11. Juni 2019, 20:33 Uhr

Legionärsbrei kochen statt Vokabeln lernen

11. Juni 2019, 20:33 Uhr
Keine Bücher, gute Stimmung: Die Zehntklässler des Lateinkurses sind mit Kochutensilien bewaffnet. (Foto: pv)

Lukullische Genüsse an der Singbergschule. Am Freitag schoben in Wölfersheim Zehntklässler eines Lateinkurses Stifte und Bücher beiseite und inspizierten die Küche der Bildungseinrichtung mit der festen Absicht, mal nicht an Vokabeln zu denken und nicht den Kopf, sondern ein anderes Körperteil zu beschäftigen: den Bauch.

Das war ein Unterricht ganz nach dem Geschmack der Schüler: Nebenbei stellten sie fest, dass die Römer nicht nur die Schöpfer der Gewaltenteilung waren, nicht nur Baumeister und Militärstrategen, sondern ebenso gute Köche. Wer dabei an Nudeln denkt, der liegt völlig falsch: Viele Zutaten der heutigen italienischen Küche waren den Römern gänzlich unbekannt: Tomaten etwa kommen aus Amerika und konnten von Ovid und Vergil folglich weder besungen noch gegessen werden.

Ein Name des antiken Rom steht dabei sprichwörtlich für den guten Geschmack: Lucius Licinius Lucullus, Mitglied der Oberschicht und Zeitgenosse Cäsars, gab aufwändige Gastmähler. Dank eines Autors namens Apicius wissen wir, dass man in Rom Dinge aß wie Siebenschläfer oder Flamingo. Weil aber in den örtlichen Supermärkten auf die Schnelle kein Flamingo zu bekommen war, entschieden sich die Zehntklässler für Hühnchen auf numidische Art. Dafür braucht es Datteln, Pinienkerne - und Sojasauce. Die ist zwar nicht original, aber das römische Garum schmeckte wohl ganz ähnlich.

Als Vorspeise gab es den Legionärsbrei Pulsum: eine Grütze aus Gerstenschrot, Zwiebeln und Linsen. Nicht alles davon wurde gegessen. Moretum - ein Streichkäse mit sehr viel Knoblauch - fand größere Beliebtheit bei den Schülern, die für den Tag nicht mehr mit dem Besuch von Vampiren rechnen mussten.

Am Ende wurde aufgeräumt, geputzt, abgewaschen. Wie schon Seneca sagte: Di boni, quantum hominum unus venter exercet. Zu Deutsch: Gute Götter, wie viele Menschen hält doch ein einziger Magen auf Trab.

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