Wetterau

Linke will hessischen Löwen wieder stark machen

Die Bayern-Wahl hat die politische Landschaft verändert. In zwei Wochen wählen die Hessen ihren Landtag. Gabi Faulhaber von der Linken fordert vor allem eine bessere Sozialpolitik.
16. Oktober 2018, 11:00 Uhr
Jürgen Wagner
»Wir verteidigen demokratische Rechte«, sagt die Linken-Direktkandidatin Gabi Faulhaber, die bei der Landtagswahl in der südlichen Wetterau antritt. (Foto: Nici Merz)

In einer Ecke des Roten Ladens in Friedberg steht ein klappriger Hessischer Löwe mit müden Augen und verkündet »magere Zeiten«. Rund 15 Prozent der Hessen gelten als arm, sagt Gabi Faulhaber. Zur Sozialberatung kämen aber auch Selbstständige. »Die Mittelschicht gerät unter Druck.« Ihnen will die Linke nicht nur in Wahlkampfzeiten zur Seite stehen.

In den Umfragen zur Landtagswahl liegt die Linke bei acht Prozent. Es wird wohl nicht so knapp wie bei der Wahl vor fünf Jahren. Da rutschte die Linke mit 5 Prozent gerade mal so in den Landtag, und Gabi Faulhaber musste zweieinhalb Jahre warten, bis sie als Nachrückerin ein Landtagsmandat annehmen konnte. Um Bildungspolitik und Migration hat sich die 65-Jährige in der Landtagsfraktion gekümmert, war Mitglied im Petitionsausschuss.

 

Auch außerparlamentarische Arbeit wichtig

Auf eine Regierungsbeteiligung spekuliert die Linke nicht, zumindest nicht offensiv. »Klar müssen wir einen Weg finden, um die momentane Regierung hinter uns zu lassen.« Aber der Weg ist weit. Was kann eine Partei in der Opposition bewirken? »Man kann die anderen durcheinanderbringen«, lacht Faulhaber. Um in erstem Ton hinzuzufügen: »Unsere Anträge werden wahrgenommen, wir finden Gehör.« Außerdem gehöre zum Selbstverständnis der Linken die außerparlamentarische Arbeit: Kontakte knüpfen, Netzwerke aufbauen, um so die Gesellschaft zu verändern. Ein klares Ziel der Linken. »Das ist nichts Visionäres. Wir verteidigen demokratische Rechte.«

Die Teilung der Gesellschaft in Arm und Reich werde immer spürbarer. »Dafür gibt es Statistiken. In Hessen sind 15 Prozent der Bevölkerung arm, im Bundesdurchschnitt sind es sogar 20 Prozent. Es gibt sehr starke soziale Brüche.« Die Linke will dagegen ankämpfen, fordert gleiche Chancen für alle.

 

Linke fordert Vermögenssteuer

Die »Erfolge« der Landesregierung etwa bei der Einstellung zusätzlicher Lehrer sieht die pensionierte Sonderschullehrerin und Direktkandidatin der Linken für die östliche Wetterau kritisch. »Das ist bloß die Aufarbeitung von Problemen.« Digitalen Unterricht in der Grundschule hält sie nicht für den richtigen Weg. »Die Kinder haben Konzentrationsprobleme. Damit sie etwas lernen, müssen sie die Dinge eher ›be-greifen‹.«

Die Linke fordert kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr und kostenlose Kinderbetreuung, nicht bloß für sechs Stunden. »Wir machen auch Sparvorschläge«, sagt Faulhaber. »Das Land könnte beim Flughafen Kassel-Calden sparen. Und wir fordern die Einführung einer Vermögenssteuer in Hessen. Das bringt 1,5 Milliarden Mehreinnahmen.«

 

Kein Regeln gegen Lohndrücker

Auf der Landesliste der Linken steht Faulhaber nicht. »Jetzt sollen mal die Jüngeren ran.« Vier Jahre lang war sie stellvertretende Landesvorsitzende, will diesen Posten abgeben. Nachwuchsprobleme gebe es bei den Linken keine. »Die Hälfte unserer Mitglieder ist unter 30 Jahren.«

Die Polizei wolle die Linke »nicht paramilitärisch ausrüsten«. Aber die Personalprobleme und die Mängel bei der Ausstattung müssten abgestellt werden. Die Terrorgefahr lasse sich nicht wegdiskutieren, sagt Faulhaber. »Aber die Kriminalitätsstatistik ist rückläufig.« Die Probleme müsse man »mit einer ordentlichen Sozial- und Außenpolitik in den Griff bekommen.«

Klar sei, dass es Regeln bei der Arbeitsmigration geben müsse. »Diese Leute werden ausgebeutet. Mindestlohn wird da keiner gezahlt.« Die Regierungen in Wiesbaden und Berlin würden keine wirksamen Regeln gegen Lohndrückerei schaffen. Für die Linke ist das Problem internationaler Art. »Wir wollen eine gerechtere Weltwirtschaft.« Man kämpfe auch dagegen, dass Shell in Nigeria Öl fördere und Milliardenumsätze mache, die Bauern, die neben den Pipelines leben, aber nicht genügend Geld hätten, um sich ein warmes Mittagessen zu kochen.

Info

Zwei weitere Kandidaten

Am 28. Oktober wählen die Hessen einen neuen Landtag. Die Wetterau ist aufgeteilt in die drei Wahlkreise 25 (Süden), 26 (Osten) und 27 (Nordwesten). Gabi Faulhaber (65) tritt in der östlichen Wetterau an. Für die südliche Wetterau geht die 43-jährige Erzieherin Anja El Fechtali ins Rennen, die sich in der Friedberger Stadtverordnetenversammlung und im Wetterauer Kreistag für die Rechte von Hartz IV-Empfängern stark macht und sagt: »Wir brauchen dringend eine kreiseigene Wohnungsbaugesellschaft.« Im Nordwesten tritt die Sekretärin Fatma Demirkol (45) für die Linke an. Sie sagt: »520 Kitas kosten genauso viel wie 225 Leopard 2-Panzer« und spricht sich gegen die Erhöhung des Rüstungsetats aus. (jw/pv)

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Linke-will-hessischen-Loewen-wieder-stark-machen;art472,499739

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