07. November 2017, 19:33 Uhr

Mit einem besonderen Instrument

07. November 2017, 19:33 Uhr
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Aus der Redaktion
Mit langer Tradition: Janina Ruh spielt auf einem Cello von Pietro Guarneri aus Venedig, einem der großen Geigenbauer des 17. und 18. Jahrhunderts. (Foto: pv)

Spätestens seit dem Preis des Deutschen Musikwettbewerbs 2013, der Nominierung zum »SWR 2 New Talent« 2014 und dem Preis des International Tschaikowsky Competition ist Janina Ruh eine im In- und Ausland gefragte Cellistin. Neben ihrer Tätigkeit als Solistin ist Janina Ruh auch der Kammermusik sehr zugetan. Zudem studiert sie seit 2013 bei Julie Kaufmann und Carola Höhn Gesang und Musiktheater an der Universität der Künste Berlin. Diese Doppelbegabung ist ein Alleinstellungsmerkmal. Eine weitere Besonderheit verbindet Janina Ruh mit ihrer Begabung als gefragte Cellistin. Seit 2016 spielt sie ein Cello von Pietro Guarneri aus Venedig, einer Leihgabe der L-Bank Baden-Württemberg an sie. Am Sonntag wird sie die Sinfoniekonzertreihe bereichern.

Namhafte Musiker

Neben Amati und Stradivari sind die Guarneri die Dritten im Bunde der großen Cremoneser Geigenbauer des 17. und 18. Jahrhunderts. Den Grundstein zur Geigenbauer-Dynastie Guarneri legte sein Großvater Andrea (1623–1698), seines Zeichens – wie so viele – ein Schüler des legendären Nicolo Amati. Sein Enkel, Pietro Guarneri (1695–1762), schuf 1725 das Violoncello, auf dem Janina Ruh spielt. Pietro Guarneri siedelt bereits 1718 nach Venedig um und entzieht sich dadurch dem wachsenden Wettbewerbsdruck durch Stradivari.

Das Instrument wurde Anfang des 19. Jahrhunderts auf Kefallinia, einer der ionischen Inseln, gefunden. Es kam daraufhin nach Nordeuropa. 1923 war es im Besitz einer gewissen Joyce Cordell. 1980 gehörte es Carl Hamburger. Die Besitzerkette dazwischen kann nicht nachvollzogen werden. Am 3. April wurde das Cello von Guy Fallot, Lausanne, bei Sotheby’s in London ersteigert und gelangte 1989 über den Schweizer Geigenbauer Vidoudez zur Landeskreditbank Baden-Württemberg (L-Bank).

Nach dem Tod seines ebenfalls sehr berühmten Bruders Joseph Guarnerius del Gesùs (1698–1744) blieb Pietro der letzte große Geigenbauer der Guarneri-Familie. Dank seines außergewöhnlichen Talents avanciert er im Lauf der Jahre zum marktbeherrschenden Instrumentenbauer in Venedig. Den Grundstein der Instrumentensammlung der L-Bank legte der ehemalige Vorstands-Vorsitzende, Rolf Schoeck. Gemeinsam mit dem damaligen Wirtschaftsminister Rudolf Eberle entwickelte er die Idee, der sehr jungen, damals schon als äußerst begabt geltenden Geigerin Anne-Sophie Mutter den Erwerb einer Stradivari-Violine zu ermöglichen, um deren Talent zu fördern.

Die Sammlung der L-Bank umfasst heute unter anderem 18 Streichinstrumente, davon elf Violinen, drei Violen und vier Celli, die alle von namhaften Musiker und Musikerinnen gespielt werden.



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