23. Mai 2017, 19:46 Uhr

Mehr Asylbewerber benötigen Sozialleistungen

23. Mai 2017, 19:46 Uhr
Inklusive deutscher Staatsbürger rechnet der Geschäftsführer des Jobcenters mit einem Anstieg der erwerbsfähigen Leistungsbezieher von 11 660 auf 13 000. (Foto: Nici Merz)

Immer mehr anerkannte Asylbewerber werden auf Sozialleistungen angewiesen sein. Das schätzt Bernhard Wiedemann, Geschäftsführer des Jobcenters Wetterau: »Wir rechnen zum Jahresende 2018 mit knapp 3800 erwerbsfähigen Leistungsbeziehern gegenüber 2300 zum jetzigen Zeitpunkt.« Anerkannte Flüchtlinge, das seien vor allem Menschen aus den Ländern Syrien, Pakistan, Eritrea, Somalia, Äthiopien, Irak, Iran und Nigeria. Ihre Zahl werde deutlich nach oben gehen.

Während die Zahl der deutschen Leistungsempfänger um 260 zurückgegangen sei, sei die Zahl der Nichtdeutschen um mehr als 500 im Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Wetterau gestiegen. Die Prognose des Wetteraukreises: Die Zahl der Leistungsempfänger werde weiter steigen.

Mehr Geld für Eingliederungshilfen

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, setze Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch (SPD) auf Qualifizierung der Geflüchteten. 5,6 Millionen Euro seien für entsprechende Bildungsmaßnahmen vorgesehen. Das seien rund 26 Prozent oder 1,2 Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr. Insgesamt stehen für Eingliederungshilfen 9,6 Millionen Euro zur Verfügung, eine Steigerung um 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Becker-Bösch betont, dass kein Langzeitarbeitsloser »Einschnitte bei eigenen Fördermaßnahmen« befürchten müsse. »Flüchtlinge erfahren keine Sonderbehandlung, sondern münden, sobald sie ihre Sprachkurse absolviert haben, in den Regelbetrieb«, erklärte die Sozialdezernentin. Die Förderung von Langzeitarbeitslosen werde besonders vom Bund unterstützt: Das Bundesprogramm zur Förderung von Langzeitarbeitslosen stieg von 307 000 im vergangenen Jahr auf gut 1,4 Millionen Euro in diesem Jahr.

Viele der neuen Leistungsbezieher seien allerdings noch nicht für den Arbeitsmarkt reif. Hier müsse bei Sprache und beruflicher Qualifikation noch einiges geleistet werden. Sozialdezernentin Becker-Bösch äußerte dazu: »Wir haben keinen 100-Meter-Lauf vor uns, sondern einen Marathon.«

Insgesamt gab es im Dezember 2016 in der Wetterau 8236 sogenannte Bedarfsgemeinschaften, in der Regel Familien. Das waren rund 330 mehr als im Jahr zuvor.

Die Zahl der Leistungsempfänger sei gegenüber dem Vorjahr von 14 874 auf 15 506 gestiegen. Von denen seien gut 4200 im nicht erwerbsfähigen Alter, sodass die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsbezieher Ende 2016 bei 11 200 gelegen habe.

Gleiche Anzahl Männer und Frauen

Die Zahl von Männern und Frauen sei in etwa gleich. Eine »erhebliche Zunahme« habe es auch bei den Männern zwischen 15 und 24 Jahren gegeben.

Wiedemann prognostiziert eine weitere Steigerung der Leistungsbezieher. »Bis zum Ende des kommenden Jahres wird die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsbezieher auf etwa 13 000 von jetzt 11 600 steigen.«

Leicht rückläufig werde sich die Zahl der Bezieherinnen und Bezieher mit deutscher Staatsbürgerschaft entwickeln, ähnlich wie bei der Gruppe der sogenannten anderen Nationen, also überwiegend EU-Bürger.

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