Wetterau

Mit offenen Händen und Herzen

Vergebung, Versöhnung und Heilung – das ist für Marie-Louise Fürstin zu Castell-Castell das Rezept für ein gelungenes Leben und für den Umgang mit Verletzungen: »Jesus ist für die Sünden der ganzen Welt gestorben.« Jeder Mensch solle sich selbst und anderen vergeben und seine Persönlichkeit, seine Voraussetzungen und sein Leben als von Gott gegeben akzeptieren. Heute Abend (19 Uhr) referiert Fürstin zu Castell-Castell im »Dorheimer Hof« in Dorheim beim Frauenabend. Vorab hat Sie mit der WZ gesprochen. Auch über Akzeptanz, Dankbarkeit und den Mut der Frauen.
22. April 2018, 20:07 Uhr
Carolin Fest
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Ihre Erfahrungen und ihr Glauben brachte Marie-Louise Fürstin zu Castell-Castell dazu mit Menschen über Versöhnung, Vergebung und Heilung zu sprechen. (Foto: pv)

Vergebung, Versöhnung und Heilung – das ist für Marie-Louise Fürstin zu Castell-Castell das Rezept für ein gelungenes Leben und für den Umgang mit Verletzungen: »Jesus ist für die Sünden der ganzen Welt gestorben.« Jeder Mensch solle sich selbst und anderen vergeben und seine Persönlichkeit, seine Voraussetzungen und sein Leben als von Gott gegeben akzeptieren. Heute Abend (19 Uhr) referiert Fürstin zu Castell-Castell im »Dorheimer Hof« in Dorheim beim Frauenabend. Vorab hat Sie mit der WZ gesprochen. Auch über Akzeptanz, Dankbarkeit und den Mut der Frauen.

Warum ist es so wichtig, sich selbst zu vergeben?

Marie-Louise Fürstin zu Castell-Castell: Wenn man sich selbst und seine Situation nicht akzeptieren kann, wird man immer unzufrieden sein, mit sich selbst und mit anderen. Es ist eine ungünstige Situation für den eigenen Standpunkt, wenn man sich ungeliebt fühlt. Gott hat für jeden Menschen eine Vorstellung, wie derjenige ist. Diesen Plan Gottes zu akzeptieren, das ist wichtig.

Was können das für Situationen oder Ereignisse sein, bei denen man sich selbst vergeben muss?

Fürstin zu Castell-Castell: Das sind Dinge, bei denen man weiß, dass es falsch war. Dafür muss Vergebung erfahren werden. Vor allem müssen wir auch Menschen vergeben, die uns verletzt haben. Der Groll auf einen anderen Menschen bindet uns negativ an diesen. Das ist keine gute Voraussetzung für ein glückliches Leben.

Wie sehen die Schritte zur Versöhnung mit sich selbst aus?

Fürstin zu Castell-Castell: Am wichtigsten ist die Akzeptanz. Gott hat mich so und nicht anders geschaffen, das nehme ich mit Dankbarkeit an. Ebenso wichtig ist es, Personen zu vergeben, die mich eingeengt haben. Die vielleicht gesagt haben »du kannst das ja doch nicht« oder den beruflichen Lebensweg beschnitten haben. Da muss man sich sagen: Das war nun mal so, ich gehe meinen Weg weiter. Diese Lasten muss man sich vergeben.

Wie sollten Menschen mit einem großen Verlust umgehen?

Fürstin zu Castell-Castell: Vor allem sollte man Gott Gott sein lassen. Gott hat das Leben beendet, es war sein Wille. Nur so kann eine Wunde heilen.

Ist es wichtig, bei einem Verlust ausgiebig zu trauern?

Fürstin zu Castell-Castell: Jeder Verlust ist ein großer Einschnitt. Es kommt auf die Haltung an, die man einnimmt. Ist man wütend oder rebelliert man, oder ergibt man sich in das Schicksal. Man muss imstande sein, die betreffende Person loszulassen. Das entlastet sehr.

Inwieweit denken Sie, dass gläubige Menschen schneller Heilung finden als Atheisten?

Fürstin zu Castell-Castell: Man braucht eine Hilfe, die hat uns Gott geschaffen. Aber auch mit dem Glauben ist das nicht immer leicht. Für den Umgang mit Schuld beispielsweise, sehe ich keine andere Möglichkeit, als den Glauben an Gott. Vergebung kann nicht vom Psychologen kommen.

An wen richtet sich der Abend am Montag?

Fürstin zu Castell-Castell: Er richtet sich an jeden. Meistens kommen viele Frauen, manchmal sogar ausschließlich Frauen.

Was denken Sie, warum das Thema so viele Frauen berührt?

Fürstin zu Castell-Castell: Frauen sind oft mutiger im Versuch, ungeklärte Fragen zu klären. Wenn nur Frauen zusammensitzen, kommt oft eine ganz andere Offenheit zustande als bei einer gemischten Gruppe. Aber ich richte mich natürlich auch gerne an Männer und hatte auch schon viele männliche Zuhörer.

Haben Ihre Zuhörer auch die Möglichkeit über ihre persönlichen Probleme zu sprechen?

Fürstin zu Castell-Castell: Natürlich. Nach meinem Vortrag nehme ich mir immer auch Zeit, mit den Menschen einzeln und persönlich zu reden. Wir beten dann auch gemeinsam. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit zwei Frauen zum Thema Abtreibung. Nach unserem Gespräch waren sie ihre Last los, weil sie sich dazu bekannt haben.

Wie kamen Sie dazu, ein Buch zu schreiben und über Vergebung, Versöhnung und Trauer zu reden?

Fürstin zu Castell-Castell: Ich bin keine studierte Theologin, ich bin nur aufgrund eigener Erfahrungen zu den Überzeugungen gekommen. Die Menschen, denen ich helfen möchte, nehmen das an, und es bringt ihnen sehr viel. Was ich vermittle, sind meine eigenen Lebens- und Glaubenserfahrung. Was ich tue, hat ganz viel mit Glauben zu tun. Ich versuche die Menschen zu ermuntern, den Glauben zu ergreifen. Man kann ihn nicht mit geschlossenen Fäusten bekommen, man muss Hände und Herz öffnen.

Am heutigen Montag wird Fürstin zu Castell-Castell um 19 Uhr im Dorheimer Hof in Friedberg zum Thema »Du hast mir wehgetan, Umgang mit Verletzungen« sprechen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Mit-offenen-Haenden-und-Herzen;art472,421144

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