22. März 2017, 20:08 Uhr

Mit Strom die Schmerzen stoppen

22. März 2017, 20:08 Uhr
Das Referententeam (v. l.): Thorsten Fritz, Marlene Tschernatsch, Tibo Gerriets und Matthias Deller. (Foto: pv)

»Nerv und Schmerz« lautete der Titel einer Fortbildung der »Akademie am GZW«, zu der das Referententeam des Gesundheitszentrums Wetterau ins Wolfgang-Potinius-Facharzt- und Servicezentrum am Hochwaldkrankenhaus eingeladen hatte. 50 Ärztinnen und Ärzte aus der Region erfuhren einiges über die neuesten Entwicklungen bei der Schmerzbehandlung.

Zunächst referierte Neurologe und Intensivmediziner Prof. Tibo Gerriets vom Bürgerhospital Friedberg über die Zusammenhänge von Depressionen und Schmerzen. Depressionen seien sehr häufig – jeder Siebte erkranke mindestens einmal in seinem Leben daran –, würden aber viel zu oft nicht oder nur spät diagnostiziert. Dies sei besonders bei Schmerzpatienten tragisch, denn deren Schmerzen würden oft durch die Depression verstärkt oder sogar ausgelöst.

Versuche, den Schmerz nur medikamentös zu betäuben, ohne die Depression mitzubehandeln, führten meistens nicht zum Erfolg. Depressionen werden laut Gerriets in Deutschland zumeist von den Hausärzten erkannt und behandelt. Nur die schwer betroffenen Patienten würden – meistens erst spät – dem Psychiater vorgestellt. Gerriets stellte daher alltagstaugliche Verfahren zur Erkennung depressiver Erkrankungen in der Hausarztpraxis vor und sprach über den neuesten Stand der medikamentösen und nicht medikamentösen Behandlungsstrategien.

Privatdozentin Dr. Marlene Tschernatsch (Neurologische Praxis des MVZ am Hochwald) und Chefarzt Dr. Thorsten Fritz (Klinik für Spezielle Schmerztherapie und Palliativmedizin am Hochwaldkrankenhaus) widmeten sich dem Schwerpunktthema »Morbus Sudeck«. Diese auch »komplex regionales Schmerzsyndrom« (CRPS) genannte Erkrankung trete häufig nach Knochenbrüchen oder Bagatellverletzungen auf und führe durch schwerste chronische Schmerzen der betroffenen Extremität, mit Störung der Durchblutung und Knochenschwund, oft zu einer lebenslangen Behinderung.

Matthias Deller vom Zentrum für Schmerztherapie Butzbach stellte eine Möglichkeit vor, das CRPS und andere schwerste Schmerzsyndrome zu behandeln, falls die konservativen Methoden nicht zum Erfolg führen. Bei der Spinal Cord Stimulation wird über Elektroden, die in der Nähe der Rückenmarksnerven liegen, ein Strom appliziert, der die Schmerzweiterleitung unterdrückt. Dank der neuen Hochfrequenztechnik spüre der Patient dabei keine Missempfindungen oder Ähnliches. Nach einer Probe-Implantation der Elektroden werde überprüft, inwieweit die Schmerzen reduziert würden; bei positivem Ergebnis werde ein ständiger Generator implantiert. Die Schmerzreduktion gelinge bei einem positiven Prüfungsergebnis zu 80 Prozent.

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