01. März 2018, 16:00 Uhr

Spende

Laptops fürs Lernen

Die Freude ist groß bei 40 Geflüchteten: Sie haben je einen Laptop erhalten. Gespendet wurden die gebrauchten Rechner von Fraport, dort sind sie ausrangiert.
01. März 2018, 16:00 Uhr
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Von Jürgen W. Niehoff
Der Eriträer Madia Futsum ist einer der ersten, die einen Laptop erhalten hat. Um ihn zu bekommen, muss er sein B1-Sprach Zertifikat vorweisen. Nagihan Akyüz (l.) und Heike Diebel organisieren die Übergabe. (Foto: jwn)

Strahlende Gesichter im Haus der Begegnung. 40 Flüchtlinge haben je einen Laptop als Starthilfe ins neue Leben erhalten. Die Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport hat die Geräte gespendet. 40 ausrangierte, aber immer gut erhaltene Laptops mit Zubehör im Werte von etwa 150 Euro je Gerät sind am Montagnachmittag säuberlich in Kisten verpackt in Bad Vilbel angekommen.

Bestimmt sind sie für Flüchtlinge. Diese erhalten die Elektronikgeräte zwar kostenlos, jedoch müssen sie zuvor mit Vorlage des sogenannten B-1-Zertifikats die Teilnahme an einem fortgeschrittenen Deutschkurs nachweisen.

Renner gibt's  nur mit Sprachzertifikat

»B 1 steht für das Beherrschen der Umgangssprache. Sie müssen sich also selbstständig im Alltag verständigen können«, erklärt Nagihan Akyüz. Sie ist die Vorsitzende des Bad Vilbeler Vereins »Kulturoase« und ist durch einen Bekannten auf die Idee mit den Laptops gebracht worden. »Harkan arbeitet bei der Fraport und kam eines Tages mit der Nachricht zu mir: Die Fraport erneuert regelmäßig ihre Arbeitslaptops und spendet die alten Geräte gemeinnützigen Einrichtungen«, erzählt Akyüz. Da sie eine der Integrationslehrerinnen in Bad Vilbel ist, weiß sie, wo der Schuh drückt.

 

Fördern durch fordern

 

»Die Flüchtlinge leben meist in Gruppen und unterhalten sich deshalb auch meistens in ihrer Muttersprache. Mit einem Computer sind sie dann ganz schnell auf englischen oder deutschen Internetseiten und lernen so ganz automatisch die Fremdsprache schneller und besser«, erklärt sie den Hintergrund der Verteilaktion. Arbeitsdirektor Michael Müller von Fraport musste das nicht lang erklärt werden. Nach dem Motto »Fordern durch Fördern« unterstützt das Unternehmen schon lange derartige Aktionen. Nach Abnehmern für die Laptops musste Akyüz, eine gebürtige Türkin, nicht lange suchen, da der im Herbst 2015 gegründete Verein »Flüchtlingshilfe – Willkommen in Bad Vilbel« seine Treffen mit Flüchtlingen regelmäßig im Haus der Begegnung organisiert.

450 Geflüchtete leben in Bad Vilbel

Aktuell leben in Bad Vilbel etwa 450 Flüchtlinge und Asylsuchende. Ihre Integration die Gesellschaft zu fördern und ihnen das Einleben zu erleichtern, das hat sich der Verein zur Aufgabe gemacht. »Als Nagihan Akyüz mit der Idee an uns herangetreten ist, mussten wir gar nicht lange überlegen«, erinnert sich Heike Diebel. Sie gehört dem Vorstand des Flüchtlingshilfevereins an. Als sie die Nachricht mit den gespendeten Laptops in ihren Deutschkursen verbreitet, war die Liste der Anwärter schnell voll. »Ich brauche den Laptop ganz dringend, denn ich will im nächsten Semester mit meinem Studium beginnen«, erzählt Madia Futsum aus Eritrea. »Ich komme aus Syrien und habe da schon Mechatronik studiert. Ich brauche den Laptop, um mich im Internet auf den neuesten Stand der Forschung bringen zu können«, freut sich der 24jährige Jonas Bekele aus Damaskus. Akyüz hofft, dass dies nicht die letzte derartige Aktion ist. «Die Warteliste ist noch lang und sie wird länger, denn die meisten Flüchtlinge wissen, dass sie ohne Kenntnisse der deutschen Sprache kaum eine Chance auf einen Beruf haben. Und so ein Laptop kann dazu eine ganz große Hilfe sein«, sagt Diebel.



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