14. April 2017, 17:04 Uhr

Mit Martin Luther in die »Hölle«

14. April 2017, 17:04 Uhr
Mitte des 12. Jahrhunderts ist die Münzenburg gebaut worden – heute ist sie ein Kulturdenkmal. Die Wanderung führt direkt zur Burg.

. Mit dem Anschlag der 95 Thesen hat Martin Luther am 31. Oktober 1517 die Spaltung der Kirche und damit die Reformation eingeleitet. Zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags an die Kirche in Wittenberg wurde ein Luther-Pilgerweg konzipiert, der von Wittenberg bis nach Worms führt, wo Martin Luther 1521 vor den Reichstag zitiert wurde. Der Lutherweg führt auch durch die Wetterau. Auf dem Hinweg nach Worms kam Luther von Grünberg über Hungen-Uthpe nach Berstadt, wo er gepredigt haben soll. Weiter ging es über Dorheim nach Friedberg. Über Wöllstadt, Karben und Bad Vilbel reiste Luther weiter nach Frankfurt und nach Worms. Auf dem Rückweg nahm er auch diese Route bis Friedberg, wo er zweimal übernachtete und reiste dann über Bad Nauheim, Nieder Weisel, Rockenberg und Münzenberg weiter nach Grünberg. Die Strecke zwischen Rockenberg und Münzenberg ist besonders schön.

Wir starten unsere Wanderung in der Obergasse in Rockenberg (ÖPNV-Anbindung) über die VGO-Buslinie 53 (Butzbach–Rockenberg-Bad Nauheim). Wir wandern die Obergasse in Richtung Münzenberg und folgen der Beschilderung »JVA«.

In der Justizvollzugsanstalt Rockenberg sitzen jugendliche Straftäter. Diese sind im Marienschloss untergebracht, einem ehemaligen Mitte des 14. Jahrhunderts gegründeten Zisterzienserinnenkloster. Nach 450 Jahren folgte die Säkularisierung. Im Jahre 1811 wurde das Kloster zur »Zucht- und Besserungsanstalt«, später Landeszuchthaus und 1939 zur Jugendstrafanstalt.

Vor den Mauern des Gefängnisses biegen wir rechts ab und folgen ein Stück dem »Gambacher Weg«, den die in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts für die Angestellten der Justizvollzugsanstalt gebauten Wohnhäuser säumen. Unser Wanderzeichen, das »grüne L« für den Lutherweg, begleitet uns zuverlässig. Das Himmelreich, das das Kloster für die Nonnen im Mittelalter gewesen sein mag, wird sicherlich von den heutigen Bewohnern anders empfunden. Zu deren Seelenlage passt schon besser der Name des benachbarten Naturschutzgebietes. Die »Hölle von Rockenberg« ist eine ehemalige Sandabbaufläche, die Mitte der 90er Jahre als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde (1 ).

Auf rund 13 Hektar befinden sich hier Sandpionierrasen, Silikatmagerrasen und Heidegesellschaften. Beeindruckend ragt auch heute noch die gelbliche Sandsteinwand über einen kleinen Teich, an dem sich gerne Graugänse mit ihren Jungen zurückziehen. Vor einigen Jahren wurden im Naturschutzgebiet Sumpfschildkröten ausgewildert, die in dem Areal mit flachen, sich leicht erwärmenden Gewässern ausreichend Nahrung, genügend Sonnenplätze und Versteckmöglichkeiten finden. Außerdem erfahren sie eine hervorragende Betreuung durch die örtlichen Naturschützer. Die »Hölle von Rockenberg« kann daher nicht betreten werden und ist nur vom Weg und von einer Aussichtsplattform aus zu betrachten.

Wir gehen den Wirtschaftsweg weiter und kommen bald zum Eingang eines Sandwerkes, das heute noch in Betrieb und bekannter Fundort von Sandrosen ist. Eine schöne Sammlung hat Lothar Keil in seinem Sandrosenmuseum in Büdingen zusammengetragen.

Wir gehen den asphaltierten Weg weiter und stoßen auf einen Querweg. Hier finden wir fürs Erste den letzten Hinweis auf den Lutherweg. Eine Beschilderung ist aus Rücksicht auf die Landwirtschaft ausgesetzt. Wir gehen rechts und am ersten Hochspannungsmast nach links (2 ) und wandern auf dem Grasweg, der nach 500 Metern in Asphalt übergeht. Wir laufen jetzt einen Kilometer weiter und kommen an einen markanten Felsen, an dem mehrere Wanderzeichen befestigt sind: Der Europäische Fernwanderweg Atlantik – Ardennen – Böhmerwald und unser Lutherweg. Wir biegen hier nach rechts auf den Wiesenweg ab (3 ).

