14. Februar 2018, 21:26 Uhr

Märchen ohne Worte

14. Februar 2018, 21:26 Uhr
Mit Eleganz, Anmut und Präzision verzaubert das Russische Nationalballett in Tschaikowskys »Schwanensee« das Bad Nauheimer Publikum. (Foto: hms)

Ein wunderbares Alternativprogramm zum Rosenmontag bot Tschaikowskys Ballettklassiker »Schwanensee«. Das Russische Nationalballett machte auf seiner aktuellen Deutschlandtournee Station in der Kurstadt und faszinierte, wie kaum anders zu erwarten, das Publikum im gut besuchten Jugendstiltheater.

Die Ballettmusik in zwei Akten von Peter Tschaikowsky wurde 1877 im damals völlig überforderten Bolschoi-Theater in Moskau uraufgeführt. Erst in der Choreografie von Marius Petipa und Lew Iwanov erlangte das Stück 1895 am Petersburger Mariinski-Theater seinen Durchbruch. Die traditionellen russischen Companies berufen sich noch heute auf diese nicht bis ins Detail festgelegte Choreografie. Nach wie vor beeinflusst das traditionelle russische Ballett mit seiner exzellenten Nachwuchsförderung die klassische Tanzkunst weltweit.

Etwa 40 Tänzerinnen und Tänzer des Corps de Ballet und zehn Solistinnen und Solisten beherrschten in reicher Formensprache die relativ kleine Bühne im Jugendstiltheater. Diverse Lichtstimmungen unterstrichen den Eindruck der Szenen: festlich im Garten und gespenstisch am See. Schon in den ersten Sekunden ließ Sergei Fedorkov als Hofnarr ahnen, welche herausragende Qualität die Companie bieten würde. Die Musikkonserve dazu war leider nicht so brillant. Doch angesichts des Tanzzaubers konnte man diesen Mangel meist ausblenden. Die sicher interpretatorisch und tänzerisch anspruchsvollste Rolle hatte Polina Tokarewa, die die Schwanenprinzessin Odette und in der Trugszene souverän die Odile tanzte.

Anmut und Leidenschaft

Sie führte den dämonischen schwarzen sowie den lyrischen weißen Schwan jeweils als ein eigenes, einprägsames Charakterbild aus. Schwanensee verlangt von allen Akteuren schauspielerische Fähigkeiten. So hatte man allein durch die Ausdruckskraft der Körper den Eindruck eines Märchens ohne Worte.

In der Handlung feiert Prinz Siegfried (Iwan Negrobov) ein Fest zu seiner Volljährigkeit, bei dem er auf Brautschau geht. Hier sprechen Details in Requisite und Licht. Weiße Nebel ziehen in der Lichtung am See auf, wo Siegfried die Schwanenprinzessin trifft. Sie hat in Odette menschliche Gestalt angenommen, unterliegt aber einem bösen Zauber. Dieser kann nur durch einen Treueschwur gebrochen werden. Auf dem folgenden Ball trügt der Zauberer (Albert Salimov) den Prinzen durch seine als Odette verkleidete Tochter Odile. Um den Fluch zu brechen und Odette zu retten, muss Siegfried den Zauberer bekämpfen. Es gibt ein Happy End und ein traumhaftes Schlussbild.

Mit nur zwei weiten, hohen Sprüngen durchmessen die Solisten die Bühne. Sie verführen Augen und Herzen der Zuschauer mit der ganzen Bandbreite ihres tänzerischen Könnens in Drehungen, Pirouetten, Hebefiguren und Posen. Hingebungsvoll gestalten sie den Pas de deux zu den Klängen von Harfe und Violine. Der Hofnarr scheint in winzigen Schritten über den Boden zu gleiten. Er unterstreicht seine Rolle mit minimaler Gestik, die bis in die letzten Reihen fassbar ist. Im Schwanentanz beeindruckt die absolute Synchronität der Tänzerinnen in faszinierenden Bewegungsabläufen, bis sie mit nach oben gestreckten Armen und Fingern, Schwanenhälsen gleich, regungslos verharren. Eine Augenweide ist diese in blaues Nachtlicht getauchte Szene. Grazie und Eleganz, Präzision und Leichtigkeit, wie sie nur mit Hingabe und höchster Disziplin zu erreichen sind, zeichnen das Russische Nationalballett aus. Erneut hat die Companie beim Publikum einen Eindruck von absoluter Leidenschaft und Hingabe zum Ballett hinterlassen. Begeisterter Applaus belohnte sie.

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