07. April 2018, 12:10 Uhr

Angebot im Schloss

»Lass uns tanzen gehen«

Kaum spielt die Musik, beginnen die Füße, sich über die Tanzfläche zu bewegen. Erinnerungen an die erste Tanzstunde werden wach. Fast wie damals schlagen die Herzen höher.
07. April 2018, 12:10 Uhr
Viel Freude beschert der neue Senioren-Tanzkreis im Rittersaal des Ober-Mörler Schlosses. Tanzlehrer Franz Theuerl legt gute Musik auf und Einfühlungsvermögen an den Tag.

In Ober-Mörlen werden Senioren wieder jung, wenn Franz Theuerl den Tanzkreis im Rittersaal in Schwung bringt.

Die Sonne lacht in den Rittersaal. Flotte Musik erfüllt den Raum. Im großen Kreis fassen sich Menschen an den Händen und bewegen sich im Rhythmus der Musik. »Tepp, zwo, drei, vier« sagt Franz Theuerl an und lobt seine Schüler. Ringsum schaut der Tanzlehrer in strahlende Gesichter. Rund 30 Frauen und Männer sind an diesem Donnerstagnachmittag zu einer gelungenen Premiere zusammengekommen: »Komm, lass uns tanzen gehen« heißt das Motto des neuen Tanzkreises für Senioren, und alle sind begeistert bei der Sache.

»Wir haben vorher noch nie einen Tanzkurs zusammen gemacht«, erzählen Eveline und Oswald Klein während einer kurzen Getränke-Pause. Dem sportlichen 91-Jährigen und seiner Frau macht die Bewegung zur Musik sichtlich Freude. »Wir werden zu Hause weiterüben«, nehmen sich die beiden vor, die sich erst vor wenigen Jahren bei der örtlichen Arbeiterwohlfahrt kennen- und liebenlernten.

Für dementiell Erkrankte geeignet

Auch andere Ehepaare genießen die heitere Stimmung beim ersten Senioren-Tanzkreis im Ober-Mörler Schloss. Eine Dame lässt sich von ihrem Sohn übers Parkett führen, und auch bei den rein weiblichen Tanzpaaren haben die »männlichen« Parts die ungewohnten Schritte bald drauf.

Die Musik, die Tanzlehrer Theuerl mitgebracht hat, geht gleich ins Blut. Mit viel Einfühlungsvermögen und Charme zeigt Theuerl den Tänzern kleine Schrittfolgen. Erst im großen Kreis, dann in zwei sich gegenüberstehenden Kreisen und schließlich paarweise probieren alle das rhythmische Miteinander. Die einen sind noch in Paartanz-Übung, bei anderen erwachen Erinnerungen, und wieder andere lassen sich an den Händen einer Betreuerin tragen vom Wohlgefühl.

Franz Theuerl ist seit vielen Jahren mit Leib und Seele Tanzlehrer und Tanzsporttrainer. Sieben Tage die Woche unterrichtet der mehrfache Hessenmeister Jugendliche und Erwachsene im Paartanz, leitet Turnier- und Formationstraining und gibt Hochzeits-, Rock’n’Roll-, Tango- oder Mambokurse. Dass Theuerl jetzt auch Seniorenkurse leitet, hat mit seiner Erfahrung mit einer dementiellen Erkrankung in der Familie zu tun. Die betagte Angehörige sei beim Tanzen regelrecht aufgeblüht, erzählt Theuerl, mit dem Tanzen habe er ihr tiefe Freude bereiten können.

Nun führte ein Glücksfall die rührige Ober-Mörler AWO mit dem Tanzlehrer zusammen. Seit Jahren kümmert sich der Verein insbesondere um ältere Bürger und dementiell erkrankte Menschen, auch ein Bewegungsangebot mit der Friedberger Entspannungspädagogin Barbara König-Guba gibt es schon. »Die Mischung aus Musik und Bewegung macht Freude und weckt Erinnerungen«, berichtet AWO-Vorsitzende Waltraud Neisel. Für den Moment fühlten sich die Menschen wieder jung und unbeschwert. »Wer tanzt und lacht, tut etwas für seine Gesundheit und sein Wohlbefinden, egal in welchem Alter.«

Der langgehegte Traum vom Tanzkreis für Menschen im fortgeschrittenen Alter und für Menschen mit Demenz wurde wahr, nachdem die Ober-Mörler Karin und Peter Scherer den Kontakt zu ihrem langjährigen Tanzlehrer in Butzbach hergestellt hatten. Eigentlich sei sein Stundenplan randvoll, betont Theuerl, in diesem Fall könne er eine Ausnahme machen. Auch die Finanzierung vom monatlichen Tanzkreis konnte die AWO klären. »Wir danken der Gemeinde für ihre Unterstützung«, berichtet Neisel, dass das Parlament dem Ansinnen zugestimmt habe und auch der örtliche Kulturkreis und der Turnverein ins Boot stiegen. »So konnten wir den Tanzkreis für die nächsten Monate auf sichere Füße stellen«, ist Neisel froh. Die Zusammensetzung der Gruppe ändere sich vermutlich von Mal zu Mal, darauf sei er eingestellt, freut sich auch Franz Theuerl auf die Fortsetzung des Projekts. Den Koffer voll Musik hat er immer gepackt. (Foto: hau)

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