04. Mai 2018, 18:00 Uhr

Disko-Serie

Kuh-Party und Single-Sonntag im Fun

Die Discokugeln glitzern, getanzt wird zu Charts und Schlager, auf dem Parkplatz stehen ein Dutzend Kühe in Anhängern: Bis auf die Rinder ein klassischer Abend im Fun in Nieder-Mockstadt.
04. Mai 2018, 18:00 Uhr
Von 1998 bis 2017 tanzen im Fun an fünf Abenden die Woche Jung und Alt zu Charts, Hip-Hop und Schlagern. Los geht es meist mit Freestyle. »Dann war die Tanzfläche ruckzuck voll«, erinnert sich Disco-Besitzer Helmut Peter. Gefeiert werden Mottopartys, aber auch etliche Stars treten auf, etwa Michael Wendler oder Mickie Krause. Auch der Single-Abend am Sonntag kommt gut an. (Fotos: Archiv)

Wetterauer Diskos

In den 70er und 80er boomten Diskotheken. Viele der legendären Tanztempel gibt es längst nicht mehr. In unserer Serie öffnen wir noch einmal die Türen.

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Chaotisch sei es gewesen. Und sehr voll. »Das Fun wurde zu 100 Prozent angenommen«, erinnert sich der frühere Disco-Besitzer Helmut Peter an den Eröffnungsabend im März 1998. Die Schlange vor der schwarzen Halle im Nieder-Mockstädter Gewerbegebiet war entsprechend lang.

19 Jahre wurde im Fun, das später den Namen Floors bekam, getanzt. Nicht nur Wetterauer kamen, sondern auch Feierlustige aus dem Gelnhäuser und Hanauer Raum. »Der Standort war gut, direkt an der Autobahn«, sagt Peter, der das Fun mit seinen Brüdern Werner und Manfred aufzog. Noch heute ist der 60-Jährige Discobetreiber; ihm gehört das Agostea in Gründau-Lieblos. Das Konzept des Tanztempels ging auf: Im Fun tanzte man zu Techno, Charts und Hip-Hop; im Lollipop – dem Tanzcafé nebenan – zu Schlagern und Discofox. Im Durchlauf passten 1000 Besucher pro Abend in die Disco.

 

Freestyle und »Fantasy Girl«

»Wir hatten fünf Tage die Woche auf«, erinnert sich Peter. »Dienstags war die Schlagernacht. Donnerstags gab es das Bier für 1 Mark. Freitags war Ladies’ Night, Frauen mussten keinen Eintritt zahlen und hatten ein Freigetränk. Samstags war das Motto ›Saturday-Night-Fever‹ und sonntags war Single-Night.« Damals, in der Zeit vor Dating-Plattformen wie Parship und Tinder, lief das so: Wer wollte, bekam beim Einlass ein Ansteckherz mit einer Nummer darauf. In der Disco wurden vorgefertigte Zettel verteilt, darauf konnte man ankreuzen, wenn man jemanden kennenlernen wollte. Die Briefchen bekam der DJ, der regelmäßig ausrief, welche Nummer Post bekommen hatte. Hunderte, wenn nicht Tausende Liebeleien begannen im Fun.

Auch Melanie aus Glauburg lernte 1999 im Fun ihren damaligen Freund kennen. Melanie war 23 Jahre alt. »Das Fun war meine Stammdisco.« Sie trug zum Feiern oft Bluse und eine feine schwarze Hose, bei den Männern waren karierte Hemden angesagt. »Buffalos waren damals in.« Sie habe im Lollipop zu Wolfgang Petry und Andrea Berg getanzt – »und Freestyle«.

 

Michael Wendler tritt auf, Mickie Krause auch

Überhaupt: Der Gruppentanz Freestyle. Es war DER Tanz im Fun. »Spätestens um 21.30 Uhr lief das erste Freestyle-Lied«, sagt Helmut Peter. Also beispielsweise »Fantasy Girl« von Johnny O. »Die Tanzfläche war dann ruckzuck voll.«

Voll war es auch, wenn Stars aus der Schlagerbranche auftraten. Matthias Carras war da, Mickie Krause auch, und Michael »Sie liebt den DJ« Wendler. Peter erinnert sich außerdem an die Kuh-Party. »Die müsste 1999 gewesen sein. Es war eine tolle Veranstaltung: Wir hatten dazu aufgerufen, eine Kuh mitzubringen. Wer das macht, bekommt eine Drei-Liter-Flasche Asbach. Plötzlich standen 15 bis 18 Kühe in Anhängern vor dem Fun, so viele Asbach-Flaschen hatten wir gar nicht da. Das war der Wahnsinn.« Eine Folgeveranstaltung gab es allerdings nicht, das Veterinäramt sprach ein Verbot aus. »Es ging um Ansteckung oder so«, erinnert sich Peter dunkel.

 

23-Jähriger vor Disco erstochen

Weitere Highlights: Die Coca-Cola-Weihnachts-Trucks kamen. »Da ist der Verkehr fast zusammengebrochen.« Ein anderes Mal wurde ein Bungee-Turm auf dem Parkplatz aufgebaut. Aber nicht nur Schönes passierte im Fun: In der Nacht vom 23. Juli 2001 wurde vor der Disco ein 23-jähriger Florstädter erstochen. Er war zuvor mit einem 19-Jährigen in Streit geraten. »Das war ein sehr tragischer Vorfall«, sagt Peter.

Auch Melanie erinnert sich »vom Hörensagen daran. »Furchtbar«, sagt sie. Dennoch: Die schönen Erinnerungen überwiegen, wenn sie an die Zeit Ende der 1990er Jahre zurückdenkt. »Einmal bin ich um 5 Uhr aus dem Fun raus, um 6 Uhr ging mein Zug auf die Arbeit nach Frankfurt. Ich habe ihn sogar bekommen, bin aber eingeschlafen und habe die Haltestelle verpasst«, erzählt sie lachend. Oder: »Oft bin ich nach dem Tanzen noch zum Frühstücken zu McDonalds nebenan.«

 

Keine Smartphone-Dokumentation

Melanie sagt: »Damals war irgendwie alles entspannter. Wenn man gefeiert und einen über den Durst getrunken hat, war das halt so. Das wurde nicht gleich mit dem Smartphone dokumentiert und man brauchte keine Angst haben, dass es am nächsten Tag im Internet steht. Selbst die Männer waren damals entspannter.« Sie findet: »Es war einfach eine geile Zeit.«

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