28. März 2019, 19:17 Uhr

Lesen heilt Liebeskummer

28. März 2019, 19:17 Uhr
Für jedes Problem gibt es einen passenden Roman: Davon ist die Bad Nauheimer Literaturwissenschaftlerin Jasmin Behrouzi-Rühl überzeugt. (Foto: pv)

Wenn die Liebste nicht will, Selbstwertgefühl fehlt oder ein anderer Kummer besteht, fragen sich Betroffene, was helfen kann. Vielleicht ist es ein passendes Buch? Dr. Jasmin Behrouzi-Rühl ist jedenfalls überzeugt davon. Im Vorfeld der Ernst-Ludwig-Buchmesse sprach sie über »Die Romantherapie«.

Lesungen leiten die Ernst-Ludwig-Buchmesse schon jetzt ein. Die Messe wird am Samstag, 13. April, und Sonntag, 14. April, im Max-Planck- und W.G.-Kerckhoff-Institut veranstaltet. Den Beginn machte jetzt Literaturvermittlerin Jasmin Behrouzi-Rühl aus Bad Nauheim. Sie nahm die Zuhörer zu einer Lesekur mit, deren Schauplatz die Galerie des Kunstvereins war. Buchmessen-Veranstalterin Beatrix van Ooyen und Karin Merchel, zweite Vorsitzende des Kunstvereins, konnten zahlreiche Gäste dort begrüßen. Der Inhalt der Lesung drehte sich um »Die Romantherapie« von Ella Berthoud, Susann Elderkin und Traudl Bünger.

»Dass das Lesen guttut – davon sind Sie wahrscheinlich überzeugt. Sonst hätten Sie sich nicht hierher verlaufen«, sagte Behrouzi-Rühl. Literatur wecke Bilder und helfe, eigene Lebensfragen zu beantworten. »Gut möglich, dass Sie an mehreren Leseleiden leiden«, sagte sie mit einem Augenzwinkern. Keine Minute sollte der Mensch laut »Romantherapie« an mittelmäßige Literatur verschwenden, sondern sich an Qualität halten.

Die Kraft der Kunst und Literatur wirke in jedem Menschen anders, aber ähnlich. Roman-Figuren, beispielsweise von Maupassant, könnten nach Ansicht der Künstlerin Yasmina Reza gegenwärtiger als lebende Menschen sein. »Denn in diesen Figuren verdichtet sich die menschliche Existenz.«

Forscher untersuchten derzeit, was sich beim Lesen im Inneren abspielt. Sie seien dabei, das Gleiche zu belegen, was schon Graham Greene sagte: »Keiner kommt von einer Reise so zurück, wie er weggefahren ist.«

Das ist Bibliotherapie

Laut »Romantherapie« lasse sich das Lesen mit einer Reise vergleichen. Wie Behrouzi-Rühl erläuterte, sei Kästner-Freunden dessen »Lyrische Hausapotheke« bekannt. Zwischenzeitlich gebe es eine Menge Bücher dieser Art. In vielen Ländern sei die Bibliotherapie allerdings viel weiter verbreitet als in Deutschland. Gleichwohl bestehe seit 1984 die Deutsche Gesellschaft für Poesie- und Bibliotherapie als Berufs- und Fachverband, seit 2010 das Deutsche Institut für Poesie- und Bibliotherapie. Behrouzi-Rühl ging auf den Aufbau der »Romantherapie« ein.

Im Register sind zahlreiche Lebenslagen alphabetisch aufgeführt, die von »Abschied« bis »Zurückweisung« reichen. Kostproben der Lektüreempfehlungen gab nun Behrouzi-Rühl: Bei unerwiderter Liebe passe etwa »Bel Canto« von Ann Patchett, bei Liebeskummer empfehle sich »Salz und sein Preis« von Patricia Highsmith. Und bei mangelndem Selbstbewusstsein eigneten sich die »Schiffsmeldungen« von Annie Proulx. Wer eine Krise hat, finde hingegen Trost in »Das war ich nicht« von Kristof Magnusson. Dies sei ein Roman, der sich bei Chips und einem guten Getränk am besten genießen ließe. Die Helden ließen den Leser etwas begreifen: Wie schön es ist, in der Frühlingssonne zu sitzen – Krise hin oder her.

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