07. Mai 2019, 17:00 Uhr

Herrliche Lesung

Mariele Millowitsch und Walter Sittler harmonieren

Mariele Millowitsch und Walter Sittler gelten seit »Nikola« als das Traumpaar im TV. Nun harmonierten die beiden Schauspieler auch bei der Lesung in der ausverkauften Friedberger Stadthalle.
07. Mai 2019, 17:00 Uhr

Mariele Millowitsch und Walter Sittler gelten seit den Fernsehserien »Girlfriends« und »Nikola« als das Traumpaar im deutschen Fernsehen – und das, obwohl dieser Erfolg schon lange zurückliegt und beide schon Jahre nicht mehr zusammen in einer TV-Produktion vor der Kamera standen.

Doch seit einigen Monaten ist das Duo immer wieder mal gemeinsam auf Lesereise unterwegs. Am Sonntag waren Sittler und Millowitsch zu Gast in der seit Wochen ausverkauften Stadthalle. Es war die seit Jahren größte Lesung im Rahmen von »Friedberg lässt lesen«.

Wie beliebt die beiden Schauspieler sind, zeigte sich schon beim langen Auftrittsapplaus für das Duo, das aus dem Buch »Alte Liebe« von Elke Heidenreich und Bernd Schröder liest. Der vor zehn Jahren erschienene Roman scheint Millowitsch und Sittler auf den Leib geschrieben zu sein.

Darin wird authentisch beschrieben, welche Probleme, Differenzen und Gemeinsamkeiten ein Paar hat, das seit 40 Jahren zusammenlebt und so irgendwie gemeinsam alt geworden ist. Diese Problematik bringen die beiden Schauspieler in ihrer szenischen Lesung so realistisch rüber, als würden die Besucher einem Hörspiel lauschen, obwohl es sich lohnt, genau hinzuschauen und der Mimik der beiden zu folgen.

Jeder im Saal spürt schnell, dass die beiden Akteure, die da auf der Bühne sitzen, sich bis heute blind verstehen und hundertprozentig miteinander harmonieren. Eine bessere Besetzung der beiden Protagonisten Lore und Harry kann es wohl kaum geben. Es macht einfach Spaß zuzusehen, wie sich das Paar immer wieder in die Haare bekommt, um sich dann doch wieder zu vertragen. Manchmal werden alte Wunden aufgerissen, wie Harrys lang zurückliegende Affäre.

 

Unvergessene Momente

 

Die von Lore in der Zeitung entdeckte Todesanzeige der Ex-Geliebten wirft bei den beiden jedoch auch Fragen auf: »Wie lange leben wir noch? Wer von uns stirbt zuerst, wer lässt den anderen zurück? Harry meint dazu, pragmatisch wie viele Männer es sind: »Wir sind die Generation, die jetzt dran ist.«

Oft sind Harry und Lore nicht einer Meinung, die unterschiedlichen Standpunkte werden deutlich. Doch sie nähern sich immer wieder aufs Neue an. In einem sind sie sich jedoch völlig einig: Die dritte Heirat ihrer einzigen Tochter mit dem Erben einer stinkreichen High-Society-Familie ist ein ganz großer Fehler.

 

Spaß und Gesellschaftskritik

 

Harrys fiktive Hochzeitsrede ist auch einer von ganz vielen Höhepunkten in der 90-minütigen Lesung, in der auch, bei allem Humor, Spaß und Freude, Gesellschaftskritik ihren Platz hat. Im Mittelpunkt bleibt jedoch immer die Frage, ob eine Liebe nach 40 Jahren bestehen oder noch die Gleiche sein kann, wie in den Anfangsjahren – trotz all der Differenzen, die deutlich werden. »Was haben wir falsch gemacht?« fragt Lore, die als Bibliothekarin Hunger nach Schönheit, Bildung und Musik hat. Harry, der als pensionierter Bauamtsmitarbeiter nur noch für seinen Garten lebt, gerne Schweinebraten isst und Bier trinkt, antwortet pragmatisch: »Wir haben nichts falsch gemacht.«

 

Kleinkarierter Eifersuchtsscheiß

 

Im Laufe des Abends spielt der »kleinkarierte Eifersuchtsscheiß« (Harry) jedoch keine Rolle mehr. Die beiden finden wieder zueinander. »Alt werden ist nicht einfach«, meint Harry und Lore stellt fest: »Überall gibt es im Alter Verluste, nur Harry ist noch da. Ich bin zufrieden.« »Ich glaube, ich liebe dich noch«, sagt Lore schließlich und Harrys Antwort: »Sag Bescheid, wenn du es weißt«, sorgt für eine von vielen Lachsalven und langem Zwischenapplaus für Millowitsch und Sittler. Schließlich nimmt Sittler seine Lesepartnerin fest in den Arm. Millowitsch schaut ihn strahlend an. Da war es wieder, dieses Nicola-Feeling, das wohl immer unvergessen bleiben wird, zumindest bei den Fans von Walter Sittler und Mariele Millowitsch.

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