16. November 2018, 17:00 Uhr

Naturschutz

Mehr grün im Garten und weniger Ordnung

Die Deutschen sind ordentlich – sagt man so. Manchmal zu ordentlich, jedenfalls aus Naturschutzsicht: Wenn Gärten für den Winter aufgeräumt werden, geschieht das oft auf Kosten von Lebewesen.
16. November 2018, 17:00 Uhr

Ein bisschen Gebüsch reicht schon. Oder ein kleiner Laubhaufen. »Was aber nicht sein sollte: Dass alles ›tot‹ ist«, sagt Jürgen Hutfiels. Der BUND-Vorsitzende meint die zum Herbst penibel geordneten Gärten: umgegrabene Böden, keine Pflanzen mehr. Alles ordentlich eben. Dabei sei das der falsche Weg: Nicht gemähte oder abgeräumte Flächen sind ideale Winterquartiere für viele Insekten. Deswegen: Mehr Unordnung im Garten sei durchaus im Sinne der Natur.

Beispiel Laubhaufen: Entsorgen viele in die Tonne. Oder aber verbrennen den Haufen. Muss bzw. soll aber gar nicht sein, sagt Hutfiels. In zusammengerechten Laubhaufen überwinterten zum Beispiel die Larven vieler Schmetterlinge, Regenwürmer, Spinnen oder Käfer. Manchmal gehen auch Igel hinein. Der Naturschützer rät daher: Laubhaufen liegenlassen. Sie stören ja nicht – und im Frühjahr sind sie ohnehin zu Erde geworden. Wer Fels- oder Mauerspalten in seinem Garten habe, könne sie mit Laub füllen. Das sei ein perfekter Unterschlupf für Amphibien wie Erdkröten, die von den Blättern geschützt werden. Die überwintern außerdem gerne in Komposthaufen, ebenso wie Insekten, sagt Hutfiels.

 

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Öffentlicher Komposthaufen wie hier unterhalb des Sportplatzes Oppershofen? Schlecht nur, ...

 

Die schlimmsten Garten-Aufräum-Geräte seien Laubsauger, die ökologischen Schäden, die diese anrichteten, seien enorm: Insekten werden mit dem Laub aufgesaugt und zerstückelt. »Leider ersetzen die Kommunen ihre Besen vermehrt durch diese Geräte.«

Ein weiteres Beispiel, das Hutfiels beim Gang durchs Oppershofener Kleingartengebiet zeigt, sind umgegrabene Böden. »Ein bisschen auflockern ist in Ordnung«, sagt Hutfiels. Das ganze System sollte allerdings nicht aus den Fugen gebracht werden. Denn: In den unterschiedlichen Schichten leben verschiedene Bordenorganismen. Durch radikale Umgrabmaßnahmen würden zum Beispiel Marienkäfer an die Oberfläche gelangen und dort sterben. »Es gibt auch die Möglichkeit, den Boden einfach nur aufzulockern.« Das genüge schon – etwa mit einem Kultivator oder einer Hacke.

 

Probleme an den Ackerrändern

 

Auch was verblühte Pflanzen angeht, empfiehlt Hutfiels, einige stehenzulassen. Insekten überleben den Winter dank einer Art Frostschutzmittel, das sie im Blut haben. Auch Falter, die als Puppe überwintern, hängen vorwiegend an Pflanzen.

Aus all diesen Gründen empfiehlt Hutfiels, den Garten im Herbst nicht radikal leerzufegen. Wer Fragen dazu hat oder sich unsicher ist, kann sich jederzeit an den BUND wenden (www.wetteraukreis.bund.net).

Dort gibt es auch Informationen zum Thema Blühstreifen – dass diese zunehmend angelegt werden, sei erfreulich, dennoch: Trotz dieser vielen Bemühungen, das Insektensterben einzudämmen, gebe es noch viel Handlungsbedarf. So sieht der Naturschützer etwa Kommunen in der Pflicht, sich mit dem Thema Ackerränder zu beschäften. Denn: Seit Neuestem sei wieder vermehrt zu beobachten, wie Landwirte die Ränder des Ackers von Wiesen- und Blütenpflanzen befreien, sie in einigen Fällen sogar begradigen. »Dabei sind es grade diese Flächen, die selbst der Wetteraukreis als Trittsteine für eine Biotopvernetzung als schützenswert ansieht. Hier sind insbesondere die Kommunen in der Pflicht, die die Ackerränder als ihr Eigentum schützen müssten.«

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