26. September 2019, 19:26 Uhr

Mit Kreuzen und Galgenhumor

26. September 2019, 19:26 Uhr
An exponierter Stelle, am Berghof direkt an der B 275 zwischen Ossenheim und Nieder-Florstadt, machen die Florstädter Bauern mit ihrem Plakat auf den ihrer Meinung nach faulen Kompromiss in Sachen Agrarumweltpaket aufmerksam. (Foto: Lutz)

Mit Galgenhumor reagieren die Landwirte des Regionalbauernverbands Wetterau-Frankfurt auf das umstrittene Agrarumweltpaket von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Am Mittwoch wurde am Berghof an exponierter Stelle direkt an der B 275 zwischen Ossenheim und Nieder-Florstadt unter Beteiligung der Florstädter Haupt- und Nebenerwerbslandwirte grüne Kreuze und ein Protestplakat mit der ironischen Aufschrift »Danke, Julia! Deine Bauern« errichtet. Es ist bereits das vierte dieser Art in der Wetterau im Rahmen einer hessenweiten Aktion der Kreisbauernverbände.

»Wir Bauern sind höfliche Menschen, eigentlich hätte es heißen müssen ›Danke für nichts‹«, überschreibt die Kreisvorsitzende Andrea Rahn-Farr die Aktion. Die Ministerin war unter anderen wegen der geplanten Verbote von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten kritisiert. Einige Bauern könnten dadurch in Existenznot geraten, so die Befürchtung des Verbands (die WZ berichtete).

Der Gesetzentwurf des Landwirtschafts- und des Umweltministeriums sieht vor, dass Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat in Naturschutzgebieten oder Nationalparks bereits jetzt komplett untersagt werden. Die landwirtschaftlichen Flächen, die es dort auch gebe, würden für die konventionelle Bewirtschaftung faktisch nicht mehr nutzbar und massiv an Wert verlieren, heißt es seitens der Landwirte. Trotz einer stagnierenden Nachfrage an Bioprodukten versuche die Ministerinnen, eine »Ökologisierung« durchzusetzen. »Wir haben in der Wetterau seit über 20 Jahren eine ausgedehnte Kulisse an Vogelschutz- sowie Flora- und Fauna-Habitaten, die über diesen Zeitraum gemeinsam mit den Landwirten entwickelt wurden«, sagt Rahn-Farr. Aus diesem Vertragsnaturschutz resultierten Entschädigungen für die Landwirte, die mit dem Gesetz wegfielen.

Der Regionalbauernverband kritisiert ferner den »Kuhhandel«, den Klöckner mit Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) beim Tierwohllabelgesetz eingegangen sei. »Obwohl sie es besser wissen müsste«, ärgert sich Rahn-Farr. Man wolle mit der Plakataktion - wie zuvor mit einem offenen Brief an Klöckner - Aufmerksamkeit erregen und Druck aufbauen, um den politischen Prozess in Berlin zu beeinflussen. Das Vorhaben treffe insbesondere kleine Bauern und junge Landwirte, »die es sich schon nicht einfach gemacht haben, den Betrieb der Eltern zu übernehmen«, so die Vorsitzende. Die Motivation sei sehr getrübt, Resignation greife um sich. Bei den Ausbildungszahlen sei ohnehin bereits ein Rückgang erkennbar, das stimme die Branche sehr traurig.

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