13. Oktober 2017, 08:00 Uhr

Alkoholsünder

Mit 1,7 Promille gegen die Wand

»Zwei Kilometer nur mit dem Auto nach Hause – das schaffe ich doch locker«, heißt es schnell. Und genauso schnell endet die Fahrt im Straßengraben. So erging es einem Wetterauer.
13. Oktober 2017, 08:00 Uhr
Das ist keine Melodica, das ist ein Alkoholtestgerät. Bläst man rein, kommen keine Töne, raus, es kommt die Wahrheit ans Licht. Und die hat Folgen. (Foto: dpa)

Der Mann glaubte getreu dem Motto »Realität ist eine Illusion, die durch Mangel an Alkohol entsteht«, er sei noch fahrtüchtig. Es war mitnichten so. Der Mann ist den Führerschein los und hat obendrein einen Schaden am Pkw von mehreren Tausend Euro am Hals.

Wer ein Fahrzeug im Straßenverkehr führt, obwohl er zuvor Alkohol zu sich genommen hat, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Obwohl jeder Autofahrer in der Fahrschule gelernt hat, wann man besser nicht hinterm Steuer sitzen sollte, gibt es immer wieder Verkehrsteilnehmer, die unter Alkoholeinfluss alle Warnungen vergessen.

Polizeisprecherin Sylvia Frech kennt die Ausreden: »Ich habe alles unter Kontrolle«, »Ich passe schon auf«, »So viel war es doch gar nicht« oder »Die paar Meter«. Dabei handelt es sich aber, wie Frech weiß, um »eine Selbstüberschätzung, die schlimme Folgen haben kann«.

Erst Bus bestiegen, aber dann...

Der Mann, der sein Auto zu Schrott gefahren hat, machte zunächst alles richtig. Nicht mit dem eigenen Auto, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln besuchte er eine Feier, auf der in geselliger Runde auch einiges an Alkohol konsumiert wurde. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ging es am Abend wieder in Richtung Heimat. Ab der heimischen Haltestelle lief dann aber einiges schief. Der Mann mittleren Alters stieg nämlich in seinen Pkw und meinte, die zwei Kilometer nach Hause schon zu schaffen. Ein Irrglaube.

Auf dem Heimweg fuhr er in eine Kurve, kam auf den Bürgersteig und überfuhr mehrere Sicherungspfosten. Dann weckte er unsanft seine Frau, indem er beim Rückwärtseinparken mit dem Auto gegen die Hauswand stieß. Durch den lauten Knall geweckt, entdeckte sie das vorne und hinten völlig beschädigte Fahrzeug und verständigte die Polizei. Mehrere Tausend Euro Schaden richtete der Mann auf »den paar Metern« an. Zum Glück reiner Sachschaden. Mit gepusteten 1,7 Promille ging es daraufhin im Fond des Polizeiautos zur Blutentnahme.

Erst Alkohol, dann Konjunktiv

Erwischte Autofahrer oder solche, die sogar einen Unfall unter Alkoholeinfluss verursachten, verfallen anschließend gerne in den Konjunktiv, weiß die Polizeisprecherin. »Hätte ich doch nur das Auto stehen lassen«, »Hätte ich nur ein Taxi genommen oder mich abholen lassen«, »Hätte ich nur auf meine Freunde gehört« – für diese Gedanken ist es dann aber zu spät, die hätten sich die Fahrer vorher machen sollen.

Frech: »Wenn es gut läuft, ist bei einer von Alkohol beeinflussten Fahrt niemand zu Schaden gekommen. Wenn es schlecht läuft, hat man die Gesundheit oder das Leben eines Menschen auf dem Gewissen.« Ein Entzug des Führerscheins kann auch den Verlust des Jobs bedeuten; dann gerät der gesamte Lebensplan aufgrund einer Selbstüberschätzung ins Wanken.

 

Infokasten

Ab wann ist man fahruntüchtig?

Alkohol und Auto, Lkw, Motorrad oder Fahrrad fahren – was ist erlaubt und was nicht? Die Polizei klärt auf. - Für Fahrzeugführer bis zum 21. Lebensjahr und in der Probezeit gilt: 0,0 Promille. Auch Berufskraftfahrer dürfen nur mit 0,0 Promille hinters Steuer. - Ab 0,3 Promille können die übrigen Verkehrsteilnehmer bestraft werden, wenn sie Auffälligkeiten im Fahrverhalten zeigen oder es zum Unfall kommt. - Ab 1,1 Promille beginnt die sogenannte absolute Fahruntüchtigkeit bei Kraftfahrzeugführern. Für Fahrradfahrer liegt sie bei 1,6 Promille. Ab diesen Werten ist es egal, ob der Fahrer Ausfallerscheinungen zeigt oder nicht. Der Führerschein ist in diesem Fall zunächst einmal weg. - Nicht vergessen: Alkohol baut sich im Körper nur sehr langsam ab. Selbst wer sich nach einigen Stunden fit fühlt, kann noch unter Alkoholeinfluss stehen. - Tipps der Polizei: Vorher an nachher denken. Ist erst jemand zu Schaden gekommen, ist es zu spät. Vor dem Alkoholkonsum außerhalb der eigenen vier Wände abklären, wie alle später nach Hause kommen. Und um nicht in die Versuchung zu kommen: Das Auto daheim stehen lassen! (jw)

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