17. Juli 2019, 19:26 Uhr

Mehr Männer für die schwere Zeit

17. Juli 2019, 19:26 Uhr
Für Sterbende ist es wichtig, dass sie in ihrer letzten Lebensphase Menschen bei sich haben, die ihnen beistehen. Für diese sensible Arbeit werden beim Hospizdienst gerade auch Männer gebraucht, denn die sind deutlich unterrepräsentiert. (Symbolfoto: dpa)

34 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind derzeit für den Hospizdienst Wetterau als Sterbebegleiter aktiv. Die Ehrenamtlichen stellen sich der Aufgabe, sterbende Menschen in Geborgenheit bis zum Tod zu begleiten und Angehörige zu unterstützen. Nur vier der ehrenamtlichen Sterbebegleiter sind Männer. Der Hospizdienst Wetterau möchte dies gerne ändern, wünschen sich doch viele Menschen auf ihrer letzten Wegstrecke männlichen Beistand. Im Oktober startet ein neuer Qualifikationskurs, in dem insbesondere Männer und auch jüngere Mitarbeiter für die wertvolle ehrenamtliche Tätigkeit gewonnen werden sollen.

Sterben und trauern sind schwere, aber zum Leben gehörende Situationen. Betroffene brauchen in dieser Zeit neben professioneller Hilfe vor allem auch menschlichen Beistand. Viele Menschen möchten noch einmal über ihre Sorgen sprechen und das Leben reflektieren.

Zuhören besonders wichtig

Die Zeit vor dem Sterben sei zugleich auch eine Wertschätzung des Lebens, wie die Sterbebegleiter des Hospizdienstes wissen. Sie stehen den Menschen hier als Vertrauenspersonen zur Seite. Zwei von ihnen sind Klaus Auls und Ernst Hebener. Viele Jahre schon begleiten sie Menschen auf ihrem letzten Lebensweg. »Zuhören können« sei hier besonders wichtig. »Nicht über das Sterben und den Tod sprechen«, wie die Herren erklären. »Aufmuntern, vielleicht auch einfach mal robuste Scherze machen«, sagt Hebener, der viele männliche Patienten begleitet hat und das Ehrenamt als persönliche Bereicherung erlebt.

Dass nur rund zehn Prozent der Sterbebegleiter männlich sind, könnte daran liegen, dass sich Männer diese Aufgabe vielleicht selbst nicht so ganz zutrauen. »Sie glauben vielleicht, dass es ihnen am erforderlichen Einfühlungsvermögen fehlt«, sagt Hebener. Doch auch Männer könnten sensibel als Vertrauenspersonen agieren. »Und Männer sind da auch gerngesehen.«

Viele Gesprächsthemen drehen sich um den Alltag, manche Menschen möchten noch einmal über die schönen Momente des Lebens reden oder auch über ihre Sorgen, Abstand gewinnen und friedlich, mit Stolz und Zufriedenheit, gehen können.

»2018 haben wir 82 Menschen und deren Angehörige begleitet, davon zwei Trauerbegleitungen«, erklärt Dietmar Osenberg, der im Vorstand des Hospizdienstes Wetterau mitarbeitet und somit der fünfte männliche Mitarbeiter ist. »Wir arbeiten mit Haus- und Fachärzten (Schmerztherapie), Pflegekräften und Seelsorgern zusammen«, sagt Osenberg. Begleitet werden Menschen im privaten Umfeld, in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder auch auf der Palliativstation. Der Hospizdienst macht auch Angebote im Trauercafé und in der geschlossenen Trauergruppe. Hier können Angehörige Erlebnisse gemeinsam verarbeiten.

Viele Menschen finden erst im Ruhestand zu ihrem Ehrenamt, wenn das Berufsleben hinter ihnen liegt, die Kinder ihrer eigenen Wege gehen. Aber auch neben ihrem Beruf suchen immer mehr Menschen nach einer ehrenamtlichen Aufgabe im sozialen Bereich. Das Durchschnittsalter der ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter liegt derzeit bei 62,5 Jahren. Oftmals finden Ehrenamtliche auch über eine eigene Trauerverarbeitung ihren Weg zum Hospizdienst. »Wir stellen eine langsame Verjüngerung fest«, erläutert Osenberg. »Wir möchten natürlich gerne unser Männerkontingent erhöhen. Die nächsten Qualifikationskurse richten sich aber natürlich an alle Interessenten.«

Nach dem Kurs werden die Sterbebegleiter bei ihren Aufgaben durch professionelle Fortbildungen, Supervisionen und Koordinatoren unterstützt, erklärt Klaus Auls. »Mitbringen müssen die Ehrenamtlichen Offenheit und Empathie.«

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