28. April 2018, 07:00 Uhr

Nonnen geben auf

Letzter Tag: Laden von Kloster Engelthal muss nach 56 Jahren schließen

Läuft ein Unternehmen nicht, muss der Betreiber Konsequenzen ziehen. Das gilt auch, wenn es sich beim Betreiber um Nonnen und beim Geschäft um einen Klosterladen handelt.
28. April 2018, 07:00 Uhr
Die letzten Einkäufe im Klosterladen: Das Geschäft am Kloster Engelthal in Altenstadt muss nach 56 Jahren schließen. (Foto: Nici Merz)

Was gibt es in einem Klosterladen? Natürlich Devotionalien. Bitte was? Schwester Caterina erklärt lachend: »Das sind fromme Dinge, also Kreuze und Weihwasserbecken.« Im Lädchen des bei Altenstadt gelegenen Klosters Engelthal gibt es aber auch Bücher – religiöse und nicht religiöse. Es gibt selbstgemachte Marmeladen, Honig, handgemachte Seifen und mehr. Aber nur noch heute und morgen, denn der Klosterladen schließt.

»Als Kloster müssen wir genauso Steuern zahlen und Rechenschaft über die Wirtschaftlichkeit von Betrieben ablegen wie andere auch«, sagt Schwester Caterina. Die 60-jährige Ordensfrau ist Cellerarin. »Das ist Klosterjargon, ist gleichbedeutend mit Geschäftsführerin«, übersetzt sie. Als solche hat sie die Finanzen im Blick. Und die sind alles andere als rosig, der Klosterladen macht Verluste. »Wir sind darüber sehr traurig«, sagt die Nonne.

 

Aktuell 16 Nonnen im Kloster

Das Kloster Engelthal blickt auf eine 750-jährige Geschichte zurück. Viel Zeit für Höhen und Tiefen. Ein Tiefpunkt war 1803, als das Kloster aufgelöst wurde. In den 1950er und 60er Jahren erwarb das Bistum Mainz das Areal zurück, 1962 wurde es von den Benediktinerinnen wiederbesiedelt. Im selben Jahr eröffnete der Laden, die Räumlichkeiten vergrößerten sich nach und nach. »Viele Schwestern waren dort tätig«, blickt Schwester Caterina zurück.

Das änderte sich 2014. »Wir mussten den Laden mit Fremdpersonal führen.« Aufgrund der Größe (aktuell leben 16 Nonnen im Kloster) und dem Alter (die jüngste der Schwestern ist 45) des Konvents, sei es nicht anders möglich gewesen. »Die Schwestern, die in Frage gekommen wären, hatten anderen verantwortungsvollen Aufgaben.« Dazu kommen gesellschaftliche Entwicklungen: die zunehmende Säkularisierung, der Trend, im Internet statt vor Ort zu kaufen.

 

Produkte der Schwestern weiterhin erhältlich

Das Fremdpersonal trieb die Kosten in die Höhe. Den drei Angestellten habe man damals schon gesagt, man müsse schauen, wie es in der Zukunft läuft. Es lief nicht gut genug. »Das Finanzamt wies drauf hin, dass wir Gewinne machen müssen, sonst sind wir als gemeinnütziger Verein gefährdet, das wäre für uns der größte Gau.«

Die drei Angestellten seien frühzeitig über ihre Kündigung informiert worden. Die selbstgemachten Produkte der Benediktinerinnen dürften in einem bestimmten Rahmen weiterhin verkauft werden, etwa über das vom Kloster betriebene Gästehaus.

Es sei ihr menschlich schwergefallen, dem Konvent das Aus mitzuteilen. »Der Laden war ja auch eine erste Kontaktstelle für Menschen.« Viele Menschen hätten über das Geschäft zum ersten Mal einen Fuß ins Kloster getan, dadurch ihre Scheu überwunden. »Der Laden liegt ein wenig abseits, die Schwellenangst ist niedriger.« Für das Kloster sei die Schließung daher schmerzhaft.

 

Autorenlesungen sollen weiterhin stattfinden

Es bleiben die Erinnerungen: an Treffen, an Gespräche. Ein besonders schönes hat Schwester Caterina auch nach Jahren präsent: Die Besucher kamen aus Frankreich. »Wir konnten uns auf Französisch unterhalten, ich habe erfahren, wie es den dortigen Klosterläden geht, es war eine wunderschöne menschliche Begegnung.«

Die Autorenlesungen, die regelmäßig im Klosterladen stattgefunden haben, sollen nicht eingestellt werden.

Der Klosterladen macht Räumungsverkauf, es gibt Prozente. Er hat letztmalig am Samstag, 28. April, von 9.30 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr sowie am Sonntag, 29. April, von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr geöffnet.

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