12. Mai 2019, 06:00 Uhr

Reichen 60 Millionen?

Klinik-Ausbau: Projekt mit finanziellen Risiken

60 Millionen Euro sind veranschlagt, doch die werden kaum ausreichen: Der Ausbau der Bad Nauheimer Hochwaldklinbik ist eine Mammutaufgabe. Der Bauausschuss stellte jetzt erste Weichen.
12. Mai 2019, 06:00 Uhr
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Von Bernd Klühs
Im Lauf der Erweiterung wird das zusätzliche Bettenhaus des Hochwaldkrankenhauses (vorne, links) abgerissen. Zwischen dem Klinik-Altbau (im Hintergrund) und dem Facharztzentrum (nicht im Bild) entsteht ein F-förmiger Neubau, der auch eine Aufstockung der Notaufnahme (Flachbau rechts) einschließt. Das Krankenhaus erhält einen neuen Haupteingang, der auf dieser Seite des Gebäudekomplexes liegen wird. (Foto: Nici Merz)

Die Konzentration der stationären Behandlung von Patienten im Hochwaldkrankenhaus, wie sie vom Gesundheitszentrum Wetterau (GZW) vorgesehen ist, wird von der Bad Nauheimer Politik gewünscht, keine Frage. Ob die Friedberger Bürger alle damit einverstanden sind, ist ein anderes Thema. Der Bauausschuss der Kurstadt befasste sich am Donnerstagabend erstmals mit den Ausbauplänen für die Klinik. Jürgen Patscha, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, sprach von einer »außerordentlichen Aufgabe«, die auf ihn und seine Kollegen zukommen. Zumal noch nicht alle Grundlagen für die Entwicklung eines Bebauungsplans vorhanden seien. »Der Planungsprozess wird uns noch oft beschäftigen«, sagte Patscha.

Für einen Stadtplaner steht die Verkehrslenkung im Fokus. Da die Bettenzahl am Ende des vier- bis fünfjährigen Erweiterungs- und Sanierungsprozesses fast verdoppelt sein wird, werden deutlich mehr Autos in dem Gebiet am Rand des Hochwalds unterwegs sein. »Die Zahl der Stellplätze reicht schon heute nicht aus«, betonte der Fachbereichsleiter. Er begrüßte es deshalb, dass Bürgermeister Klaus Kreß im Lauf der Sitzung erstmals den Begriff »Parkhaus« verwendete. An der Ecke Ringstraße/Carl-Oelemann-Weg werden vermutlich drei Parkebenen entstehen, bislang gibt es eine. Die Zufahrt soll möglichst direkt von der Ringstraße erfolgen, um den Carl-Oelemann-Weg zu entlasten.

Obwohl die Änderung des B-Plans »Im Sichler« laut Patscha 2019 nicht abgeschlossen werden kann, soll es trotzdem beim anvisierten Baubeginn in diesem Jahr bleiben. Möglich ist das, wenn das Kreisbauamt bereits über alle Planungsdetails informiert ist und grünes Licht gibt. In Angriff genommen werden soll ein erster kleiner Abschnitt, der Ausbau des OP-Trakts und der Zentralsterilisation.

»Ich nenne keine Zahlen bezüglich der Investitionssumme«, sagte Patscha. Auch das ist allerdings ein Kommentar, denn bislang war stets von 60 Millionen Euro die Rede, 72 Prozent dieser Summe sollen durch Landesmittel refinanziert werden. Mitglieder des Bauausschusses äußerten sich weniger zurückhaltend als der Fachbereichsleiter.

Zum Beispiel Bernd Witzel (UWG): »Die 60 Millionen dürften nicht ausreichen. Es können erhebliche Kosten auf die Stadt zukommen, wenn wir 50 Prozent der GZW-Gesellschaftsanteile behalten.« Der Vertreter der Freien Wähler ging damit auf die nach wie vor laufenden Verhandlungen zwischen Stadt und Wetteraukreis bezüglich der Zukunft des Gesundheitszentrums ein. Zunächst war die komplette Übernahme des GZW durch de Kreis vorgesehen, doch inzwischen scheint alles wieder in der Schwebe zu sein. Bürgermeister Kreß ließ sich am Donnerstag nicht in die Karten schauen, erwähnte lediglich »vertrauensvolle Gespräche« mit Landrat Jan Weckler. Fakt ist: Das GZW muss an Eigenmitteln sehr wahrscheinlich mehr als die prognostizierten 16,8 Millionen Euro aufbringen. »Die Investition in das Parkhaus ist in den 60 Millionen Euro nicht drin«, sagte Patscha. Bliebe Bad Nauheim 50-Prozent-Partner in der GZW gGmbH, kämen inklusive Parkhaus somit Kosten von gut 10 Millionen Euro auf die Stadt zu .

Eine Überforderung der Stadt befürchtet auch Grünen-Sprecher Dr. Martin Düvel. Vor allem nach dem Ausbau werde aus dem Hochwaldkrankenhaus eine Klinik für die gesamte Wetterau. »Wir können als Stadt nicht 50 Prozent finanzieren. Wir bezahlen schon alles fürs Eisstadion und die Therme, die beide überregionale Bedeutung haben.«

Am inhaltlichen Konzept für die Erweiterung der Klinik haben Stadtverordnete und Magistrat nichts auszusetzen. Der Bürgermeister wies auch auf die Bedeutung von Modernisierung und Sanierung hin. »Ein Investitionsstau wird aufgelöst«, unterstrich Kreß. CDU-Fraktionschef Manfred Jordis nannte es eine sehr sportliche Aufgabe, in diesem Jahr mit den Arbeiten beginnen zu wollen. Aufgabe der Stadt sei es, jetzt den ersten Planungsschritt zu machen.Die Abstimmung im Bauausschuss ergab ein einstimmiges Votum. Grünen-Sprecher Düvel begrüßte das Konzept. Der Ausbau sei wichtig, um die Attraktivität des Hauses zu steigern und qualifizierte Fachärzte zu halten.



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