19. Juni 2018, 18:28 Uhr

Kleinkunst vom Feinsten

19. Juni 2018, 18:28 Uhr

Schon das große bunte Bild einer Stockrose auf der Einladung zum Begegnungsnachmittag ins Erika-Pitzer-Begegnungszentrum machte neugierig. Die Erwartungen wurden auch nicht enttäuscht. Den Auftakt beim Sommerfest des Bund der Vertriebenen gab Norbert Quaiser an seinem Keyboard mit dem Marsch »Hoch Heidecksburg«.

Danach bot die junge Tänzerin Lara Fleißner vom Alternativen Tanzclub Bad Nauheim dem Publikum etwas Einmaliges: »Fantastisch, es hat alles gestimmt, es war wunderbar«, war die einhellige Meinung: Begleitet mit Musik von Antonín Dvorák und Antonio Vivaldi schwebte Lara in einem großen, weiten Seidenkostüm über die Bühne. »Schmetterlingstanz« hieß ihr Auftritt.

Bei dem Kostüm handelt es sich um einen überdimensionierten Rock, der aus einem Kreis mehrerer Meter langer, konisch zulaufender Seidenstoffstreifen besteht und aufgrund seiner Größe nicht mehr auf der Hüfte, sondern auf den Schultern oder auf dem Kopf befestigt wird. Unsichtbar in das Kostüm eingenähte Aluminium-Stäbe, von der Tänzerin mit den Händen gehalten, dienen als Armverlängerungen, um die Stoffmassen in Bewegung halten zu können.

Passend zur Jahreszeit hatte Helmut Körner das Gedicht »Sonnenwende« von Rudi Köppel herausgesucht. Köppel war Sudetendeutscher und lebte in Nieder-Mörlen. Der Zufall wollte es, dass Köppels Tochter mit einer dicken Mappe mit Manuskripten ihres verstorbenen Vaters im Publikum saß. »Damit sollte man einmal einen Köppel-Erinnerungsnachmittag gestalten«, meinte Norbert Quaiser.

Von ihrer ungebetenen »Cilli-Tant« konnte die Böhmerwäldlerin Hilda Grobauer, ganz in heimatlichem Dialekt, ein Lied singen. Diese Tante stand eines Tages unangemeldet vor der Tür, aß und trank tagelang tüchtig und dachte nicht ans Weggehen. Erst als die kleine Hilda fragte »Ist die »Cilli-Tant« unsere Erbtante?« machte sich der ungebetene Gast wütend mit unbekanntem Ziel von dannen.

Franz Werner, von der früheren »Reichenberger Gilde zu Frankfurt«, strapazierte die Gäste danach mit dem Dialekt seiner nordböhmischen Heimat. »Anton, Panton, Struhsaackmoon«. Das kleine Büchlein mit Spottversen, aus dem er vortrug, hatte Brunhilde Steitz, gleichfalls, eine Reichenbergerin, zusammengestellt. In der DDR, war Brunhilde Steitz aus politischen Gründen, zu acht Jahren »Bautzen, Waldheim, und Hoheneck« verurteilt worden. Bis zum letzten Tag verbüßte sie ihre »Strafe« hinter Zuchthausmauern, später zog sie nach Langen, wo ihre Mutter wohnte. BdV-Kreisvorsitzender Reinhard Schwarz erinnerte daran, dass genau vor 65 Jahren, am 5. Juni 1953, das Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetz in Kraft trat. Schließlich erlebten die Gäste noch Rosemarie Kunz, Bertl Kriegk und Erwin Gröger, die mit ihren Vorträgen für allgemeines Schmunzeln sorgten. Mit »Auf Wiedersehen am 2. Oktober« verabschiedete Quaiser die Gäste in die Sommerpause.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Antonio Vivaldi
  • Bund der Vertriebenen
  • Dialekte
  • Keyboard
  • Kleinkunst
  • Sommerfeste
  • Tänzerinnen
  • Bad Nauheim
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos