Wetterau

Leona Krause will für Politik begeistern

Jugendlichen wird oft nachgesagt, dass sie sich nicht für Politik interessieren. Bei Leona Krause ist das anders: Die 18-Jährige aus Nieder-Rosbach will andere mit ihrer Begeisterung anstecken.
22. Mai 2019, 10:00 Uhr
Anna-Luisa Hortien
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Leona Krause hat im Vorfeld der Europawahl an den Jugendpolitiktagen in Berlin teilgenommen. Die 18-Jährige wünscht sich mehr solcher politischen Veranstaltungen für Jugendliche. (Foto: pv)

Mit 17 Jahren ist Leona Krause der Rosbacher SPD beigetreten. »Nachrichten schauen und über Politik diskutieren gehört für mich einfach dazu«, sagt die selbstbewusste 18-Jährige aus Nieder-Rosbach. Sie interessierte sich schon früh für Politik. Egal ob vor Ort in Rosbach oder auf Bundes- und Europaebene. Im Vorfeld der Europawahl hat sie als eine von 450 Jugendlichen an den Jugendpolitiktagen in Berlin teilgenommen.

Auf den Tipp einer Bekannten hin hatte sich Krause um die Teilnahme beworben, »Dass ich ausgewählt wurde, hat mich sehr gefreut«, sagt sie. Sie sei stolz, den Wetteraukreis repräsentieren zu dürfen. »In meinem Alter hat man selten die Chance, bei so etwas mitzumachen.« Die jungen Leute zwischen 16 und 27 Jahren haben ein ganzes Wochenende lang über die Themen Stadt und Land, Arbeit und Bildung, Umwelt und Gesundheit sowie Zusammenhalt und Demokratie diskutiert. Dabei ging es nicht nur um Deutschland, sondern auch um Europa. Eingeladen hatte das Familienministerium im Vorfeld der Europawahl.

Jugendliche vernetzen sich

In kleinen Gruppen erarbeiteten die Jugendlichen Forderungen, die in die Jugendstrategie der Bundesregierung einfließen sollen. »Was davon tatsächlich umgesetzt wird, ist natürlich fraglich«, sagt Krause. Diese Entscheidung liege bei anderen. »Aber wenigstens werden wir gehört.«

Wichtig sei ihr auch der Austausch mit anderen politisch interessierten Jugendlichen gewesen. »Es war interessant, Mal deren Meinung zu hören.« Außerdem haben sich die jungen Leute untereinander vernetzt: »Wir haben zum Beispiel schon eine WhatsApp-Gruppe gegründet, in der wir uns gegenseitig auf spannende Veranstaltungen aufmerksam machen.« Denn die sind laut Krause schwierig zu finden. Deshalb ist eine ihrer Forderungen, dass Informationen, besonders zu Veranstaltungen und Fördermöglichkeiten für junge Menschen, auf der Seite der Bundesregierung besser zugänglich gemacht werden.

Krause hat 2018 ihr Abitur gemacht. Danach ging sie für ein Praktikum nach Spanien. »Das hat mir verdeutlicht, dass Europa nichts Theoretisches ist«, sagt sie. »Ich konnte einfach von einem Land ins andere reisen.« Außer der Kultur sei eigentlich alles wie zu Hause gewesen. »Ich habe mich sehr schnell wohl gefühlt.«

Praktikum im Landtag

Gerade macht Krause ein Praktikum im Hessischen Landtag, danach geht es noch in die Landesgeschäftsstelle der SPD. In der Politik arbeiten möchte sie aktuell aber nicht. Stattdessen will sie Wirtschaftswissenschaften studieren und sich weiterhin ehrenamtlich politisch engagieren. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der Rosbacher SPD und bei den Jusos. »Durch mein Engagement kann ich Einfluss nehmen und im besten Fall sogar etwas verändern«, sagt Krause. Die Welt verändere sich stetig, und Politik gestalte diese Veränderung mit. »Das Schlimmste, was einer Gesellschaft passieren kann, ist Stillstand.«

Dass sich Jugendliche in ihrem Alter so für Politik interessieren, ist nicht selbstverständlich. Doch Krause glaubt, bei der Europawahl am Sonntag könnte die Wahlbeteiligung der Jugend wieder höher sein. »Unsere Generation ist mit den Möglichkeiten aufgewachsen, die uns die EU bietet. Wir schätzen das alle.« Es gebe keine Diskussion darüber, dass Europa der richtige Weg sei. Und in ihrem Umfeld seien sich alle einig, dass Wählen wichtig sei. Trotzdem bemerke sie, dass bei vielen nicht die Bereitschaft da sei, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. »Sie müssen sich nach dem Schulabschluss neu orientieren, herausfinden, was sie machen wollen und wo es hingeht.«

Krause glaubt auch, dass Jugendliche sich schnell machtlos fühlen gegenüber den erwachsenen Politikern. »Doch es lohnt sich, trotzdem weiterzumachen«, sagt sie. »Schließlich sind wir es, die irgendwann die Politik machen.« Und das trägt sie auch nach außen: »Ich will die Leute um mich herum für Politik begeistern.«

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