28. Dezember 2018, 21:53 Uhr

»Leise rieselt der Schnee« – zumindest musikalisch

28. Dezember 2018, 21:53 Uhr
Gemütlich geht es beim Salonkonzert zu.

Auch wenn der viel beschworene Schnee nicht wirklich, sondern nur in dem bekannten Lied rieselte, war die Atmosphäre im gemütlichen Wohnzimmer der Musikschule Gerhard Schaubach kürzlich ausgesprochen vorweihnachtlich-feierlich. Die Erwartungen der vielen Gäste wurden nicht enttäuscht. Bei Kerzenschein, Kaffee und Plätzchen bewegte das Gesangsensemble »Vox Humana« unter Beate Doliwa mit einer Vielzahl zum Teil sehr anspruchsvoller Titel die Herzen der Hörer.

Gerhard Schaubach als Begleiter an Piano und Cembalo sowie die Friedberger Schauspielerin Monica Keichel als Rezitatorin trugen das ihre zum Gelingen des Salonkonzerts bei. Mehrere Jahrhunderte Musikgeschichte wurden dabei lebendig. Der Bogen spannte sich von schlichten Weisen bis zu bedeutenden Werken wie der gleich zu Beginn von Schaubach am Cembalo angestimmten festlichen »Pastorale« aus einem Concerto grosso von Arcangelo Corelli.

Klug ausgewählte Texte

»Oh du gnadenreiche Zeit«: Mit dem Gedicht Joseph von Eichendorffs gab Keichel ihren Einstand als Rezitatorin. Klug ausgewählte Texte von Storm, Rilke, Hesse, Paul Gerhardt, Heinz Rühmann und anderen erwiesen sich – professionell dargeboten – als ideale Ergänzung des musikalischen Teils.

Beate Doliwa und drei ihrer Gesangsschülerinnen (Maren Richter, Patrizia Moll und Diana Franz) zeigten sich den zum Teil hohen gesangstechnischen Anforderungen voll gewachsen – zum Beispiel im »Gloria« des Barockkomponisten Henry Purcell. Richter beeindruckte besonders mit ihrer Interpretation der heiteren Variationen über »Morgen kommt der Weihnachtsmann« von Mozart. Moll mit ihrem glockenhellen Sopran ließ Adolphe Adams »Cantique de noel« zum Erlebnis werden. Auch der Ausflug in die leichtere Muse jenseits des Atlantiks kam beim Auditorium gut an, etwa die Evergreens »American Christmas« und »Winter Wonderland«.

Die alte lateinische Weise »Transeamus usque ad Bethlehem!« (Lasst uns nach Bethlehem ziehen) verlangte den Sängerinnen ein hohes Maß an intonatorischen, modulatorischen Fähigkeiten ab. Ihre Darbietung erhielt besonders intensiven Applaus.

Zum in Heinz Rühmanns Memoiren wehmütig beschworenen Duft der Bratäpfel gesellte sich nach kurzer Pause das von Schaubach »uff Franforderisch« rezitierte Gedicht Friedrich Stoltzes von den »haalisch dra Keenische«. Ihm folgte Georges Bizets triumphierender »Marche des rois«.

Was wäre ein Weihnachtskonzert ohne Lieder wie »Es ist ein Ros entsprungen« oder »Maria durch ein Dornwald ging«? Auch diese Weisen hinterließen tiefen Eindruck. Mit dem gemeinsam gesungenen »O du fröhliche« und langem Applaus endete ein zweistündiger Lieder- und Rezitationsabend, der erfolgreich an die Tradition der Salonkonzerte anknüpfte. (Foto: pv)

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