08. April 2019, 20:27 Uhr

Lisa Gnadl: Die Streitkultur ist zurück

08. April 2019, 20:27 Uhr

Diesmal gab es keine Überraschungen bei den Wahlen zum neuen Vorstand des Wetterauer SPD-Unterbezirks: Ohne Gegenkandidat wurde die Vorsitzende Lisa Gnadl mit einem guten Ergebnis in ihrem Amt bestätigt. 95 der 110 Delegierten stimmten am Samstag in Niddatal-Bönstadt für die 37-jährige SPD-Politikerin Lisa Gnadl, die dem Hessischen Landtag seit 2008 angehört. Zehn votierten mit Nein, vier enthielten sich der Stimme.

»Es ist ein ehrliches Ergebnis, mit dem ich nach meiner bisher nur kurzen Amtszeit sehr zufrieden bin«, freute sich Gnadl anschließend. Die dreifache Mutter, die am Samstag mit ihrem jüngsten Sohn auf dem Arm oftmals durch die Reihen der Delegierten zog, hatte 2017 nach einer Kampfabstimmung gegen den damaligen Wölfersheimer Bürgermeister Rouven Kötter den Vorsitz der Wetterauer SPD übernommen – nachdem der bisherige Amtsinhaber Joachim Arnold zur Ovag in die Privatwirtschaft gewechselt war. Nach ihrem Sieg hatte sie damals die Erneuerung der Wetterauer SPD angekündigt, weil ihr die Glaubwürdigkeit ihrer Partei verloren gegangen schien.

Mehr Diskussion in der SPD

Mit ihrer Erneuerung sei sie zwar noch nicht am Ziel, doch erste Veränderungen ließen sich schon deutlich erkennen. Mit Diskussionsforen, Arbeitskreisen und politischen Zirkeln habe sie eine Streitkultur wieder eingeführt, die für eine lebendige Partei so wichtig sei. Gar nicht zufrieden hingegen zeigte sich Gnadl mit dem Ergebnis der Landtagswahl. Den Grund für das schlechte Abschneiden sieht sie in den bundespolitischen Themen wie dem Dieselproblem oder den AfD-Erfolgen, die den Wahlkampf beherrscht hätten.

Mit ihrem neuen Sozialstaatskonzept habe die SPD nun aber wieder zu ihrer alten Stärke zurückgefunden. Und mit ihm sei sie auch wieder in der Lage für gesellschaftliche Veränderungen, beispielsweise in der Arbeitswelt mit höheren Mindestlöhnen oder in der Familie mit besserer Kinderbetreuung, zu sorgen. Gnadl forderte auch die Einführung der Grundrente und wandte sich in diesem Zusammenhang scharf gegen die Forderung der Unionsparteien nach einer Bedürftigkeitsprüfung. Die sei nicht nur systemwidrig, sondern auch unanständig, so Gnadl.

Für die Wetterau forderte sie unter anderem mehr bezahlbaren Wohnraum, bessere Kinderbetreuung, verstärkte Entwicklung des ländlichen Raums, mehr Umweltschutz und weniger Flächenversiegelung. Gerade der letzte Punkt veranlasste den Wölfersheimer Bürgermeister Eike See zu einer eindeutigen Stellungnahme zur umstrittenen Ansiedlung des Rewe-Logistikzentrums. Sicherlich werde hier landwirtschaftliche Fläche versiegelt, aber im Gegenzug würden dadurch viele Hundert Arbeitsplätze gesichert. Und dies dürfe man nicht aus dem Auge verlieren, machte See deutlich.

Dass sich die Partei in letzter Zeit gewandelt oder zumindest geöffnet hat, zeigte auch die Einberufung der neuen Arbeitsgruppe »SPD Queer«, in der sich die SPD unter anderem für die Akzeptanz und Gleichstellung von Schwulen und Lesben einsetzt.

Neben den Vorstandswahlen, bei denen Rouven Kötter (Wölfersheim), Christine Jäger (Nidda), Natalie Pawlik (Bad Nauheim) auch der Florstädter Dieter Richter zu stellvertretenden Vorsitzenden, Gerhard Weber (Wölfersheim) zum Schatzmeister und Marion Götz (Friedberg) zur Schriftführerin gewählt wurden, standen eine Reihe von Anträgen zur Diskussion und Abstimmung auf der Tagesordnung. Beispielsweise zum Thema Europa oder zu den Themenbereichen Bildung, Arbeit, Wohnen, Steuerpolitik und Sterbehilfe.

Wieczorek-Zeul wirbt für EU

Zum Thema Europa war die ehemalige Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) eingeladen, die ausführlich auf die Bedeutung der Europäischen Union im Wandel unserer Zeit einging. Die EU bedeute nicht nur Sicherheit, sondern stehe auch für das Wohlergehen der Bevölkerung in ihrem Bereich.

Auch auf die aktuelle Diskussion der Nachrüstung ging Wieczorek-Zeul ein. An ihre dürfe sich die EU weder beteiligen noch mit ihr Geld verdienen. »2 Prozent des Haushaltes für Rüstungsausgaben heißt 68 Milliarden Euro für Waffen auszugeben. Mehr Frieden schafft dagegen, mit dem Geld Hungersnöte in der Dritten Welt zu bekämpfen. Zumal das auch das Flüchtlingsproblem lösen würde«, sagte die SPD-Politikerin.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Betreuung von Kindern
  • Europäische Union
  • Heidemarie Wieczorek-Zeul
  • Hessischer Landtag
  • Joachim Arnold
  • Lisa Gnadl
  • Rouven Kötter
  • SPD
  • SPD-Politikerinnen
  • Streitkultur
  • Wetteraukreis
  • Jürgen W. Niehoff
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos