09. September 2019, 19:56 Uhr

Konzert für zugehaltene Ohren

09. September 2019, 19:56 Uhr

Einen einzigen großen Traum mit vielen schönen sinnlichen Episoden erlebten die Besucher am Freitag- und Samstagabend im Burggarten. Zum Träumen einschlafen mussten sie jedoch nicht, diente das Gartengelände doch als geradezu fantastische Kulisse für die »Burggartenträume«, einer Inszenierung des Berliner Theaters Anu, das von Stefan und Bille Behr einstmals in Heppenheim gegründet worden war.

Seit mehr als zehn Jahren hat sich die Truppe auf poetische Theaterinszenierungen im öffentlichen Raum spezialisiert, wie am vergangenen Wochenende beim 150-jährigen Kurbadjubiläum in Bad Nauheim (die WZ berichtete ).

Vergleichbar waren die beiden Inszenierungen jedoch nicht. Den Burggarten tauchte die Truppe in ein ganz besonders Licht, nicht zuletzt dank vieler farbiger Scheinwerfer und den vielen Windlichtern in Papiertüten am Boden, die den Besuchern den Weg wiesen. Die Lichtinstallationen, wie die in Rot eingetauchte Brücke zwischen Promenade und Schloss, waren so effektvoll, dass eine Besucherin eine angestrahlte Staude neben dem Weg sogar für eine neue Kunstinstallation hielt.

Wer den Burggarten durch den Haupteingang betrat, der erblickte sofort die Lichtkreise auf der großen Wiese unter dem Adolfsturm. Nahezu jeder lief die Kreise ab, um dann, quasi als kleine Belohnung, in ein Fernrohr mit einem Kaleidoskop zu blicken. Eine besondere Träumerei bot Theaterchef Stefan Behr mit seinem Schattentheater, in dem er die von ihm geschriebene Geschichte vom König, der nicht schlafen konnte, erzählte. Gebannt folgten nicht nur die jüngeren Besucher dem Märchen, um sich dann wenige Meter weiter dem »Schwingklingklang« hinzugeben.

Ungewöhnlicher Musikapparat

Den ungewöhnlichen Musikapparat bediente Niko Herdiekerhoff. Das »Konzert für zugehaltene Ohren« konnten die Besucher nur dann richtig genießen, nachdem sie Fäden um ihre Zeigefinger gewickelt und diese in ihre Ohren gesteckt hatten. Der voluminöse, hallende Klang von gezupften Seilen und angeschlagenen Metallgegenständen oder einem Radreifen überraschte jeden, der sich dem Experiment stellte. Auf dem Weg zur Naturbühne kamen die Spaziergänger an einer Kastanie mit Gesicht vorbei und hörten Kinderwünschen aus dem Off zu. Wenige Meter weiter konnten in Guckkästen Feuerwerksbilder und farbige Kaleidoskope bestaunt werden. »Das ist schon etwas gruselig«, meinte eine Besucherin, die Janna Schimk, als Frau in Weiß mitten im Hang bei ihren verzweifelt wirkenden Bewegungen zu sphärischer Musik beobachtete. Die Naturbühne war der passende Ort für den »Schattentraum« von Helena Kühn. In ihrem Bett erlebte die Schlafende einen poetischen Traum. Völlig fasziniert verfolgten die Besucher auf der Leinwand dahinter die fantastischen Kapriolen des Schattens der Schauspielerin.

Im mittleren Rondell an der Promenade erzählte Kathleen Rappold auf einer Leiter sitzend die Geschichte von der Grille, die unbedingt auf den Mond hüpfen wollte. Auch hier verfolgten die Zuschauer intensiv die poetische Geschichte. Wenige Meter weiter konnte jeder, der sich darauf einließ zum Sternenläufer werden. Mit einem Schirmstil in der Hand, an dem ein dünner, durchsichtiger Stoff herunterhing, lief man einige Meter völlig verhüllt durch ein wahres Sternenmeer. »Das ist unglaublich faszinierend«, meinten mehrere Besucher.

Die verschiedenen Stationen wurden en Suite bespielt, und immer wieder gab es viel Beifall für die Akteure. So mancher Besucher drehte mehrere Runden durch den Burggarten, um sich immer wieder neu überraschen zu lassen.

Es waren zwei Abende in einer poetischen Welt voller wundersamer Überraschungen und Stimmungen, die man sich in der heutigen hektischen Zeit viel öfter wünscht.

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