18. Oktober 2018, 14:00 Uhr

Direktkandidaten

Landtagswahl: CDU setzt in Wetterau auf Argumente statt Sprüche

Es wird spannend. In etwas mehr als einer Woche wählen die Hessen einen neuen Landtag. Die CDU will mit den Erfolgen der letzten fünf Jahre punkten, sagt Landtagspräsident Norbert Kartmann.
18. Oktober 2018, 14:00 Uhr
Mehr Investitionen im Wohnungsbau, boomende Wirtschaft, Rekordbeschäftigung: Hessen geht es gut, sagt Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU). (Foto: Nici Merz)

Die Umfragewerte? Norbert Kartmann winkt ab. »Wir sind in der Phase der Emotionen.« Die CDU habe am Wahltag schon oft die Prognosen überholt. »Das Wahlergebnis muss stimmen, nicht die Umfragen«, sagt der Landtagspräsident. Damit das so eintritt, müsse man die Erfolge der Landesregierung besser herausstellen, sagt Kartmann. »Hessen geht es gut, die Regierung läuft.« Das müsse man den Wählern vermitteln.

Seit 15 Jahren ist der Butzbacher Norbert Kartmann Landtagspräsident. Schlagzeilen hat der erste Mann im Land während dieser Zeit keine produziert. Für Schlagzeilen braucht es Skandale oder heftige Angriffe auf den politischen Kontrahenten. Damit kann Kartmann nicht dienen. Im Landtag ist der 69-Jährige nicht nur Dienstherr einer über 200-köpfigen Verwaltung, sondern auch der Mann für den Ausgleich. »Ich habe eine vermittelnde und ordnende Funktion.«

Wir vermitteln nicht die Erfolge

Norbert Kartmann

Das Problem mit den Schlagzeilen sei nur, dass sie die Debatten bestimmen, während die »guten Meldungen«, die Erfolge der hessischen Landesregierung, eher in einspaltigen Meldungen abgehandelt würden. Kartmann nennt als Beispiel die Lehrerversorgung an den Schulen. »Ich habe als einziger Direktkandidat alle Wetterauer Grundschulen besucht. Es gab dort nicht ein kritisches Wort über die Lehrerversorgung.« Der Unterrichtsausfall tendiere gegen Null. »Aber wir vermitteln nicht die Erfolge.«

So habe die Landesregierung dafür gesorgt, dass es an allen Grundschulen zusätzliche Stellen für die Schulsozialarbeit gebe. »700 Stellen wurden im Landtag beschlossen. Wir sind in den hessischen Schulen besser besetzt als die meisten Bundesländer. Und das wird auch finanziert.« Forderungen wie jene der Linken, eine Vermögenssteuer in Hessen einzuführen, seien gar nicht umsetzbar. »Ohne den Bund geht da gar nichts. Das ist ein Ausdruck von Sozialneid.«

Ein Thema, das vielen Menschen unter den Nägeln brennt, ist die Wohnraumversorgung. »Dafür hat die CDU-geführte Landesregierung sehr viel getan«, sagt Kartmann und nennt Zahlen und Fakten: »In unserer Regierungsverantwortung haben wir die Zahl der Wohnungen in Hessen deutlich von rund 2,65 Millionen auf über 3,05 Millionen und damit um 400 000 erhöht.« Mit dem »Masterplan Wohnen« stelle man 1,7 Milliarden Euro Fördermittel zur Verfügung, ein Rekord. Auch bei der Entwicklung von Bauflächen gehe es dank der »Baulandoffensive« voran. »Keine Landesregierung hat je so viel für den Wohnungsbau getan, wie wir es aktuell tun.«

 

Vor letzter Amtszeit

Der CDU-Politiker verweist auf die wirtschaftliche Entwicklung Hessens: »Wir haben eine boomende Wirtschaft, Rekordbeschäftigungszahlen und Rekordlöhne – deshalb kommen immer mehr Menschen aus dem In- und Ausland zu uns.«

Gutes Stichwort: »Wir schaffen das« – was denkt er über das berühmte Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel? »Ein schöner und guter Satz. Das ist mein Lebensmotto«, sagt Kartmann. »Auch 1946 kamen Menschen nach Hessen und suchten Zuflucht. Bei der Flüchtlingsbetreuung haben wir mehr geschafft, als wir dachten. Wir hatten noch Aufnahmeplätze in petto und konnten sogar Einrichtungen wieder schließen.«

Bei autoritären Staaten gehen bei mir die Krallen hoch

Norbert Kartmann

Zur AfD hat Kartmann eine klare Haltung: »Wer autoritär denkt, wird auch autoritär handeln. Die AfD ist undemokratisch. Wir tun alles dafür, dass sie so wenig Stimmen wie möglich erhält.« Seine Vorfahren stammten aus dem Ceausescu-Staat. »Bei autoritären Staaten gehen bei mir die Krallen hoch.«

Kartmann und die beiden weiteren CDU-Kandidaten im Wetteraukreis, Lucia Puttrich und Tobias Utter, gelten als klare Favoriten, wenn es darum geht, das Direktmandat zu holen. Für Kartmann wird es die letzte Amtszeit in Wiesbaden, den Posten als Landtagspräsident wird er abgeben. »Nicht leichten Herzens, aber Entzugserscheinungen habe ich keine.«

Info

Zwei weitere Kandidaten

Am 28. Oktober wählen die Hessen einen neuen Landtag. Die Wetterau ist aufgeteilt in die drei Wahlkreise 25 (Süden), 26 (Osten) und 27 (Nordwesten). Neben Norbert Kartmann (Butzbach, Wahlkreis 27) tritt die CDU-Kreisvorsitzende und Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten Lucia Puttrich (57, Nidda) im Wahlkreis 26 an. Puttrich setzt sich »für die Förderung der Lebensqualität im ländlichen Raum« ein.

Im Wahlkreis 25 tritt Tobias Utter (56, Bad Vilbel) an, der nach zwei Wahlsiegen wie seine Parteikollegen als Favorit gilt. »Die südliche Wetterau hat stark von den CDU-geführten Landesregierungen profitiert«, sagt Utter, der sich für den weiteren Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in der Wetterau ebenso einsetzen will wie für die regionale Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte.

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