27. Juni 2017, 20:23 Uhr

Mit Mohnkuchen aus Schlesien

27. Juni 2017, 20:23 Uhr
Die Begegnungsnachmittage des BdV sind immer gut besucht; doch bei der jüngsten Veranstaltung werden alle Rekorde gebrochen: Kein einziger Stuhl ist mehr frei. (Foto: pv)

Beim Begegnungsnachmittag des Bundes der Vertriebenen (BdV) stand kürzlich der Vortrag von Bruno E. Ulbrich über den Schriftsteller und Dichter Gerhart Hauptmann im Mittelpunkt.

1862 in Obersalzbrunn in Schlesien geboren, interessierte sich Hauptmann schon früh für das Theater und die Literatur und machte bald durch sein Drama »Vor Sonnenaufgang« auf sich aufmerksam. Bekannt wurde er durch sein Sozialdrama »Weber«, in dem er sich dem Aufstand der schlesischen Weber gegen die Industrialisierung widmet.

Für seine zahlreichen Arbeiten in schlesischer Mundart wurde Hauptmann vielfach ausgezeichnet, wie die Besucher im voll besetzten Erika-Pitzer-Begegnungszentrum in Bad Nauheim erfuhren. 1912 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Die Machtergreifung 1933 begrüßte Hauptmann, doch eine Mitgliedschaft in der NSDAP wurde ihm verweigert. Reichsminister Goebbels versagte ihm jedes weitere öffentliche Wirken. Doch 1944 erschien seine Atriden-Trilogie.

Nach Kriegsende verlangte Polen seine Auslieferung, sein Ansehen in Russland ermöglichte es ihm aber, noch die letzten Tage in Agnetendorf in Schlesien zu verbringen. Dort starb er am 6. Juni 1946. Ulbrich erhielt viel Applaus für seine Ausführungen. Auch Erika Quaiser wurde gedankt, weil sie zu dieser Gelegenheit echten schlesischen Mohnkuchen beim Bäcker bestellt hatte.

Nach dem Vortrag von Helmut Körner über »Was ist Zeit? Ein Wunder oder kann man sie kaufen?« kam das Schicksal der Breslauerin Annemarie Nowack zu Kriegsende 1945 zur Sprache. Das, was sie erlitten, konnten viele nachempfinden. »Nur schnell zu den Amerikanern nach Eger«, war das Bestreben der damals 18-Jährigen und ihrer Mutter. Die Flucht endete jedoch bereits in Teplitz – die Russen waren schneller. Die Rückwanderung nach Schlesien war vergeblich: Den Wunsch, in der Heimat bleiben zu können, machte Polen mit der Vertreibung 1946 zunichte.

Mit dem Auftreten von »Herrn Datterich und Frau Schnatterich« begann der unterhaltsame Teil des Nachmittags. Irmgard Eckl trug alsdann ein Gespräch von Pfarrer und verwitwetem älteren Handwerksmeister vor, der wieder heiraten wollte. Danach zog der Shanty-Chor Busecker Strandgut alle Register seines Könnens. Als die »Seemänner« die »Egerländer Nationalhymne« »Brouda Liederle« intonierten, hielt es keinen mehr auf seinem Platz. Beim Schlusslied »Kein schöner Land« reichte man sich die Hände und verabschiedete sich bis zum nächsten Begegnungsnachmittag am 7. November.

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