30. August 2019, 21:11 Uhr

Medizin aus der Natur

30. August 2019, 21:11 Uhr
In Jean-Marie Bourdins Familie ist es Tradition, sich intensiv mit Heilkräutern zu beschäftigen. Diese Tradition reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. (Fotos: cor/pm)

Hagebutte zur Stärkung der Abwehrkräfte oder Johanniskraut bei Unruhe und Stimmungsschwankungen - schon seit Jahrhunderten tragen viele Heilpflanzen mit ihrer Kraft zur Heilung von Krankheiten oder zum Erhalt der Gesundheit bei. Der Bad Nauheimer Jean-Marie Bourdin hat nun nach intensiver Recherche ein »Heilpflanzen-Abc« im DIN-A6-Format erstellt. Auf 100 Seiten beschreibt er die wichtigsten heimischen Heilpflanzen mit ihren Anwendungen und Wirkungen.

Die Leidenschaft für Heilpflanzen wurde Bourdin in die Wiege gelegt. »Mein Vater Alexandre Bourdin war Heilkräuter-Sammler und Hersteller von Heiltees«, sagt Bourdin. »Mein Vater veröffentlichte 1973 in seinem Buch ›Hérémence et son passé‹ eine Chronik aus den Archiven der Gemeinde und des Kantons Wallis.« Zudem schrieb Alexandre Bourdin zwei Bücher über Heilpflanzen. Die Familiengeschichte der Heilkräuter-Sammler aus dem Schweizer Bergdorf Hérémence reicht aber sogar bis ins 18. Jahrhundert zurück. 1720 war es Francois Dayer, der als erster mit den »natürlichsten Mitteln« praktizierte. Seine Urenkelin, Marie-Jeanne Bourdin führte die Tradition der Naturmediziner und Heilkräuter-Sammler fort. Kranke kamen fast in Prozessionen zu ihr nach Hérémence, um sie wegen aller Arten an Erkrankungen zu konsultieren.

Alpenkräuter für Ricola

Jahre später interessierte sich auch ihr Urenkel Alexandre für Naturmedizin. Seine Buchsammlung wuchs stetig an, ehe er sich schließlich ganz dem Sammeln von heimische Heilkräutern und der Herstellung von Heiltees widmete. Zu Fuß ging es da bergauf zu den wild wachsenden Heilkräutern. »In den Sommerferien musste ich auch häufig tagelang den Spuren meines Vaters folgen«, erinnert sich Jean-Marie Bourdin. »Er wusste sehr genau, wo und wann welche Heilpflanze zu pflücken ist.« Mal ging es an den Bächen entlang zum Fettkrautpflücken, dann wieder mit der Sichel zu einem Zitronenmelissen-Feld. »Oder auf der Alp in 2000 Metern Höhe mit dem Pickel die Wurzeln vom gelben Enzian ausgraben«, sagt Bourdin und lacht.

Zu Hause habe der Vater die Pflanzen zu Heiltees vermischt, er habe Privatpersonen, Drogerien und Apotheken beliefert, die auch Teemischungen nach seinen Rezepten in Lizenz hergestellt hätten. In der Küche stellten die Eltern Kräuterzucker-Bonbons her. »Mein Vater lieferte auch Alpenkräuter an die Firma Ricola«, erinnert sich Bourdin. Seine Kräutermischung zur Herstellung von Kräuterzucker wollte der Vater gerne registrieren lassen, was nicht möglich war, da er keine Drogisten-Lizenz besaß. »Er soll das Rezept für Kräuterzucker-Bonbons dann an Ricola verkauft haben«, sagt Bourdin. »Jedenfalls ließ uns Ricola regelmäßig Kräuterzuckerbonbons in einer runden gelben Metalldose zukommen.«

Heute setzt Jean-Marie Bourdin die Familientradition in achter Generation fort. Gut ein Jahr lang hat er für sein »Heilpflanzen-Abc« recherchiert. Fündig wurde er in der häuslichen Bibliothek, die viele alte Fachbücher der Familie enthält. »Meine Heilpflanzen-Bibliothek umfasst circa 60 Bücher aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Frankreich.« Bourdin nahm zahlreiche internationale Veröffentlichungen zur Hand, verglich wesentliche Merkmale wie Heilwirkung, verwendete Pflanzenteile, Hauptwirkstoffe und Anwendungen. Am Ende wählte er 45 Pflanzen aus, die auch in der heimischen Umgebung zu finden sind. »Die meisten dieser Pflanzen wachsen im Bad Nauheimer Kneipp-Gesundheitsgarten«, erklärt der Autor, der auch die dort stehenden Pflanzenschilder gestaltet hat. Ein weiterer Grund dafür, dass er gerne ein Buch über Heilpflanzen schreiben wollte. Das Buch ist aber auch eine Würdigung seiner Vorfahren, wie er sagt. »Die Texte sollen leicht verständlich sein«, macht Bourdin deutlich. Daher habe er sie kurz und überschaubar formuliert. Die dazugehörigen Illustrationen sind eigene Fotografien und kolorierte, bearbeitete Lithografien aus Büchern von 1876 und 1906. »Mir war es wichtig, dass die Pflanzen deutlich dargestellt werden.«

Erhältlich ist das 100 Seiten umfassende »Heilpflanzen-Abc« in den Buchhandlungen in Bad Nauheim, Friedberg, Butzbach, Nidda und Büdingen sowie bei Jean-Marie Bourdin (E-Mail an art-foto@gmx.de). Das Buch kostet 9,90 Euro.

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