26. Mai 2017, 20:26 Uhr

Lebendiges Kopfkino

26. Mai 2017, 20:26 Uhr
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Von Corinna Weigelt
Viele klassische Musikstücke finden sich in Filmen. Das Marburger Kammerorchester hebt sie hervor. (Fotos: cor)

Zu einem Kinoklassiker gehören nicht nur die Stars und die Handlung. Oft sind es gerade die Melodien, die schnell wieder Erinnerungen wecken und das Kopfkino lebendig machen. Filmmelodien stehen für große Gefühle und leidenschaftliche Emotionen, unterstreichen aber auch die Spannungen und Schlüsselmomente der großen Filmklassiker. Das Marburger Kammerorchester spielt diese »Filmmusik«. Zum zweiten Mal gastierte das 20-köpfige Streichorchester unter der Leitung von Karin Hendel nun im großen Konzertsaal der Trinkkuranlage. Das Galakonzert »Klassiker der Filmmusik« bot mit mehreren Gastsolisten viele Highlights. Veranstaltet wurde das Konzert von der Musikschule Bad Nauheim und dem Förderverein sinfonische Musik für die Neuen Kurkonzerte Bad Nauheim.

Eigentlich zählt die »Kleine Nachtmusik« von Wolfgang Amadeus Mozart nicht zu den typischen Filmmusiken. Trotzdem wird sie für viele Filmszenen gerne ausgewählt. »Wir finden sie natürlich im Klassiker ›Amadeus‹ wieder«, sagte die Orchesterleiterin Karin Hendel. »Aber auch in Filmen wie ›Ace Ventura‹.« Überhaupt sei Mozart sehr gefragt, wenn es um die Untermalung besonderer emotionaler Szenen geht. Sein Adagio aus dem Klarinettenkonzert sei hervorragend in den Film »Jenseits von Afrika« integriert, biete bis heute, nicht nur für Robert-Redford-Fans, eine geniale Verbindung zu den beeindruckenden Bildern Afrikas. Klarinettist Jochen Tschabrun ließ diese Bilder in der Trinkkuranlage mit gefühlvollen Spiel wieder aufleben.

Schostakowitschs Suite »Hornissen« brachte zugleich zwei weitere Solistinnen auf die Bühne: die amerikanische Pianistin Karen Tanaka und die Geigerin Charys Schuler.

Mit ihrer Violine begeisterte Schuler das Publikum gerade auch durch ihr Geigen-Solo aus »Schindlers Liste«. Der jüdische Geiger Itzhak Perlman hatte das gefühlvolle Solo für den Film eingespielt. Außerhalb der Klassikwelt erlangte er durch die von John Williams (»Star Wars«, »E.T.«) komponierte und mit einem Oscar ausgezeichnete Filmmusik noch größere Bekanntheit.

Als weiterer Solist trat der Oboist Michael Höfele vors Publikum, der unter anderem »Gabriels Oboe« von Ennio Morricone (Die Mission) darbot. Wie Jochen Tschabrun ist auch Höfele beim HR-Sinfonieorchester erfolgreich aktiv. Weiterer Höhepunkt, Melodien der Charlie-Chaplin-Klassiker »Der große Diktator« (Falling Stars) und »Moderne Zeiten« (Smile). Als Zugabe bot Orchestermitglied Gerd Schiebel noch einen besonderen Leckerbissen. Begleitet vom Streichorchester präsentierte er das Schreibmaschinen-Solo aus dem Jerry Lewis-Klassiker »Der Ladenhüter«. Den »Typewriter« von Leroy Anderson bot er auf einer »echten« klassischen Schreibmaschine. Und hier saß jeder Anschlag geradezu perfekt.

Geigerin Charys Schuler beeindruckt als Solistin. »Gabriels Oboe« von Ennio Morricone spielt Michael Höfele.



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