21. Oktober 2019, 17:00 Uhr

Trockenheit und Käfer

Krasse Gegensätze zeigen sich auch in Niddatals Wald

Bei einer Waldbegehung in Niddatal haben sich krasse Gegensätze gezeigt. Trockenheit und Käfer haben massive Schäden angerichtet. Doch der Förster hat noch Hoffnung.
21. Oktober 2019, 17:00 Uhr
Förster Helmut Link führt durch den Wald - und zeigt die Macht des Borkenkäfers.

Revierförster Helmut Link hat während der Begehung durch den Niddataler Wald starke Kontraste gezeigt, zum Beispiel bei den Eichen: einerseits schöne alte Bäume an wasserbetonten Stellen, andererseits Exemplare, die stark geschädigt sind.

In einer Abteilung an einem feuchten Standort gingen zahlreiche Festmeter Buche durch Windwurf verloren. Die Rinden schälen ab und verfilzen. Dieses sogenannte Kalamitätsholz muss verarbeitet werden. Dadurch sinkt der Preis, der Deckungsgrad ist entsprechend bescheiden. In der Nachbarabteilung hingegen gedeihen grüne Bäume. Die Gründe für den auffälligen Unterschied lassen sich nicht immer klären. Förster Link verwies darauf, dass Licht und Wind jeweils eine verschiedene Rolle spielten.

Keine Fichten mehr

Zur Waldbegehung der Stadt Niddatal und »Hessen Forst« trafen sich am Samstag rund 30 Teilnehmer am Waldeingang bei der Erbstädter Wiese. Bürgermeister Dr. Bernhard Hertel dankte Link für seine Bereitschaft, denn »die meisten von uns können sich die Schäden nicht vorstellen«. Am Ende der aufschlussreichen Führung bemühte sich der Förster um Hoffnung: »Es geht weiter, aber wir wissen nicht, wie.« Hertel schloss sich an und meinte, es sei wichtig zu sehen, wo wir stehen und wo Ansätze zur Verbesserung sind. Beide betonten, es komme darauf an, »ein Zeichen zu setzen«.

Link machte anschaulich, was Nachhaltigkeit bedeutet. Denn einige Buchenabteilungen werden reihum gepflegt. Dünne Stämme werden als Brennholz herausgeholt, damit die übrigen Bäume dicker werden. Durch diesen Wechsel entsteht Kontinuität. Der Betrachter merke über die Jahre, dass sich etwas ändere. Link fasste zusammen: »So soll Wald sein.«

Die Gegensätze im Wald sind momentan krass. Der Revierförster führte die Gruppe zu Fichten, die für den Einschlag vorgesehen waren, aber dem Buchdrucker - einer Käferart aus der Unterfamilie der Borkenkäfer - zum Opfer fielen. Dieser setze sich durch, wo es zu trocken sei.

»Altehrwürdige Mittel« helfen nicht

Link bedauerte: »Bäume, die jahrelang gepflegt wurden, sind nun auf einen Schlag verschwunden, und ein Loch ist entstanden.« Zwar würden neue Bäume gesetzt, aber gewiss keine Fichten. Denn »Fichten werden nicht mehr gepflanzt, Buchen mit Zurückhaltung«. Für Fichten blieben somit nur wenige Standorte in Hessen.

Es stelle sich die Frage, was zu tun sei. Zerstörte Bäume einzuzäunen, wäre teuer. Überlasse man alles sich selbst, dann kämen Birken und Brombeeren auf. Freiwilligengruppen seien nur bedingt einsetzbar. Das Fazit falle desolat aus: »Altehrwürdige Mittel« würden nicht helfen, doch für Experimente bleibe angesichts der Geschwindigkeit der Klimaveränderungen und der Langsamkeit des Wachsens keine Zeit. Eschen leiden laut Förster Link unter dem Eschentriebsterben, zahlreiche Ulmen wurden vom Ulmensplintkäfer zerstört, die Fichten und Lärchen sind gerade an der Reihe.

Prächtige Eichen und Buchen

Link hob hervor, wirtschaftliche Aspekte spielten immer die wichtigste, doch nicht die alleinige Rolle. Im Ideal werde zielgerichtet und sinnvoll gewirtschaftet. Einen »Museumsbetrieb« könne es nur in Sonderfällen geben. Dann würden wertvolle Biotope erhalten und »Kernzonen« für den Naturschutz bewahrt. Aber das müsse die Ausnahme sein.

Der mittelfristige Volumengewinn pro Jahr sei ein wirtschaftliches Kriterium, in dem Eichen von Douglasien übertroffen würden, informierte Link die Gruppe. Douglasien gelten als »Baumart der Zukunft«, die Fichten ersetzen könne, doch ein Exemplar kämpfe, weil ihm zwei Jahre der Trockenheit geschadet haben.

Zeichen der Hoffnung im Niedergang waren bei der Waldbegehung mit prächtigen Eichen und Buchen nicht zu übersehen. Traubeneichen und Douglasien werden weiter gepflanzt, aber »letztlich kann keiner die Entwicklung genau voraussagen«, erinnerte Link. Mit dieser Einsicht endete die gut besuchte und lebendige Exkursion, in der zahlreiche Fragen gestellt und Einwürfe vorgebracht worden waren.

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