden müsste.« Zudem, da sind sich Stadt und ASV einig, wäre damit keine Lösung für den Wassermangel verbunden.

Die Schwebalgen sind übrigens nicht nur Sauerstoff-, sondern auch Nahrungslieferant für Kleintiere wie Krebse. Von diesen Tierchen leben wiederum die Raubfische.

Wichtige Rolle für Naturschutz

Der Angelsportverein (ASV) Bad Nauheim betreut nicht nur die Kurpark- sowie zwei der drei Waldteiche, sondern auch Wetter und Usa in der städtischen Gemarkung. Damit spielt er eine wichtige Rolle im Zusammenspiel aller Vereine und Behörden, die sich in Bad Nauheim um den Naturschutz kümmern. Früher war der ASV auch für den oberen Waldteich zuständig, der dann aber an den NABU abgegeben wurde. Dieses Biotop wird weitgehend sich selbst überlassen. Nach Angaben des Vorsitzenden Ralph Ollmann hat der ASV etwa 70 Mitglieder, die in den beiden Waldteichen Exemplare von rund zehn verschiedenen Fischarten angeln, darunter auch größere wie Hecht oder Karpfen.

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