25. Oktober 2019, 19:11 Uhr

Kotzbrocken aus Niederbayern

25. Oktober 2019, 19:11 Uhr
Da muss Django Asül den Finger heben: Der Kabarettist schimpft über den Klimawandel und die Digitalisierung. (Foto: hkr)

Wer in einem »mondänen Theater« auftritt und von der bayerischen Heimat erzählt, hat sich viel vorgenommen. Django Asül sucht das »Las Vegas« in Hessen auf und sorgt an zwei Abenden in Bad Nauheim für gute Unterhaltung, nicht zu viel Politik, aber deftige Folklore mit vielen Doppeldeutigkeiten und Insider-Komik. Asül ist Humorist mit niederbayerischem Dialekt, und das Badehaus 2 »wie die Elbphilharmonie«, ein Ort der Begegnung mit einem »flippigen Publikum«.

»Offenes Visier« ist eine erste Testversion für ein erlesenes Publikum mit »intellektuellem Niveau« von einem Kabarettisten, der sich selbst nicht in die schöpferische Pause schickt, sondern seine Themen in der Familie, im Ort und am Stammtisch findet. Hier das pralle Leben, quasi der Fundus mit Ecken und Kanten, dort Asül mit dem Auftrag, ungeschönt Kleinkunst mit Unterhaltungswert zu erwirken. Es gibt nur die Realität »da draußen«, die aber nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Was da draußen das Leben ist, ist für den Bayer ein Elend; solidarisch gegen die Spaltung angehen. Das heißt für Django Asül, immer offen bleiben für Neues.

Mit viel guter Laune und dem Charme eines bajuwarischen Originals sind der häusliche Alltag wie die großen Themen der Gesellschaft oder auch die EU mit ihren vitalen Konflikten Gegenstand des Programmes. Klimawandel steht ganz oben, und ohne die Digitalisierung geht es auch nicht. Asül geht mit »offenem Visier« auf Lösungssuche. Dort, wo »Glück noch den geregelten Stuhlgang« bedeutet und Altruismus mit Sozialkompetenz die Arbeit des Kabarettisten umschreibt, müssen auch Fakten mit Tatsachen belegt werden. Seine Beobachtungen des Umfeldes und die lebhafte Diskussion am örtlichen Stammtisch mit knackigen Wortmeldungen ist unverblümte Philosophie aus dem Mikrokosmos des Ländlichen. Themen wie Respekt und Familie, wie Lebenslügen und Kleinkrämertum, bürgerliches Wohlbefinden und Konsumgesellschaft geraten in den Fokus der identitätsstiftenden Erkenntnisse zwischen Weißbier und Weißwurst. Dabei ist auch die eigene Herkunft für den Künstler entscheidend.

Die einfachen Wahrheiten

Der »Kotzbrocken vor dem Herrn« aus Niederbayern erzählt von der schwierigen Sozialisation im granteligen Umfeld. Nicht Pumuckl ist das Maß der Dinge, sondern die Helden der Spaghetti-Western: Asül als sympathischer Antiheld mit Humor bewaffnet gleicht heterogene Positionen in der Gesellschaft aus, als Mediator stellt sich der Künstler seiner Verantwortung mit Leidenschaft. Was gut fürs Herz ist, ist auch gut fürs Hirn. Einfache Wahrheiten zählen wieder, sprechen hilft, und zuhören auch.

Asül verschreibt sich dabei dem Grundsatz, dass das Publikum teilhaben muss: Wer bezahlt, will Erkenntnis. Er wirbt nicht um Verständnis für die Position der Seinen in der niederbayerischen Marktgemeinde Hengersberg, aber der Gast im Theater hat schon ein Anrecht darauf, dass er klüger das Theater verlassen sollte. Ob das passiert, sei mal dahingestellt, dem Unterhaltungswert schadet es jedoch nicht, die Veranstalter freuen sich, waren doch beide Abende zu Recht ausverkauft.

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