Wir überqueren die Landesstraße, passieren eine von Felsbrocken gerahmte Streuobstwiese und folgen nach links dem Lutherweg. Etwas versteckt hinter den Bäumen, nur einige Stufen weisen darauf hin, liegt der »Galgen von Münzenberg« (4 ). Die letzte Hinrichtung wurde Mitte des 18. Jahrhunderts vollstreckt.

Vorbei am geologischen Lehrpfad

Auf unserer weiteren Wanderung passieren wir eine Baumreihe mit herrlichen Walnussbäumen und immer wieder kommt die »Burg Münzenberg« in den Blick, ein Wahrzeichen der Wetterau. Mit dem Lutherweg wandern wir den Burgberg bergauf und haben die Gelegenheit, die mittelalterliche Stauferburg zu besichtigen. Wir folgen der weiteren Beschilderung und haben jetzt die evangelische Kirche mit ihrem seltsam gedrehten Turm im Blick; vermutlich als Folge feuchten Holzes und des Wetters entstanden.

An der Kirche gehen wir rechts leicht bergan zum historischen Rathaus aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Interessant ist der von vier Bürgen getragene Erker.

Am Rathaus endet auch für uns der Lutherweg, der nach rechts abknickt, während wir vom Rathaus den langgezogenen Marktplatz entlangschlendern bis hin zum Steinweg (5 ). Der Steinweg wird gesäumt von herrlichen Hofreiten und gilt als eine der schönsten Fachwerkstraßen in der nördlichen Wetterau. Am Ende des Steinwegs stoßen wir auf die Falkensteiner Straße, gehen nach links und nach 80 Metern erneut links in die Straße »Am Viehtrieb« und folgen dabei der Beschilderung »Sportplatz« (6 ).

Jetzt wandern wir zwei Kilometer immer der Nase nach. Wir passieren dabei den geologischen Lehrpfad. Der geologische Lehrpfad kann nach telefonischer Absprache (0 64 22/8 51 68 oder 0 60 04/30 72) besichtigt werden. Er ist mit seinen charakteristischen vier Pyramiden schon von Weitem sichtbar.

Rechter Hand kommen wir jetzt zum Naturschutzgebiet »Salzwiesen«. Hier treten salzhaltige Quellen an die Erdoberfläche und ermöglichen eine Vegetation, wie sie sonst nur an der Nordsee zu finden ist.

Vorbei an der historischen Brücke über die Wetter (7 ) verlassen wir den Asphaltweg und laufen auf Gras weiter bis wir an den stillgelegten Bahnschienen, die einst zum Kalksteinbruch führten, nach links gehen (8 ).

Wir gehen auf Asphalt und haben am vierten nach rechts abgehenden Weg, in Höhe der beiden Strommasten, die Möglichkeit, einen Blick auf die Anlage zu werfen. Dafür gehen wir an dieser Stelle für gut 300 Meter nach rechts (9 ).

Zurück an der Kreuzung gehen wir wieder rechts, wandern 500 Meter weiter und kommen zu dem Hinweisschild, das wir schon vom Herweg kennen. Wir gehen nach rechts und sind alsbald zurück am Ausgangspunkt.

Kuno I. von Münzenberg ließ die Burg ab Mitte des 12. Jahrhunderts als Teil des staufischen Sicherungssystems in der Wetterau errichten. Aus dieser ersten Bauphase stammt der romanische Palas und Teile der inneren Ringmauern mit ihren typischen Buckelquadern. Mit dem Übergang der Anlage an die Herren von Falkenstein und Hanau im Jahre 1255 folgten weitere Ausbauten. Um 1600, bereits vernachlässigt, wurde die Burg im Dreißigjährigen Krieg endgültig zur Ruine. Münzenberg zeigt nicht nur idealtypisch die Entwicklung einer Burg vom 12. bis zum 16. Jahrhundert, sondern stellt ein überragendes künstlerisches Zeugnis des staufischen Burgenbaus dar.

144 Stufen zählt man bis zur Spitze des Burgturms, dafür wird man mit einem herrlichen Blick über die nördliche Wetterau belohnt. Der Ausblick könnte noch vervollkommnet werden, wenn man ein paar Metalltafeln anbringen würde, die den Wanderern sagt, welches Dorf in welcher Entfernung zu sehen ist. Michael Elsaß

Schlagworte in diesem Artikel

  • Evangelische Kirche
  • Fremdenverkehr
  • Friedberg
  • Grünberg
  • Hölle
  • Lehrpfade
  • Martin Luther
  • Naturschutzgebiete
  • Reformation der christlichen Kirchen
  • Wetterau
  • Wittenberg
  • Zitate
  • Wetteraukreis
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos