06. November 2019, 19:07 Uhr

Klimaschutz: 40-Prozent-Ziel erreicht

06. November 2019, 19:07 Uhr
Bis 2030 will der Wetteraukreis insgesamt 55 Prozent CO2 einsparen, das hat Landrat Jan Weckler bei der Vorstellung des Klimaschutzberichtes gesagt. (Foto: Nici Merz)

40 Prozent Einsparung von Treibhausgas-Emissionen gegenüber 1990: Dieses von der Bundesregierung gesteckten Klimaschutzziele für das Jahr 2020 ist im Wetteraukreis bereits erreicht worden. Das zeigt der Klimaschutzbericht für die Jahre 2017 und 2018, den Landrat Jan Weckler im Kreistagsausschuss für Regionalentwicklung, Umwelt und Wirtschaft vorgelegt hat. »Bis zum Jahre 2030 wollen wir insgesamt 55 Prozent CO2 einsparen«, formuliert Weckler das ambitionierte Ziel.

In dem knapp 50 Seiten umfassenden Papier werden alle gebäuderelevanten Verbräuche für die Jahre 2017 und 2018 im Vergleich zu den Jahren 1990 und 2006 dargestellt. Berücksichtigt wurden dabei fast 2000 verschiedene Kennzahlen aus 88 Schulen, acht Verwaltungsliegenschaften und acht Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge.

69 Mensen mehr

Den größten Energieverbraucher des Kreises machen die 88 Schulen aus. Trotz deutlich gestiegener Fläche zwischen 1990 und 2018 ist der Gesamtverbrauch insgesamt von 64 565 MWh auf 37 611 MWh gesunken. Das ist ein Rückgang um 42 Prozent. Rechnet man den Wärmeverbrauch pro Quadratmeter und Jahr, ergibt sich sogar eine Verminderung von mehr als 50 Prozent. Lag der Verbrauch im Jahre 1990 bei 198 kWh pro Quadratmeter und Jahr, ist er nicht witterungsbereinigt nunmehr auf 91 kWh im Jahre 2018 gesunken. Das sei umso höher zu bewerten, da erhebliche Energiekosten durch den Ganztagsunterricht und den damit notwendigen Mensen verbunden seien. »Insgesamt haben wir bis zum jetzigen Zeitpunkt bereits eine Einsparung von 50,5 Prozent CO2-Emissionen in unseren Liegenschaften erreicht«, sagt Weckler.

Gegenüber dem Jahr 1990 gab es eine erhebliche Flächenmehrung an den kreiseigenen Gebäuden, von 325 000 Quadratmetern auf 412 000 Quadratmeter (plus 27 Prozent). Die Zahl der Schülerinnen und Schüler stieg von 33 301 auf 36 098 Schüler (plus acht Prozent). Mensen gab es 1990 keine, 2018 waren es 69. Heute gibt es 66 Ganztagsschulen, 1990 hingegen gab es keine. Zudem sind heute 6100 Computer und Notebooks in den Schulen im Betrieb, im Jahr 1999 waren es 1250.

Möglich geworden sei die Energieeinsparung durch eine Vielzahl von Maßnahmen, um den Energieverbrauch zu senken. Dazu zählten in erster Linie die energetische Ertüchtigung der Gebäude, etwa durch Wärmedämmung, neue Fenster, gedämmte Dächer und effizientere Heizungsanlagen. »In einem Gebäudebestand mit mehr als 400 Einzelgebäuden gibt es immer noch enorme Möglichkeiten, den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoß zu vermindern«, sagt Weckler.

»Wir wollen auch mit Wärmepumpen Energie sparen«, sagt der Landrat. Man sei noch in einem Versuchsstadium. Beim Einsatz von Containern funktioniere das System. Ob es sich auch in Schul- und Verwaltungsgebäuden sinnvoll einsetzen lasse, werde im laufenden Betrieb ermittelt. »Ziel ist es, den CO2-Ausstoß weiter zu reduzieren, trotz absehbarer Flächenmehrung und mehr elektrischen Geräten in den Liegenschaften.«

Beispielhaft nennt Weckler die Teilnahme am Quartiers-Konzept der Stadt Nidda mit dem dortigen Gymnasium. Dort werde ein Sanierungskonzept für öffentliche Gebäude entwickelt, in dem die energetischen Sanierungsmaßnahmen konkretisiert und detailliert ausgearbeitet würden. Das Quartierskonzept werde nach den Vorgaben eines Förderprogramms der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ausgearbeitet. Dadurch könnten die Kosten für die Entwicklung des Konzepts zum Teil übernommen werden.

Grundschüler als Klimaexperten

Ein weiterer Aspekt zur Einsparung von Energie und der Reduktion von CO2-Ausstoß sei das persönliche Nutzerverhalten. »Hier haben wir ebenfalls schon früh Akzente gesetzt, etwa mit der Ausbildung von Grundschülern zu Klimaexperten«, sagt Weckler.

Neben der Einsparung von Energie werde die Gewinnung von Energie immer wichtiger. Mittlerweile gibt es 47 Fotovoltaikanlagen, die im vergangenen Jahr rund 1,5 Millionen kWh Strom erzeugt haben. Eine Menge, mit der 500 Personenhaushalte ein Jahr mit Energie versorgt werden könnten.

Eine andere Form der Energieeinsparung sei mit dem vermehrten Einsatz von Klassenraumcontainern verbunden. Diese würden aufgebaut, um kurzfristige Spitzen bei den Schülerzahlen abzufangen, etwa an der Rosendorfschule in Steinfurth oder der Degerfeldschule in Butzbach. Seien die Container in der Vergangenheit wegen ihrer kurzen Standzeit oft mit Elektroheizungen betrieben worden, gehe man jetzt auf den Betrieb mit Wärmepumpen über.

»Als Wetteraukreis nehmen wir unsere Verantwortung ernst und wollen aktiv bei der Umsetzung der Klimaschutzziele mitwirken, die sich Deutschland, aber auch der Wetteraukreis gesetzt haben«, betont Weckler.

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