30. September 2019, 20:38 Uhr

Kunst auf 8000 Einzelblättern

30. September 2019, 20:38 Uhr
Bei längerem Betrachten erschließt sich vieles, was der Künstler Horst Haack ausdrücken möchte. (Foto: cor)

Eine beeindruckende Installation mit 4680 Einzelwerken, Werke zum Thema der Apokalypse nach der Offenbarung des Johannes und eine »Nachricht aus dem Toten Trakt«, gleich drei Zyklen des Künstlers Horst Haack stehen im Mittelpunkt der Ausstellung »Kronografie Zweitausend«, die am Freitag in der städtischen Galerie der Trinkkuranlage eröffnet wurde. »Arbeiten, die sowohl in inhaltlicher als auch in technischer Hinsicht extrem vielseitig und komplex sind«, so der Erste Stadtrat Peter Krank, der von städtischer Seite die Eröffnung der Ausstellung vornahm.

Nicht nur der Erste Stadtrat war da gespannt auf die Einführungsworte von Dr. Roland Held. Der Journalist und Kunstkritiker erläuterte den Anwesenden interessante Details zur Vorgehensweise des Künstlers, der in dem 1981 begonnenen Hauptwerk »Chronographie Terrestre (Work in Progress)« seine Wahrnehmungen und Empfindungen zum Ausdruck bringt. Permanent seien die Menschen Informationen und Reizüberflutungen ausgesetzt. »Was machen diese mit uns? Was richten sie in den Köpfen an?«, so Held. Horst Haack begann vor fast 40 Jahren, seine Wahrnehmungen in einer Art Tagebuch festzuhalten. Er hielt Augen und Ohren offen, fertigte täglich ein DIN-A5-Blatt mit gezeichneten Bildern und Schriften an. Hinzukamen Collagen mit weiteren Materialien. Das daraus entstandene Konvolut ist zugleich ein Projekt künstlerischer Selbst- und Weltreflexion. »8000 Einzelblätter, vier Dekaden«, so der Journalist. In der Kunstgalerie sei davon nur ein Auszug zu sehen, der aber zugleich einen Bogen spanne, vom Beginn bis in die heutige Zeit. Die Installation bildet das Kernstück der Ausstellung, aus drei ineinandergestellten Kuben in labyrinthischer Anordnung. Beeindruckt zeigten sich die Besucher aber auch von dem zweiten Werk, der Apokalypse. Das Werk nimmt den entsprechenden Bibeltext zum Ausgangspunkt und gestaltet die sich daraus entwickelnden Wechselbeziehungen. In der Realisation dieser Arbeit folgt der Künstler in enger Beziehung des charakteristischen Eigenschaften des Originaltextes. Die Wirkung der Simultanität und Analogie wird durch eine besondere Technik verstärkt, die aus der gegenseitigen Durchdringung von Text und Bild herrührt. Bedenkt man die geschichtlichen, kulturellen und interpretatorischen Welten, die eine Niederschrift der Offenbarung des Johannes von der biblischen Umsetzung zeitlich trennen, so zeigt sich, dass die aktuelle Bearbeitung dieses sehr alten Textes ihn in einem gänzlich neuen Licht erscheinen lässt.

Aus dem Toten Trakt

Auf zehn großen Tafeln zeigt die Ausstellung als drittes Werk die »Nachricht aus dem Toten Trakt«, in dem sich der Künstler mit einem Brief aus der Haft von Ulrike Meinhof befasst hat. Geschildert werden die äußeren Bedingungen und inneren Auswirkungen der Haft, die Gefühle der Isolation. Dass Horst Haack aus seinen zahlreichen Zyklen gerade diese drei Werke ausgewählt hat, deren Grundstimmung von Leere, Düsternis, Unheil und Hoffnungslosigkeit gekennzeichnet sind, belegt seine künstlerische und gedankliche Absicht. Er möchte einen nonkonformistischen Appell an den Betrachter richten, die Welt wachsam aufzunehmen und kritisch zu reflektieren.

Die Ausstellung kann bis zum 3. November besucht werden. Geöffnet hat die Galerie der Trinkkuranlage dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.

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