Nicht allein materielle, sondern auch ideelle Werte sind im Leben wichtig. Das haben viele Referenten bei den vierten Karrieretagen im Internat Institut Lucius betont. Einige von ihnen, die früher selbst Lucius-Schüler waren, können inzwischen auf ein ebenso abwechslungsreiches wie erfülltes Berufsleben zurückblicken.

Der Titel des Workshops der Professorin für Sprachlehr- und -lernforschung an der Goethe-Universität in Frankfurt, Dr. Daniela Elsner, beschreibt den Fokus der zweitägigen Karrieretage besser als der offizielle Name der Veranstaltung. Mit »Mach doch, was du willst oder Finde den Job, der dich glücklich macht« hatte Elsner - ebenfalls ehemalige Schülerin des Internats - ihren Workshop überschrieben. Bei ihr konnten die zukünftigen Abiturienten, die oft wenig bis gar keine Vorstellung haben, welchen Beruf sie ergreifen wollen, mehr über ihre Interessen und Neigungen erfahren.

Dass viele Referenten selbst einmal das Internat besucht hatten, sorgt bei den Karrieretagen, neben den kleinen Gruppen, für eine vertrautere Atmosphäre, als sie an anderen Schulen üblich ist. Immer wieder wurde betont, dass es im Beruf nicht nur um Geld, sondern auch um Erfüllung gehe. Dabei könnten die individuellen Interessen in ganz unterschiedlichen Branchen eingesetzt werden.

Matthias Pfeifer, der von 1980 bis 1986 Schüler am Institut Lucius war, berichtete von seinem sehr bunten beruflichen Lebensweg, der schon in seiner Jugend begonnen hatte. Freunde seiner Eltern buchten ihn und seinen Bruder zur Ausrichtung von Feiern. Pfeifer professionalisierte diese Nebentätigkeit schließlich mit einer Ausbildung zum Restaurantfachmann. Er hatte damals erkannt, dass es ihm Freude bereitet, Menschen Wünsche zu erfüllen und ihnen das Leben angenehmer zu gestalten. Noch heute ist seine Begeisterung für diesen Beruf und für die Arbeit im Hotel spürbar. Innerhalb von acht Jahren ist er bis zum Marketing-Direktor einer Hotelkette aufgestiegen.

Qualifikation versus Einstellung

»Meist müssen sich die Kunden an dem Unternehmen ausrichten und nicht umgekehrt«, beschrieb er. Deshalb sei es ihm wichtig, Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen. Bei der Auswahl seiner Mitarbeiter zählen für ihn nicht nur fachliche Kompetenzen. »Mir ist es gar nicht so wichtig, welche Qualifikation jemand hat, sondern mir kommt es auf die Einstellung an«, sagte Pfeifer.

Als Pfeifer merkte, dass viele Mitarbeiter der Hotels »zunehmend mit sich selbst beschäftigt« waren, statt den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen, eröffnete er mit seinem ehemaligen Zimmernachbarn aus dem Internat insgesamt vier gastronomische Betriebe. »Das war eine Zeit der Selbstständigkeit, in der ich sehr viele Fehler gemacht habe«, räumte er rückblickend ein. Zwar hätten er und sein Partner sehr viel Geld verdient, dabei aber die Ausgaben nicht im Blick gehabt. »Es war eine coole Zeit«, schwärmte er von einmaligen Erlebnissen, zum Beispiel als Nena in der Bar an den Plattentellern stand.

Pfeifers Erfolgsrezept war auch damals schon die absolute Kundenorientierung und Mitarbeitern Verantwortung zu übertragen. Wie auch bei seiner nächsten Station, dem Aufbau eines Netzes von Einzelhandelsgeschäften mit Gastronomie für einen großen Kaffeehersteller. Mit den Erfahrungen, die er in seinem Berufsleben gesammelt hat, berät er inzwischen Kunden bei der Auswahl, der Anmietung und dem Kauf von Gewerbeimmobilien.

»Wenn ihr erst mal etwas gefunden habt, was ihr gerne macht, spielt die Branche keine Rolle«, gab er den Schülern mit auf den Weg. Dabei sollten sie die Anforderungsprofile in den Stellenanzeigen nicht zu ernst nehmen. »Niemand erfüllt zu 100 Prozent dieses Profil. Oder er ist überqualifiziert«, stellte er fest. »Seid mutig und traut euch viel zu.«

Zum Abschluss des Tages gab es ein gemeinsames Mittagessen im Freien.

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