30. Mai 2019, 18:21 Uhr

Mehr als »Straßenbegleitgrün«

30. Mai 2019, 18:21 Uhr
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Aus der Redaktion
Gegen das Insektensterben: Mitglieder der Bürgerstiftung jäten im Randstreifen am Parkplatz in der Frankfurter Straße Unkraut. (Foto: Klaus Ritt)

Im Winter haben viele Passanten den Geh- und Fahrradweg am Parkplatz »Großer Teich« benutzt und dabei wohl eher achtlos auf den Schotterstreifen geschaut, der da auf einem Teil der Strecke den Weg vom Parkplatz teilt. Was soll da schon blühen? Doch seit Anfang März tut sich etwas. Erst vereinzelte Pflanzenspitzen, doch nach wohltuenden Regenfällen in den letzten Wochen macht sich vermehrtes Pflanzenwachstum breit. Noch nicht üppig, aber es kommt immer mehr dazu. Die Sonne und die Wärme werden das beschleunigen.

Der Blühstreifen ist Teil einer Versuchspflanzung, die im letzten Oktober durch die Bürgerstiftung »Ein Herz für Bad Nauheim« gemeinsam mit der Stadt Bad Nauheim und unterstützt von der Unteren Naturschutzbehörde begonnen wurde. Ziel ist, andere Arten des öffentlichen Grüns zu etablieren. Dazu wurde teilweise der Boden ausgemagert (deswegen der Schotter), und es wurden ausschließlich heimische Wildpflanzensorten für Saatgut, Stauden und Blumenzwiebeln verwendet.

Damit wird für hiesige Insekten eine maximale Futterverwertbarkeit erreicht, sobald die Blühperiode begonnen hat. Die verwendeten Pflanzen sind mehrjährig oder sähen sich selbst wieder aus. Das Projekt wurde fachlich geplant und wird begleitet von der Biologin Dr. Eva Distler. Die Erfahrungen sollen sich auswirken auf weitere Projekte, die bereits in Planung sind.

Letzte Woche gab es einen Ortstermin mit den beteiligten Fachbereichen, der Biologin und der Stiftung. Unter anderem sollte Unkraut gejätet und die Entwicklung beurteilt werden. »Die Bepflanzung entwickelt sich prächtig«, sagte Distler. Die anwesenden Helfer hatten nicht viel zu rupfen. Und das ist auch so geplant, denn diese Art der Bepflanzung soll den Pflegeaufwand (für die Stadt) deutlich senken. Die Optik wird im nächsten Jahr viel üppiger sein, wenn die Pflanzen sich erst mal richtig angesiedelt haben.

Auf der anderen Seite des Weges waren drei lange Beete angelegt worden; diese wurden nur mehrfach gefräst (also kein Bodenaustausch) und in diesem Frühjahr mit heimischem Saatgut bestückt. Auch hier ist die Futterverwertbarkeit für Insekten wichtig. Die Erfahrungen werden gesammelt.

Interessant für Bauherren

Wer mehr zu diesem Projekt der Bürgerstiftung und der Stadt erfahren möchte, ist eingeladen zu einer Einführung am Samstag, 8. Juni, um 16 Uhr; Treffpunkt: Direkt an den Pflanzbeeten am Banner der Stiftung. Referent ist Jürgen Burdak (Präsident der Stiftung). Noch ein Hinweis der Stadt: Für Bauwillige im Neubaugebiet Bad Nauheim-Süd könnte diese Einführung von Interesse sein, denn bereits mit der Auswahl des Pflanzbodens (Einbringung der Mutterbodendecke) werden die ersten und wichtigen Weichen für die spätere Vegetation gestellt. Je nährstoffarmer der Boden, desto mehr strengen sich die Pflanzen an, Blütenwachstum zu erzeugen. Man sollte folglich auf »Baumarktgrün« verzichten und auf naturnahe Bepflanzung und Saatgut aus der Region setzen. So beugt man dem Aussterben von Arten vor.



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