18. Februar 2019, 08:00 Uhr

Infoveranstaltung

Kulturbahnhof: Konzept stößt auf große Zustimmung

Vom »großen Potenzial« des Bad Nauheimer Bahnhofs war am Samstag oft die Rede. Ob dieses Potenzial genutzt wird, um das Jugendstilgebäude für die Kultur zu öffnen, ist eine andere Frage.
18. Februar 2019, 08:00 Uhr
Viele Bad Nauheimer schätzen die ehemalige Bahnhofsgaststätte samt ihren zahlreichen Nebenräumen als idealen Theater- und Kleinkunst-Standort ein. Der Magistrat hält bislang aber an seinen Neubauplänen im Sprudelhof fest. (Foto: Nici Merz)

Die Freien Wähler haben vor Wochen das Thema Kulturbahnhof für sich entdeckt. Der UWG-Vorschlag: Statt den Behälterraum des Badehauses 3 im Sprudelhof durch eine teuren Neubau zu ersetzen, um eine neue Spielstätte für Kleinkunst und das Theater Alte Feuerwache zu schaffen, könnte die seit Jahrzehnten geschlossene frühere Bahnhofsgaststätte diesem Zweck dienen. In der Bevölkerung wird darüber eifrig diskutiert, die Idee stößt auf viel Zustimmung, wie sich auch bei einer Informationsveranstaltung der Freien Wähler am Samstag im Bahnhof zeigte.

Eine positive Stimme von vielen stammt von Jürgen Michel. Er ist ein Mann vom Fach, hat er doch mit anderen Bürgern des Rosendorfs vor zwei Jahren das »Theater in Steinfurth« etabliert. »Der Kulturbahnhof ist eine tolle und hochinteressante Idee. Aus den Räumlichkeiten lässt sich richtig etwas machen«, sagt Michel.

Diese Ansicht teilt der Eigentümer des Jugendstil-Gebäudes, Dr. Christian Zschocke. Der Bahnhof sei perfekt geeignet, um eine Spielstätte zu etablieren. Der Anwalt hat das Frankfurter Architekturbüro Mäckler mit einer Entwurfsplanung beauftragt. In der früheren Gaststätte sieht das Konzept knapp 130 Sitzplätze und eine Bühne vor. In den übrigen Räumen – insgesamt beträgt die Nutzfläche rund 500 Quadratmeter – sind Foyer, Kasse, Garderobe, Umkleide, Lager, Getränkeausschank, Büro und Toiletten vorgesehen. Auch einen Keller gibt es.

 

Magistrat hält an Neubau fest

Zahlreiche Bürger machen sich ein Bild von  den großen Nebenräumen.
Zahlreiche Bürger machen sich ein Bild von den großen Nebenräumen.

UWG-Fraktionschef Markus Theis nennt weitere Vorteile gegenüber einem Neubau: großes Parkplatz-Angebot, gute Nahverkehrsanbindung, sofortige Verfügbarkeit. »2020 könnte der Kulturbahnhof eingeweiht werden.« Theis zeigt sich verwundert über die Beschlussvorlage für die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am kommenden Donnerstag, in der es unter anderem um die Frage der neuen Spielstätte geht.

Darin spricht sich die Verwaltung dafür aus, am bisherigen Plan festzuhalten und im Sprudelhof neu zu bauen. Die Räume im Bahnhof böten zu wenig Platz für Besucher, Lager und Garderoben. Weiteres Argument: Der Lärm des Zugverkehrs störe den Kulturbetrieb.

Tatsächlich sind durchfahrende Züge in der früheren Gaststätte deutlich zu hören. Ein Problem, das sich bei der Sanierung des Saals aber durch moderne Lärmschutz-Techniken vermutlich beheben ließe. Von einem Mangel an ausreichend großen Nebenräumen kann laut Zschocke und Theis nicht die Rede sein. Der UWG-Fraktionsvorsitzende kritisiert die Beschlussvorlage für den Ausschuss auch deshalb, weil sie keinen Kostenvergleich enthält.

 

Krank offen für andere Ideen

Für den Neubau im Sprudelhof werden die Investitionskosten auf 2,4 Millionen Euro geschätzt, nach UWG-Auffassung deutlich zu niedrig. Zudem müssten weitere Räume in Badehäusern angemietet werden. Für den Bahnhof wird gerüchteweise eine Quadratmetermiete von 7,50 Euro genannt, der Eigentümer wollte nicht sagen, ob er diesen Preis akzeptieren würde. »Pro Jahr hätten wir Kosten von höchstens 100 000 Euro«, meint Theis.

Bürgermeister Klaus Kreß und Erster Stadtrat Peter Krank, die am Samstag ebenfalls anwesend waren, halten sich bislang bedeckt. Sie bescheinigen dem Bahnhof ebenfalls großes Potenzial, Krank will aber die bisherige Beschlusslage weiterverfolgen. »Das Parlament hat sich für den Neubau ausgesprochen.« Er sei offen für andere Ideen. Die Politik könne der Verwaltung ja einen Planungsauftrag für zwei Varianten erteilen: Neubau im Sprudelhof oder Kulturbahnhof.

WZ-Informationen zufolge gibt es auch im Rathaus unterschiedliche Auffassungen. Demnach soll der Fachbereich 5 (Kultur) dafür plädieren, hinter dem Badehaus 3 einen Spielstätten-Neubau zu errichten, der Fachbereich 2 (Stadtentwicklung) favorisiere dagegen den Kulturbahnhof.

 

Info

Vorentscheidung im Ausschuss?

Kulturbahnhof oder Neubau einer Spielstätte im Sprudelhof? Eine Vorentscheidung könnte in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses fallen, die am Donnerstag, 21. Februar (19.30 Uhr), im Rathaus beginnt. Der Magistrat will im Badehaus 3 ein Kulturzentrum mit Jugendstilzentrum, Stadtbücherei und Spielstätte schaffen. In der Beschlussvorlage werden die zwei potenziellen Standorte für die Spielstätte verglichen, das Ergebnis spricht nach Ansicht des Magistrats für den Sprudelhof. Kritik der UWG: Kosten werden nicht beziffert. Das ist laut Erstem Stadtrat Peter Krank erst nach Abschluss der Planung möglich. Er möchte von der Politik einen Planungsauftrag fürs Kulturzentrum. 

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