21. Mai 2019, 20:21 Uhr

Lieder aus fernen Ländern

21. Mai 2019, 20:21 Uhr
Hohe Anforderungen an das sängerische Können hat Thomas Morleys »Sing we and chant it« aus dem 16. Jahrhundert an die Sängerinnen und Sänger gestellt. (Foto: gk)

Schon die Zahl der vorgetragenen Titel war beeindruckend: Mit gut zwei Dutzend Werken vom 16. bis ins 20. Jahrhundert ließen der 35-köpfige, von Nils Kjellström geleitete Chor »Intermezzo« und das Gitarrenduo »Saitenzeit« (Bascha Bollmann und Constanze Reizner) den Sonntagnachmittag im Konzertsaal der Trinkkuranlage zum (fast zweistündigen) Erlebnis werden.

»Dream a little dream«: Der Titel des ersten Liedes taugt als Motto für das Konzert, das nicht nur Zeitreise war, sondern auch Liedgut ferner Länder wie Kuba und Brasilien auf hohem Niveau zu Gehör brachte.

»Let uns never forget, how fragile we are« lautet eine Zeile des zweiten Titels »Fragile« von »Sting« aus dem Jahr 1987. Er ist ein bewegender Aufruf zum Frieden.

Der berühmte Musical-Komponist Andrew Lloyd Webber kam gleich zweimal zum Zug: Seine Songs »Memory« und »Musik der Nacht« aus »Phantom der Oper« standen neben Elton Johns »Circle of life«. Für den Vortrag der drei Titel aus den 1980er und 1990er Jahren erhielt der »Intermezzo«-Chor besonders starken Applaus.

Hohe Anforderungen an das sängerische Können stellte Thomas Morleys »Sing we and chant it« aus dem 16. Jahrhundert. Der 1558 geborene Morley war einer der bedeutendsten Musiker und Komponisten des elisabethanischen Zeitalters. Von 1592 bis zu seinem Tod 1602 war er Leiter der königlichen Hofkapelle.

Die beiden Gitarristinnen vom Duo »Saitenzeit« blieben mit ihrer Interpretation einer »Galliarde« vorerst im 16. Jahrhundert. John Johnson, heute nur noch Musikhistorikern ein Begriff, schuf dieses für Laute geschriebene Werk als Erster Lautenist Ihrer Majestät, Königin Elisabeth I.

Gelungener Kontrast

Danach begab sich das Duo auf die Reise nach Lateinamerika und ließ Werke von Astor Piazzolla (»Adios Nonino«) und eine »Sambinha« (kleine Samba) des 1953 geborenen brasilianischen Tonsetzers Celso Machado erklingen. Es war faszinierend zu erleben, wie professionell die beiden Musikerinnen - Tempo, Rhythmus und Lautstärke betreffend - zusammenwirkten (zum Beispiel in der virtuosen »Marchinha de Carnaval«). Ihr Auftritt war ein Spiel auf Augenhöhe - und gelungener Kontrast zum Chorgesang.

Dirigent Nils Kjellström ist offenbar ein Mann mit Faible für literarische Komik - zum Beispiel von Joachim Ringelnatz. Dessen originelle Miniaturen von den zwei Ameisen, die ihre Australienreise bereits nach kurzer Zeit aufgeben, und dem von einer Prinzessin beleckten »Briefmark« hat Kjellström vertont und mit seinem Chor zu Gehör gebracht: Ein glücklicher Einfall, der auf starken Beifall stieß. Die Sängerinnen und Sänger überzeugten, von kleinen Schönheitsfehlern abgesehen, durch gutes Zusammenwirken. Ein Wermutstropfen, nicht nur bei diesem Chor, sind jedoch die wenigen Männerstimmen - acht von 35. Dieses Ungleichgewicht beeinträchtigt die Qualität mancher Liedpassagen. Vier geistliche Werke bildeten den Abschluss des Konzerts. Das achtstimmige »Lay a Garland« von Robert Pearsall Smith - Spross einer Quäkerfamilie erklang. Er wurde zu einer zentralen Figur der »Heiligungsbewegung« in den USA.

Mit dem melancholischen »Juramento« (das heißt, einem Liebesschwur) des Kubaners Miguel Matamoros - dem Gründer des legendären »Trio Matamoros« - klang das Konzert nach viel Applaus der etwa 60 Besucher mit einer Zugabe aus.

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