23. Februar 2018, 11:00 Uhr

Landratswahl in der Wetterau

Landrats-Kandidat Weckler: Amt ist eine Frage der Verantwortung

Wer wird neuer Landrat der Wetterau? Am 4. März wird gewählt, dabei will Jan Weckler (CDU) die langjährige SPD-Tradition beenden und den Wahlsieg davontragen.
23. Februar 2018, 11:00 Uhr
wagner_jw
Von Jürgen Wagner
Seit Januar ist Jan Weckler kommissarischer Landrat. Am 4. März stellt sich der 46-Jährige zur Wahl, dann soll das »kommissarisch« aus dem Titel getilgt werden. (Foto: Wagner)

Im Jahr 1985 schied der letzte CDU-Landrat der Wetterau aus dem Amt. Dr. Sigurd Beyer hieß er. Die nächsten 33 Jahre gaben Sozialdemokraten im Kreishaus den Ton an: Erst Herbert Rüfer, dann Rolf Gnadl und zuletzt Joachim Arnold. Jan Weckler will ihnen im Amt folgen. Eine Einarbeitung wäre nicht nötig. Seit Januar ist der Erste Kreisbeigeordnete kommissarischer Landrat.

Revolutionen seien nicht seine Sache, sagt Jan Weckler. »Man kann, was sich bewährt hat, auf zeitgemäße Füße stellen. Aber Veränderungen um der Veränderung willen, halte ich nicht für sinnvoll.« Weckler ist eher der Mann der stetigen Entwicklung. Einen knochentrockenen Konservativen stellt man sich ohnehin anders vor. Wer den CDU-Landratskandidaten am Wahlstand trifft, ihn im Kreistag beobachtet oder beim persönlichen Gespräch, erlebt einen aufgeschlossenen und freundlichen Menschen, der zuhören kann und die Probleme der Menschen »sehr ernst« nimmt, wie er selbst sagt.

Ober-Mörler Bub

»Aber was sagen Begegnungen am Wahlstand schon aus?«, fragt Weckler und erinnert daran, dass die Politik immer mehr Menschen nicht mehr erreicht. Menschen, die einen Bogen um Wahlstände machen. Das zeigen die niedrigen Wahlbeteiligungen bei Landratswahlen. »Über 30 Prozent wäre ein Erfolg.« Gewinnen, sagt Weckler, werde folglich, wer es schafft, seine Klientel zu den Wahlurnen zu bewegen.

Jan Weckler ist ein Ober-Mörler Bub. Hier ist er aufgewachsen, hier lebt der 46-Jährige mit seiner Frau und den beiden Töchtern. »In einem Mehrgenerationenhaus zusammen mit den Schwiegereltern«, verrät er. Der Großvater baute nach dem Krieg die örtliche CDU auf, der Onkel war ebenfalls politisch aktiv und er bald Mitglied der Jungen Union. »Wir haben Abenteuerspielplätze gebaut und Hockeyturniere veranstaltet.« CDU-Mitglied wurde er nach der verlorenen Landtagswahl 1995, als er mit der Schulpolitik der SPD nicht einverstanden war. Bildungspolitik ist seither sein Schwerpunkt.

Vom Schulamt in die Politik

Weckler war Gymnasiallehrer, Mitarbeiter in der Hessischen Staatskanzlei, im Kultusministerium und in der Lehrkräfteakademie »Institut für Qualitätsentwicklung«, danach Leitender Schulamtsdirektor in Friedberg, Leiter des Staatlichen Schulamtes in Frankfurt und ist seit Oktober 2016 Erster Kreisbeigeordneter. Außerdem ist er Beisitzer im Kreisvorstand der CDU und war lange Jahre im Ober-Mörler Gemeindeparlament aktiv, zuletzt als Fraktionsvorsitzender.

Wer diese Stationen betrachtet, kommt schnell auf den Gedanken, Wecklers politische Karriere sei vorgezeichnet gewesen. Nein, sagt er, er habe nicht langfristig auf den Posten als Landrat hingearbeitet. »Das kam alles mit der Zeit. Man rutscht da so rein.« Er habe auch bis Ende letzten Jahres nicht gewusst, dass Landrat Arnold zur Ovag wechselt. »Ich dachte, ich trete 2020 gegen ihn an.«

Was ihn antreibt, sei das innere Pflichtgefühl, Verantwortung zu übernehmen. Weckler: »Parteien und Vereine haben Nachwuchsprobleme. Wo kommen wir hin, wenn keiner Verantwortung übernimmt?« Die CDU sei ihm in die Wiege gelegt worden, aber er sei »auch nicht mit allem hundertprozentig einverstanden. Ich bin in die CDU eingetreten, weil ich etwas in der Partei bewegen will.«

Mehr Öko-Betriebe

Die Opposition im Kreitag kritisiert, Weckler und seine Kollegin Stephanie Becker-Bösch von der SPD würden Wahlkampf auf Kosten der Bürger machen und die Pressestelle des Kreishauses über Gebühr in Anspruch nehmen. Da sei nichts dran, sagt er. Er habe als Schuldezernent fast alle Schulen im Kreis besucht, um die dortigen Probleme zu erfahren. »Das gehört zu meinem Job.« Und die Zahl der Pressemeldungen sei auch nicht höher als sonst. »Das ist statistisch nachweisbar.«

Bildung ist bei Weckler »Chefsache«. Die Schulsozialarbeit habe der Kreis auf den Weg gebracht, die Ganztagsangebote an den Schulen müssten weiter ausgebaut werden. »Wir erwarten 30 000 mehr Menschen und über 700 Schüler pro Jahrgang.« An 24 Schulstandorten sind An- und teilweise auch Neubauten vorgesehen. Weckler strebt ein »gesundes Gleichgewicht zwischen Ökonomie und Ökologie« an, will Wirtschaft und Landschaft zusammendenken. Von 1000 Landwirtschaftsbetrieben in der Wetterau arbeiten bislang 50 biologisch. »Das könnten ein paar mehr sein.« Aber beides werde gebraucht, betont der CDU-Kandidat. Die Vielfalt sei es, die den Wetteraukreis ausmache und die er erhalten wolle.

 

 

Infobox

Wahlkampftermine

Sein Wahlprogramm und seine Ideen präsentiert der CDU-Kandidat auf der Internetseite www.jan-weckler.de. Von seinen Aktivitäten im Wahlkampf berichtet er auch auf seiner Facebook-Seite. An den letzten beiden Wochenenden steht auch beim CDU-Kandidaten Straßenwahlkampf in verschiedenen Wetterauer Städten und Gemeinden auf dem Programm. Am 26. Februar findet eine öffentliche Diskussion der vier Landratskandidaten im Bürgerhaus Ortenberg statt, am 27. Februar (19 Uhr) folgt im Alten Hallenbad in Friedberg eine Podiumsdiskussion zum Thema »Wetterau im Wandel«. (jw) (jw)



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos