08. Mai 2019, 19:36 Uhr

Krumme Karotten im Korb

08. Mai 2019, 19:36 Uhr
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Von Ottwin Storck

»Viele Menschen an vielen Orten können das Gesicht der Welt verändern.« Unter diesem Motto stand am Sonntag der zweite Nachhaltigkeitstag in der Hofreite von Annette Wolf. Die gut besuchte Veranstaltung in der Hauptstraße ermöglichte einen Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten eines nachhaltigen Lebens und Wirtschaftens.

Eine ganze Reihe von Firmen, Betrieben und Einzelpersonen stellte sich vor. Dazu gehörte der im Ort ansässige Tegut-Markt, der damit wirbt, seine Produkte ökologisch und ortsnah produzieren zu lassen. Die örtliche Pizzeria Isoletta präsentierte ihre Gemüsepizza: Für diese würden im Vergleich zu einer Pizza mit Wurst und Käse weniger Ressourcen verbraucht. Spargel-Hofmann aus Södel bot Suppe an und eine junge Imkerin aus Melbach verkaufte Honig.

Kosmetik selbst machen

Von Rosenbauer Werner Ruf in Steinfurth gab es Sirup und Marmelade. Wilfried Stranz aus Münzenberg bot Brot aus den alten Getreidesorten Dinkel und Emmer an. »Biohopper« aus Ossenheim hatte Aufstriche der verschiedensten Art im Angebot. Des Weiteren präsentierte sich der Hauslieferservice von »Querbeet« aus Beienheim.

In Wallernhausen und Dorheim gibt es die Initiative »Solidarische Landwirtschaft - Bunter Acker«. Ulrike Fleischer vom Projekt in Wallernhausen, die mit Antonia Rehhahn die dortige Initiatorin war, erläuterte die Idee. Jeder könne sich mit einem gewissen Geldbetrag einbringen. Der »Bunte Acker« in dem Niddaer Stadtteil habe Gärtner angestellt, die auf rund einem Hektar insgesamt 25 verschiedene Kulturen anbauen und diese für die Mitglieder ernten. Fleischer: »Wir bekommen zu den verschiedensten Jahreszeiten jeweils frisches Gemüse und Obst und im Herbst auch einzulagernde Produkte für den Winter.« Für sie liegt der Vorteil eines gesunden Anbaus und kurzer Wege zu den Verbrauchern und Miteigentümern nahe: »Frischer und damit auch gesünder geht es nicht. Natürlich kommen bei uns auch beispielsweise krumme Karotten in den Korb, die ansonsten für die Märkte vorzeitig als nicht marktfähig aussortiert werden.«

Auch Slow Food von »Hessen à la carte« des HR war in Wölfersheim vertreten, ebenfalls die Saatgut AG Bingenheim, der NABU Wölfersheim, der BUND und der Verein Wetteraussicht/Umsonstladen aus Bingenheim. Selbstgenähte Kleidungsstücke, Wachstücher als alternative Folien, selbstproduzierte Kosmetika und ätherische Öle gehörten ebenso zur Palette wie der Hinweis auf Probleme mit Mobilfunkstrahlung, der sich eine Gesundheitsberatung anschloss.

Die Gemeinwohl-Ökonomie zeigte alternative Wirtschaftsmodelle im globalen Bereich auf. Hier wurden die Werte Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit und demokratische Mitbestimmung hervorgehoben. Von der großen Welt ins kleine Detail vor der Haustür: In Wölfersheim wurde auch der Vorteil von Naturgärten als ökologische Nischen für Kleintiere gegenüber reinem Stein aufgezeigt.

Sehnsucht nach Werten

Die Wohnbacherin Britta Böcher, selbst Halterin von verschiedenen Tieren, betonte die Notwendigkeit der Rückbesinnung und argumentierte: »Menschen ziehen von der Stadt auf unsere Dörfer. Dann versiegeln sie ihr Außengelände, beschweren sich, wenn ein Hahn kräht, ein Schaf zu laut blökt oder ein Kuhfladen auf der Straße liegt. Dagegen sind Glasscherben etwas ganz Normales.« Sie sehne sich nach den Werten, die ihr als Kind von ihrer Oma vermittelt worden seien. Dazu gehöre ein Miteinander im Ort, das auch von verschiedenen Neubürgern gesucht werde. »Wir sollten der jungen Generation diese Werte vermitteln. Das fördert die notwendige Nachhaltigkeit im Kleinen und im Großen. Anregungen dazu gibt es hier viele«, lobte Böcher das Angebot vor Ort.

Des Weiteren wurden während der siebenstündigen Veranstaltung Impulsvorträge über Yoga für den Alltag, kinderleicht plastikfrei leben, ressourcenorientierte Berufswahl und viele weitere Themen gehalten.



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